Wirtschaft
Bald ein Luxusgut?
Bald ein Luxusgut?(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 13. Juni 2011

Süßes Sorgenkind: Zucker macht Handel nervös

Süßwarenhersteller sprechen von Zucker-Knappheit, Händler rationieren den Verkauf: Der Zucker macht momentan viele nervös. Die Sache ist kompliziert. Am Ende könnten auch auf Verbraucher höhere Preise zukommen.

In deutschen Supermärkten ist er momentan besonders billig, als Rohstoff dagegen besonders teuer: Der Zucker bereitet Lebensmittelhandel und -industrie seit einiger Zeit Sorgen. Süßwaren- und Getränkehersteller klagen über einen Zucker-Engpass und gestiegene Beschaffungskosten. Und einige Handelskonzerne treten inzwischen auf die Bremse, wenn Kunden größere Mengen Zucker kaufen wollen. Branchenexperten gehen davon aus, dass Zucker in den nächsten Monaten auch für die Verbraucher teurer wird.

In vielen Supermärkten im deutsch-polnischen Grenzgebiet hatten die Händler den Zuckerverkauf schon vor Wochen rationiert. Denn wegen der doppelt so hohen Preise in Polen kauften manche Kunden aus dem Nachbarland palettenweise Zucker in deutschen Geschäften.

Keine Hamsterkäufe mehr

Inzwischen haben einige Handelsunternehmen ihre Abgabe-Beschränkungen auf ganz Deutschland ausgedehnt. "Aufgrund der aktuellen Thematik achtet Kaiser's Tengelmann darauf, dass Zucker nur in den haushaltsüblichen Mengen - fünf bis sechs Verpackungen pro Kunde - abgegeben wird", sagt eine Sprecherin. "Zudem gibt es derzeit keinerlei Zucker-Sonderangebote." Auch die Rewe-Zentrale hat ihre Rewe- und Penny-Filialen eigens darauf hingewiesen, Zucker nur noch in haushaltsüblichen Mengen zu verkaufen. Dabei handelt es sich nach Angaben eines Sprechers um eine reine Vorsichtsmaßnahme, weil es vereinzelt zu Zucker-Großeinkäufen gekommen sei.

Chart

Dass "Otto Normalverbraucher" jetzt massenweise Zuckerpäckchen hamstert, glauben Branchenkenner indes nicht. Vielmehr deckten sich vor allem Kleinunternehmer wie Gaststätten, Kioske oder Eisdielen statt im Großhandel häufiger in Supermärkten mit günstigem Zucker ein. Seit vergangenem Herbst ist ein Kilo schon für 65 Cent zu haben. So billig sei Zucker im Einzelhandel seit mindestens zehn Jahren nicht gewesen, sagt Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail.

Ganz anders ist die Situation für die Industrie, die große Mengen des Rohstoffs zur Weiterverarbeitung braucht. Viele Hersteller bekämen über die bestehenden Kontrakte hinaus entweder gar keinen Zucker oder nur zu extrem hohen Spotpreisen, klagt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Dies belaste die Margen und sei für einige Unternehmen sogar existenzbedrohend.

Knappheit "herbeigeredet"

Aus Sicht der Produzenten ist die Zucker-Knappheit "herbeigeredet"."Es ist genug Ware verfügbar", betont Dieter Langendorf, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker. "Aber wer zusätzliche Mengen vom Weltmarkt braucht, muss wahrscheinlich mehr bezahlen."

Hintergrund ist der stark regulierte EU-Zuckermarkt. Nur 85 Prozent des in der EU benötigten Zuckers dürfen aus dortiger Produktion stammen, der Rest muss aus Drittstaaten importiert werden. Unter anderem wegen schlechter Ernten schoss der Weltmarktpreis für Zucker nach oben: Anfang des Jahres lag er bei 587 Euro pro Tonne und damit deutlich über dem EU-Preis. Deshalb hätten viele Liefer-Länder ihre weiße Ware anstatt nach Europa lieber woandershin verkauft, erläutert Michaela Kuhl, Rohstoff-Expertin der Commerzbank. "Dementsprechend knapp ist Zucker in der EU geworden."

Luxus Zucker

Obwohl die EU-Kommission daraufhin zusätzliche Zuckermengen freigab, sei dies immer noch zu wenig, sagt BDSI-Referent Karsten Daum. Und auch wenn der Preis am Weltmarkt inzwischen wieder gesunken ist, sei der Zucker-Kauf dort wegen hoher Zollgebühren zu teuer. "Zucker droht zum Luxusgut zu werden", warnt der Konfitürehersteller Zentis. Und Ritter Sport geht davon aus, dass als Folge die Schokolade teurer wird.

Wegen der allgemein gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten haben in den vergangenen Monaten mehrere Hersteller Preiserhöhungen angekündigt. Neben Zucker sind zum Beispiel auch Kakao, Mehl und Weizen teurer geworden. Inwieweit der Handel solche höheren Preise mitmacht, wird sich zeigen. Rewe-Vorstand Manfred Esser sagte erst kürzlich zu entsprechenden Plänen der Industrie: "Wir werden uns massiv dagegen stellen."

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen