Wirtschaft
Hans-Georg Härter kann derzeit zufrieden dreinblicken.
Hans-Georg Härter kann derzeit zufrieden dreinblicken.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Dienstag, 14. Dezember 2010

Umsatzrekord geschafft: ZF Friedrichshafen obenauf

Nachdem ZF Friedrichshafen 2009 am Rande der Zahlungsunfähigkeit stand, meldet sich der Autozulieferer nun mit einem Rekordumsatz und schwarzen Zahlen zurück. Davon profitieren nun sogar die Angestellten. Die eigenen Zulieferer muss ZF auf Grund der boomenden Wirtschaft jedoch stützen.

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen erwartet in diesem Jahr einen neuen Umsatzrekord. Die Erlöse werden Ende 2010 bei 12,9 Milliarden Euro liegen - 38 Prozent mehr als im Krisenjahr 2009, wie ZF-Chef Hans-Georg Härter betonte. Nach einem Verlust von 421 Millionen Euro im Vorjahr erwartet der Antriebs- und Fahrwerksspezialist wieder deutlich schwarze Zahlen. "Wir haben unerwartet schnell in die Erfolgsspur zurückgefunden", sagte Vorstandschef Härter, der mit dem Aufsichtsrat über eine mögliche Verlängerung seines noch bis Ende 2011 laufenden Vertrages verhandelt. Dazu habe unter anderem die hohe Nachfrage in den Schwellenländern und die Erholung der Nutzfahrzeugbranche beigetragen. Der Rekordgewinn von 518 Millionen Euro aus dem Jahr 2007 bleibe jedoch auch 2010 unerreicht.

"Wir haben unsere Finanzstärke wieder erlangt, generieren Cash und können unsere Investitionen selbst finanzieren", zog Härter Bilanz unter das zu Ende gehende Jahr. Der Anfang 2009 wegen Liquiditätsengpässen bei der Förderbank KfW aufgenommene zinsgünstige Kredit werde nicht in Anspruch genommen und fristgerecht im Jahr 2012 zurückgezahlt.

Neue Jobs und Gewinnbeteiligung

ZF profitiert besonders von der Fahrzeugproduktion in China (hier im Bild das Ford-Mazda-Werk in Chongqing).
ZF profitiert besonders von der Fahrzeugproduktion in China (hier im Bild das Ford-Mazda-Werk in Chongqing).(Foto: REUTERS)

In das kommende Jahr geht ZF mit Zuversicht, da sich der monatliche Auftragseingang seit dem Frühjahr auf bis zu 1,4 Milliarden Euro beläuft. Die Autoindustrie sei wieder auf Wachstumskurs und profitiere insbesondere vom boomenden chinesischen Markt. Dort werde sich die Fahrzeugproduktion um rund 30 Prozent auf gut 20 Millionen Stück im Jahr 2013 erhöhen.

Mit dem Aufschwung kommen auch die Jobs zurück. ZF hat nach Härters Worten in diesem Jahr weltweit 4000 neue Mitarbeiter eingestellt, rund 900 davon in Deutschland. Zudem dürfe sich jeder Angestellte auf 500 Euro Erfolgbeteiligung freuen. Dafür ziehe ZF im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern die für April 2011 vereinbarte Tariferhöhung nicht auf Februar vor.

Sorge um Lieferanten

Der unerwartet steile wirtschaftliche Aufschwung sorgt allerdings für eine Rohstoffknappheit, weswegen sich ZF um das Überleben zahlreicher Zulieferer sorgt. "Wir haben 37 Lieferanten auf der Watchlist", so Härter. "Bei einigen sehen wir deutliche Probleme." Es gebe Engpässe etwa bei Aluminium, Stahl und Wälzlagern. Einige Firmen seien finanziell in Bedrängnis und könnten mangels ausreichender Finanzierung die hohe Nachfrage kaum bedienen. ZF springe daher in die Bresche und unterstütze notleidende Lieferanten mit längeren Zahlungszielen, Vorfinanzierungen und notfalls auch mit der Übernahme. Vor wenigen Wochen hatte ZF bereits die Druckguss-Tochter Fonderie Lorraine aus der Insolvenzmasse des Zulieferers Honsel erworben, um die Belieferung seiner eigenen Kunden sicherzustellen.

Blick ins ZF-Werk in Friedrichshafen am Bodensee.
Blick ins ZF-Werk in Friedrichshafen am Bodensee.(Foto: picture alliance / dpa)

ZF rangiert in Deutschland nach Bosch und Continental auf Platz drei in der Rangliste der größten Autozulieferer, weltweit nimmt der Hersteller von Lenkungen, Getrieben und Fahrwerkstechnik Platz neun ein. Zum eigenen Lieferantennetz zählen rund um den Globus knapp 1000 Firmen, von denen ZF Teile für die Produktion bezieht.

Quelle: n-tv.de