Kolumnen

Per Saldo - die Wirtschaftskolumne 2,6 Millionen Jahre Gefängnis

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Wie auf dem roten Teppich: Bernhard Madoff ist noch gut davon gekommen.

(Foto: REUTERS)

Im Grunde hat die Finanzkrise uns allen das Leben erleichtert. Früher hat man in der Politik um ein paar Millionen Euro gestritten. Heutzutage ist alles unter einem zweistelligen Milliarden-Betrag kaum mehr eine Meldung wert. Und auch uns Verbrauchern ist es doch irgendwie leichter ums Herz. Schließlich waren wir ja nicht ganz so verrückt wie unsere Freunde aus Übersee und haben uns nicht ganz so schlimm verschuldet. Was sind denn ein paar tausend Euro Minus auf dem Konto. "Peanuts" würde Josef Ackermann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, dazu sagen. Der Blick auf den Kontoauszug ist plötzlich gar nicht mehr so schmerzhaft.

Apropos USA. Dort hat es in dieser Woche ein schmerzhaftes Ende für den größten Betrüger aller Zeiten gegeben. Bernhard Madoff wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt. Wow! Die USA waren ja schon immer für Superlative gut, aber das ist mal ein Zeichen. Gut, er wird davon selbst bei bester Lebenserwartung nicht mal ein Viertel absitzen können. Aber darum geht es im amerikanischen Rechtssystem ja auch nicht zwingend.

Das Urteil ist auf den zweiten Blick allerdings gar nicht so hart, wie es scheint. Vor allem, wenn man sich die Summen, um die es bei diesem Betrug ging, mal ins Gedächtnis ruft. Gut, wie oben bereits erwähnt sind die Relationen ja etwas aufgeweicht, aber 65 Milliarden Dollar ist schon ein Sümmchen. So viel hat nicht mal General Motors bekommen, bevor für die US-Regierung das Maß voll war.

Rechnet man jetzt die 65 Milliarden mal auf die Gefängniszeit um, so kommt man auf 0,84 Tage Knast für jede Million Dollar, um die Madoff seine Opfer erleichtert hat. Oder umgekehrt kommen auf einen Tag Knast knapp 1,187 Millionen Dollar. So gesehen ist das gar nicht mal so schlecht. Ein Tag Gefängnis für mehr als eine Million Dollar. Das könnte Nachahmer hervorrufen.

Was muss sich da der gemeine Kleinbetrüger in Deutschland denken, der für gerade mal ein paar zehntausend Euro zwei Jahre oder mehr einsitzen muss? So gesehen ist unser Rechtssystem viel härter als das der USA. Rechnet man mal zwei Jahre Gefängnis für eine angenommene Betrugssumme von 50.000 Dollar hoch, so käme man im Fall Madoff auf die stolze Zahl von 2,6 Millionen Jahren Gefängnis.

Das ist doch mal ein Superlativ. Schade nur, das unsere Gerichte nur schnöde zehn Jahre als maximales Strafmaß für "besonders schweren" Betrug verhängen dürfen. So steht es nun mal im Strafgesetzbuch. Das wäre doch mal eine Schlagzeile: Madoff in Deutschland zu 2,6 Millionen Jahren Gefängnis verurteilt. Wir Medien würden uns jedenfalls freuen über solche Schlagzeilen. Und Otto Normalschuldner bekäme dann vielleicht auch wieder eine Relation für das Minus auf seinem Konto.

Quelle: ntv.de

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