Wirtschaft

Wegen Mangel an regulären Jobs Zahl der Solo-Selbstständigen gestiegen

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Das durchschnittliche Nettoeinkommen bei Solo-Selbstständigen lag 2016 bei 1567 Euro.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz guter Konjunktur gibt es nach einem vorübergehenden Rückgang wieder mehr Solo-Selbstständige in Deutschland. Oft haben die Betroffenen keine andere Wahl. Ihr Einkommen ist häufig gering - die soziale Absicherung auch.

Die Zahl der Solo-Selbstständigen ist seit dem Jahr 2000 deutlich auf 2,31 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamts hervorgeht, die die Linken im Bundestag angefragt hatten, gab es zu Beginn des Jahrtausends nur 1,84 Millionen Selbstständige ohne eigene Beschäftigte. Solo-Selbstständige haben dabei ein vergleichsweise niedriges Einkommen. Im vergangenen Jahr lag ihr monatliches Nettoeinkommen im Schnitt bei 1567 Euro.

Bis 2012 war die Zahl der Solo-Selbstständigen fast kontinuierlich bis auf 2,46 Millionen in die Höhe gegangen. Dann sank sie auf 2,30 Millionen im Jahr 2015, um nun wieder leicht anzusteigen. Weit weniger Veränderungen gab es bei den Selbstständigen mit eigenen Beschäftigten. Deren Zahl lag im vergangenen Jahr bei 1,83 Millionen, 2000 waren es 1,8 Millionen. Sie verfügten im Jahr 2016 über ein monatliches Nettoeinkommen von im Schnitt 2866 Euro, abhängig Beschäftigte über 1630 Euro.

Ergänzende Hartz-IV-Leistungen bezogen im vergangenen Jahr etwas mehr als 105.000 Selbstständige. Sabine Zimmermann, die Vize-Chefin der Linksfraktion, die die Daten angefragt hatte, sagte: "Der Weg in die Selbstständigkeit ist für viele auch ein Weg in eine prekäre Tätigkeit, von der man nicht leben kann." Insbesondere bei Solo-Selbstständigen sei die berufliche Situation auch Ausdruck von weniger regulären Arbeitsplätzen oder eines Outsourcings von Unternehmen. "Oft war die Entscheidung zur Selbstständigkeit keine freiwillige."

Betriebe und Behörden lagern an Freiberufler aus

Durch die Einführung der Förderung von sogenannten Ich-AGs im Zuge der Hartz-Gesetze sei die Solo-Selbstständigkeit zu einer Allzweckwaffe gegen Erwerbslosigkeit auserkoren worden - die für viele jedoch eine Sackgasse gewesen sei. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für das Bundesarbeitsministerium aus dem vergangenen Jahr begünstigte auch das starke Wachstum des Kreativsektors die Ausbreitung der Solo-Selbstständigkeit. Betriebe und Behörden lagerten demnach viele Funktionen an Freiberufler aus, um Kosten zu sparen. Typisch seien dafür der Mediensektor sowie Sozial- und Pflegedienste. Laut der Studie wurden Existenzgründungen oft mangels ausreichender regulärer Jobs in Angriff genommen - stark befeuert durch die Förderung zuvor arbeitsloser Gründer.

Begleitet wurde der Trend demnach von einer Zunahme an Teilzeit und einer schwachen Einkommensentwicklung bei den Alleinunternehmern. "Grundsätzlich fühlen sich viele Selbstständige allein gelassen mit ihren Problemen und zu wenig gefördert", so Zimmermann. Eine neue Bundesregierung müsse vor allem für Solo-Selbstständige bessere Rahmenbedingungen schaffen - etwa durch die Einführung eines Mindesthonorars für Solo-Selbstständige.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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