Kolumnen

Per Saldo Das Ende der Devisen

Währungsexperten diskutieren über das derzeit dringlichste Problem der Welt: Den Abwertungswettkampf zwischen Euro, Dollar und Yen. Das Thema erscheint komplex - die Lösung überraschend einfach.

Dollar

Inoffizielle Leitwährung der Welt: Im Rohstoffhandel dominiert der Dollar.

(Foto: REUTERS)

Wie so oft in hochkomplizierten Fällen ist es eigentlich doch ganz einfach: Chinesen, Japaner, Amerikaner und Europäer setzen sich an einen runden Tisch, lassen alle Vorbehalte beiseite und gründen eine gemeinsame Währung, den "Eartho" (sprich: Örfo). Oder eben den "Planetar-Franc", wenn es denn die Franzosen überzeugt. Vielleicht muss das Kind auch "Global-Yuan" heißen oder "WWW-Taler", egal. Denn der Name spielt im Grunde keine Rolle.

Meilenweit vorausgedacht

Selbst Aussehen, Stückelung, Material und Gestalt der neuen Währung wären reine Nebensache - und mit großer Sicherheit das geringste aller damit anstehenden Probleme. Denn der Gedanke an eine weltweit gültige Einheitswährung als Ersatz für Yuan, Euro, Dollar oder Real ist leicht gedacht, aber schwer umzusetzen.

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Wechselkurse: Bald Vergangenheit?

(Foto: dpa)

Hohe Hürden und gewaltige Widerstände stehen im Wege: psychologische und emotionale. Doch wenn es gelingt, wenn sich der kühnste und gleichzeitig logischste aller Pläne in der Geschichte des Geldes durchsetzen könnte, dann wäre schlagartig ein ganzes Bündel komplexer Probleme gelöst.

Zum Beispiel wäre die Gefahr eines Weltwährungskrieges gebannt - mit all seinen Folgen für den deutschen Export. Niemand müsste sich künftig davor fürchten, dass die eine oder andere Regierung zu unfairen Mitteln greift, um der eigenen Exportwirtschaft einen Vorteil zu verschaffen.

Yuan

Währung des Volkes, zentral gesteuert und nach vorherrschender Meinung im Ausland unterbewertet: Yuan in 100er-Noten.

(Foto: REUTERS)

Der Abwertungswettlauf wäre gestoppt. Von New York und Frankfurt über Peking und Taipeh bis Tokio, Rio, Mumbai und Sydney gäbe es statt Devisen nur noch eine Devise. Und die lautete: Gleiches Recht für alle.

Kooperation heißt das Gebot der Stunde. Das haben die verantwortlichen Währungshüter eben erst gelernt. Und wozu sonst verfügt die Welt über Beratungsgremien wie die Gruppe der G20? Wozu sonst gibt es die Weltbank? Oder einen Internationalen Währungsfonds?

Und was ist mit der D-Mark?

Ein prominenter Vertreter dieser Einrichtung, IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, hatte erst kürzlich beklagt, dass die Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit abnehme, je weiter der Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise zurückliege. Und als Mittel gegen Alleingänge bei Währungsfragen schlug er "eine Art systemweite Stabilitäts-Initiative" vor.

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Nicht begeistert, aber irgendwie doch nachdenklich: Währungsexperte in Tokio.

(Foto: REUTERS)

Das klingt sprachlich noch reichlich unausgegoren, ist jedoch insofern sehr ehrlich, weil es der Öffentlichkeit die Zeit gibt, die sie braucht, um sich an den neuen Gedanken zu gewöhnen. Denn was kann sich denn anderes hinter der Strauss-Kahnschen Stabilitäts-Initiative verbergen, als der Kern einer WZB? Einer Weltzentralbank?

Damit zeichnet sich ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil schon jetzt glasklar ab: Mit dem "Eartho" wären die Deutschen immerhin ihren ungeliebten Euro los.

Quelle: n-tv.de

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