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Alexander Seibold Der Weg in die Krisenökonomie

Alexander Seibold

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Fast täglich kommen neue, schlechte Nachrichten über verschuldete Staatshaushalte und magere Konjunkturaussichten herein. Mehr denn je bin ich überzeugt, dass es sich bei den derzeitigen Verwerfungen nicht um eine vorübergehende Krise aufgrund von Einzelnen handelt, die sich mit verbrieften Hypotheken verzockt hatten. Nein, vielmehr reichen die Wurzeln zum Teil Jahrzehnte zurück, wie auch zahlreiche renommierte Experten konstatieren: Eine zu lockere Geldpolitik, ein falsches Vertrauen auf die Selbstregulierung der Märkte, dazu ungezügelte Spekulation und zu lasche Aufsicht. Die harte Realität ist, dass es so schnell nicht zu einem neuen, nachhaltigen Aufwärtstrend kommen wird.

Besser neue Realität akzeptieren als falschen Vorstellungen nachtrauern

Sehr stringent hat der Wirtschafts-Professor Nouriel Roubini die Probleme der Weltwirtschaft zusammengefasst. Er plädiert dafür, sich von der gescheiterten Vorstellung der inhärenten Stabilität, Effizienz und Sicherheit nicht regulierter Märkte zu verabschieden. Vielmehr sollten Marktteilnehmer akzeptieren, dass Krisen ein fester Bestandteil der Wirtschafts- und Finanzwelt sind. Die Alternative: „Wir können natürlich warten, bis diese unverwüstliche Selbstzufriedenheit durch einen neue Finanzkatastrophe endgültig zerstört wird. Oder wir freunden uns mit einer neuen wirtschaftlichen Realität an: der Krisenökonomie“, schreibt Roubini.

Die Aussagen klingen sehr hart. Aber er hat gute Argumente auf seiner Seite. Denn tatsächlich kommt die aktuelle Entwicklung, die sich gerade von einer Finanz- zu einer Verschuldungskrise ausweitet, nicht überraschend. Neben Roubini warnten davor seit Jahren William White, Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Roach von Morgan Stanley, die Wissenschaftler Kenneth Rogoff und Robert Shiller, um nur einige zu nennen. Zweitens ist die Krise auch nicht so ungewöhnlich, wie es Politiker jetzt behaupten. Die Historie kennt zahlreiche Spekulationsblasen, die sich zu Bankenkrisen und schließlich Staatsbankrotten ausgeweitet hatten. Drittens gibt es nicht „die“ Ursache für die aktuelle Malaise. Kreditfinanzierte Spekulation in vielen Ländern über Jahrzehnte hinweg hat die Welt dorthin geführt.

Nach der Reform ist vor der Reform

Finanzmarktreformen sind seit jeher ein immer wieder kehrendes Muster in der Politik, doch aktuell sind die Anforderungen besonders hoch. Die aktuelle Gesetzesinitiative von US-Präsident Barack Obama geht genau in die erwartete Richtung: Strengere Aufsicht, Börsenhandel von Derivaten, Transparenz bei Rating-Agenturen. Eine Trennung einzelner Geschäftsbereiche von Finanzkonzernen – Geschäftsbank, Investmentbank, Beteiligungsgeschäft, Hypothekenfinanzierung etc – in eigenständige Gesellschaften wären ein weiterer Schritt. International müsste der Internationale Währungsfonds (IWF) gestärkt weren. Denn die nächsten Krisen zeichnen sich bereits deutlich ab. An erster Stelle stehen die überschuldeten Industriestaaten und der Niedergang des US-Dollars als Leit- und Reservewährung.

Was bedeutet das für Vermögensverwalter? Die mit großen Unsicherheiten behafteten Aussichten für die Weltwirtschaft und damit für Aktien-, Rohstoff- und Rentenmärkte bestätigen uns bei Dr. Seibold Capital, der flexiblen, nicht an Benchmarks ausgerichteten Anlagestrategie treu zu bleiben. Gerade in Krisenzeiten steht der Erhalt des Kapitals an erster Stelle.

Der Autor Alexander Seibold ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei Dr. Seibold Capital und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: ntv.de

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