Tech-Werte treiben Asien-Börsen
Eine vorläufige Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran treibt die asiatischen Aktienmärkte wieder an. Nachdem beide Länder ihre Angriffe vorerst ausgesetzt haben, greifen Anleger bei den zuletzt gefallenen Halbleiterwerten wieder zu. Der Nikkei steigt um 0,95 Prozent auf 64.635,71 Punkte, während der breiter gefasste Topix 0,5 Prozent auf 3871,78 Zähler zulegt. In Südkorea klettert der Kospi sogar um 3,4 Prozent nach oben, nachdem es gestern noch mehr als acht Prozent eingebrochen war. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gewinnt 1,5 Prozent.
In Tokio erholen sich vor allem die Technologiewerte von ihren jüngsten Verlusten. So springen die Papiere des Chipanlagenbauers Tokyo Electron um 7,3 Prozent nach oben, und der Halbleiter-Tester Advantest gewinnt 4,12 Prozent. "Das Vertrauen in KI-bezogene Aktien bleibt stark, aber es gab auch Vorsicht wegen der rasanten Markterholung", sagt Kazuaki Shimada, Chefstratege bei IwaiCosmo Securities.
In China sorgen überraschend starke Handelsdaten für Rückenwind. Die Exporte stiegen im Mai um 19,4 Prozent, während die Importe um 27,4 Prozent kletterten. Ausländische Käufer zogen Bestellungen vor, um sich gegen steigende Energiekosten durch den Nahostkonflikt abzusichern. Ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatte die Spannungen zuletzt zwar abgekühlt, brachte aber keinen Durchbruch im Zollstreit.
OpenAI wandelt auf Anthropic-Spuren
OpenAI hat vertraulich einen Antrag für einen Börsengang in den USA eingereicht. Der ChatGPT-Entwickler machte zunächst keine Angaben zum Volumen oder den Bedingungen des geplanten Börsengangs. Auch ein genauer Zeitplan stehe noch nicht fest, teilte OpenAI mit. Es könne noch eine Weile dauern, da einige Vorhaben als privates Unternehmen einfacher umzusetzen seien, hieß es. Der KI-Riese strebt bei seinem Debüt eine Bewertung von bis zu einer Billion Dollar an. Der Börsengang könnte im September erfolgen. Dies wäre ein wichtiger Test für das Interesse von Investoren an wachstumsstarken Technologieaktien. Auch der Konkurrent Anthropic drängt an die Börse.
OpenAI hatte Anfang des Jahres 110 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 840 Milliarden Dollar von namhaften Investoren wie SoftBank, Amazon und Nvidia erhalten. Das Unternehmen hatte zudem seine Partnerschaft mit dem frühen Investor Microsoft neu verhandelt, was Kooperationen mit anderen Firmen wie Amazon und der Google-Mutter Alphabet ermöglichte. Der Windows-Hersteller hatte seit 2019 insgesamt 13 Milliarden Dollar in OpenAI investiert. OpenAI erklärte im März, einen monatlichen Umsatz von zwei Milliarden Dollar zu erzielen. ChatGPT hatte zu diesem Zeitpunkt wöchentlich mehr als 900 Millionen aktive Nutzer.
OpenAI wurde 2015 als gemeinnützige Forschungsorganisation gegründet, rief jedoch vier Jahre später einen gewinnorientierten Zweig ins Leben, um die enormen Entwicklungskosten für Künstliche Intelligenz (KI) zu decken.
Dollar steht am Devisenmarkt im Fokus
Am Devisenmarkt stützt der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht den Dollar. Im asiatischen Devisenhandel gewinnt der Dollar geringfügig auf 160,21 Yen und legt leicht auf 6,7799 Yuan zu. Zur Schweizer Währung rückt er etwas auf 0,7973 Franken vor. Anleger bleiben jedoch wachsam, da ein weiterer Anstieg des Dollars Interventionen der japanischen Behörden auslösen könnte. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1538 Dollar und zieht leicht auf 0,9199 Franken an.
Apple rüstet Siri auf
Apple bringt sich im Technologie-Wettlauf mit einer neuen Version seines Sprachassistenten Siri in Stellung. Die mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattete Software "Siri AI" kann Bildschirminhalte analysieren und für zusätzliche Informationen auf das Internet zugreifen, wie der US-Technologiekonzern mitteilte. Für den Assistenten werde es zudem eine eigene App geben. Apple will noch in diesem Jahr eine Beta-Version für seine Kunden einführen.
Neben den KI-Funktionen kündigte Apple mehrere Aktualisierungen zum Jugendschutz an. Diese sollen unter anderem standardmäßig dafür sorgen, dass Kinder nur auf jene Apps zugreifen können, die von den Eltern freigegeben wurden. Mit der neuen Funktion "Ask to Browse" müssen Kinder zudem um Erlaubnis fragen, wenn sie eine neue Website besuchen wollen. Darüber hinaus sollen Gewaltdarstellungen in Nachrichten-Apps automatisch unkenntlich gemacht werden.
Das Unternehmen versucht mit den Neuerungen, den Rückstand auf Konkurrenten wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet aufzuholen. Diese haben sogenannte KI-Agenten, die komplexe Aufgaben ausführen können, schneller in ihre Systeme integriert.
Kollateralschaden droht Dax-Schwergewicht
Der Dax ist alles in allem recht stabil in die neue Handelswoche gestartet. Zwar wies der deutsche Börsenleitindex einen Verlust aus, schloss 0,6 Prozent schwächer mit 24.618 Punkten. Vorab war aber mit einem höheren Minus gerechnet worden: In Asien hatten Technologieaktien einen Ausverkauf erlebt, wie bereits schon der entsprechende Wall-Street-Sektor am Freitag. Gleichzeitig hatte sich auch die Nachrichtenlage rund um das Thema Iran wieder verschärft.
Ebenfalls gestern gab es enttäuschende Zahlen aus der deutschen Industrie. Und auch heute dürfte keine positive Nachricht folgen, denn: Die Schlüsselbranche dürfte schwach ins zweite Quartal gestartet sein. Die Exporte sind im April voraussichtlich um 0,5 Prozent zum Vormonat gesunken, sagen Ökonomen voraus. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe dürfte hingegen wachsen – aber nur um 0,5 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht zu Exporten und Produktion jeweils eine erste Schätzung.
Unternehmensseitig steht Oracle im Fokus: Bei den Quartalsergebnissen des SAP-Rivalen richten Börsianer ihr Augenmerk auf die Entwicklung des KI-Geschäfts. Ein Medienbericht über ein enttäuschendes Wachstum des ChatGPT-Entwicklers OpenAI hatte vor einigen Wochen Oracle-Anleger nervös gemacht. Das Unternehmen hat für das abgelaufene Quartal einen Umsatz zwischen 18,93 und 19,24 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn von 1,92 bis 1,96 Dollar je Aktie in Aussicht gestellt.
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