Kolumnen

Per Saldo – die Wirtschaftskolumne Euro ist so Mainstream

127751_original_R_K_B_by_Harry Hautumm_pixelio.de.jpg

Bloß nicht so sein, wie die anderen.

(Foto: Harry Hautumm/Pixelio)

Wer will schon in der Masse untergehen? Niemand. Deshalb ist Bionade out, Hornbrillen sowieso und den Euro will auch keiner mehr. Drachme, Franc und vor allen die DM sind doch viel individueller. Vielleicht braucht die Gemeinschaftswährung aber nur eine Imagekampagne.

"Ist individuell sein zum Mainstream geworden?", fragt "IceCreamMan" in der Ratgeber Community "gutefrage.net" und kriegt viele "JA!"als Antwort. Individuell sein ist heute alles, und zwar für alle. Deshalb wird in Grund und Boden verdammt, was nur nach Masse riecht: Hornbrillen- und Bartträger sind per se verdächtig. Die gute Bionade wurde jetzt an die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe verkauft und ist damit endgültig zur Coca-Cola unter den Bio-Limos geworden. Gut, mag sich da mancher denken, das sind doch nur die Probleme eines satten Mittelstandes, der sich in seinen Altbauwohnungen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf oder München langweilt, jetzt wo alle Dielen abgezogen sind und der Le-Corbusier-Stuhl auch keinen mehr vom Hocker reißt. Bestimmt. Doch es gibt noch eine andere Gruppe, die lautstark auf mehr Individualität pocht: Die Euro-Gegner.

Das DM-Wunderland

Seit Anbeginn der Euro-Krise, ach, eigentlich schon seit der Einführung der Gemeinschaftswährung, haben sie genug davon, mit anderen Volkswirtschaften in einen Topf geworfen zu werden. Eine kritische ökonomische Betrachtung findet dabei selten statt. Die Sehnsucht nach der D-Mark habe mehr mit Emotionen, als mit wirtschaftlichem Sachverstand zu tun, wird der Wirtschaftsweise Peter Bofinger nicht müde zu wiederholen. So werde etwa oft vergessen, dass die DM unter einer starken Aufwertung in Europa zu leiden hätte und dies für die exportorientierte Wirtschaft fatal wäre. Vergessen wird das Argument vielleicht nicht, gerne gehört aber auch nicht.

Nachdem alle ökonomischen Thesen für und wider die Gemeinschaftswährung immer wieder durchgekaut wurden, sollte man sich vielleicht dem emotionalen Aspekt zuwenden. Warum wollen nicht nur die Deutschen ihre DM zurück, sondern die Franzosen den Franc und sogar die von der Schuldenkrise gebeutelten Griechen ihre Drachme? Weil sie ihre Individualität vermissen. Was an Globalisierung am meisten Angst macht, ist Konformität.

Eine eigene Währung in der Tasche hilft bei der Abgrenzung nach außen. Für Deutschland ist das vielleicht noch etwas dringlicher als für andere. Denn mal abgesehen von der historischen Inflationsangst, ist mit der D-Mark eines der letzten nationalen Symbole verloren gegangen. Fahnen werden nur beim Fußball geschwenkt, der Bundesadler lässt sich mit dem gallischen Hahn nicht wirklich vergleichen und Nationalfeiertage finden ohne Militärparaden statt.

Coolness-Faktor für den Euro

Vielleicht braucht der Euro zehn Jahre nach seiner Einführung und mitten in der Schuldenkrise eine Überarbeitung. Ein neues Image. Damit sich alle wieder wohlfühlen mit dem Geld in ihrer Tasche. Denn es ist gut möglich, dass die Sehnsucht nach den alten Währungen ungestillt bleibt. Es ist aber nicht unmöglich, ein Massenprodukt so zu gestalten, dass sich jeder individuell angesprochen fühlt. Apple hat es vorgemacht, dank Steve Jobs darf sich jeder im Besitz eines leuchtenden Apfels einzigartig fühlen. Steve kann uns nicht mehr helfen. Aber vielleicht seine Marketing-Abteilung.

Trenne Dein Geld von Deinen Emotionen, sonst trennen Deine Emotionen Dich von Deinem Geld, warnte einst zwar Börsenguru André Kostolany. Doch es ist offenbar wirklich schwierig, bei so existenziellen Dingen emotionsfrei zu bleiben.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema