Wirtschaft
Mittwoch, 22. November 2006

Hedgefonds "light": Anlegen in Superfonds

Ein Dirigent: Das Gehirn eines Orchesters. Er bringt die verschiedenen Instrumente gekonnt zusammen. Je mehr es gibt, um so schwieriger ist seine Aufgabe. Kein Wunder dass – wenn es um Superfonds geht - mit so einer Figur geworben wird.

Denn Daniel Flück als leitender Analyst des BG Umbrella Fund dirigiert auch Instrumente - allerdings Finanzmarktinstrumente. Und das sind bei Superfonds einige mehr als bei klassischen Investmentfonds, so Daniel Flück:

„Ein klassischer Investmentfonds investiert in Einzeltitel. Ein Dachfonds investiert in Investmentfonds. Superfonds sind Dachfonds mit erweiterten Rechten. Denn Superfonds dürfen gleichzeitig in Fonds, Aktien, Renten, Zertifikate und in andere Derivate Instrumente investieren.“

Investition in Derivate erlaubt

Wie ein Dirigent bestimmt, wie laut Streicher oder Bläser zu hören sind, bestimmt der Fondsmanager bei Superfonds die Gewichtung der einzelnen Finanzmarktinstrumente. Je nach Marktlage könnte die Aktienquote also sogar bei aggressiven 100 % liegen.

Detlef Glow ist Forschungsleiter beim Fonds-Beratungsunternehmen Lipper. In der freien Ausgestaltungsmöglichkeit von Superfonds sieht er aber auch eine Gefahr:

„Fondsmanager die in diesen Bereichen aktiv sind, sollten ausgewiesene Spezialisten sein. Leider ist es so, dass nicht jeder Fondsmanager, der als Spezialist in seinem ursprünglichen Gebiet gilt – meinetwegen der Aktie – auch ein Spezialist für hochkomplexe derivative Strukturen ist.“

Auch als Hedge Fonds “light“ bezeichnet

Da Superfonds Unsicherheiten an den Märkten über Derivate absichern dürfen, werden sie auch oft als Hedge Fonds light bezeichnet. Daniel Flück von BG Umbrella Fund:

„Ein Superfonds darf ähnlich wie ein Hedgefonds auch in Derivate investieren. Er ist aber nicht mit den gleichen Rechten ausgestattet wie ein Hedgefonds. Das bedeutet, ein Hedgefonds darf Leerverkäufe tätigen, er darf großvolumige Kredite aufnehmen, er darf Geschäfte hebeln – das darf ein Superfonds nicht. Das erhöht natürlich auch die Sicherheit für den Anleger bei der Investition in einen Superfonds im Vergleich zur Investition in einen Hedgefonds.“

Ein ganz kleines Pop-Orchester kann man unmöglich mit einem großen Klassischen zu vergleichen – sie sind zu unterschiedlich. Genau wie die verschiedenen Superfonds am Markt. Da die Fondsmanager so viele Freiheiten bei der Ausgestaltung haben, bleibt die Transparenz auf der Strecke. Privatanleger würden also nahezu in eine Blackbox investieren.

Das heißt, wer trotzdem in Superfonds einsteigen will, sollte sich genau beraten lassen – auch bezüglich der Kosten. Auch die Renditen variierten zuletzt zwischen 1 und 30 Prozent in der Spitze. Ein Superfondsmanager scheint es damit schwerer zu haben als ein Dirigent – auch wenn der offensichtlich musikalischere von Beiden noch mehr Instrumente unter einen Hut bringen muss.

Quelle: n-tv.de