Marktberichte

Dax-Ausblick Anleger erwartet eine spannende Woche

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Börsianer schauen diese Woche besonders auf drei Notbanken-Treffen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Wenn die Aktienmärkte stocken, ruht die Hoffnung auf den Notenbanken. Und das heißt im Moment: auf der US-Notenbank Fed. Denn im Gegensatz zur EZB haben die Amerikaner mit den Zinsanhebungen im vergangenen Jahr die Möglichkeit für Senkungen geschaffen.

Die Aktienmärkte stehen in der neuen Woche ganz im Zeichen der Notenbankpolitik. "Mit der Fed, der Bank von England (BoE) und der Bank von Japan (BoJ) halten gleich drei der wichtigsten Notenbanken Treffen ab", sagte Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. "Im Fokus stehen dabei ganz klar die Fed und die Frage, wie sehr sie sich Leitzinssenkungen öffnet." Investoren spekulieren seit längerem über einen solchen Schritt der US-Notenbank. Er würde Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren attraktiver machen.

Für die Sitzung am Mittwoch rechnet allerdings kaum jemand mit einer Zinssenkung. Viele Investoren gehen jedoch fest davon aus, dass es im Juli so weit ist. Allerdings könnte US-Präsident Donald Trumps wiederholte Forderung nach niedrigeren Zinsen eine Absenkung des Schlüsselsatzes auf absehbare Zeit verhindern, gab Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG zu bedenken. "Damit könnte der Verdacht einer Beeinflussung seitens der US-Regierung vermieden werden."

Doch der Markt erwartet eine Serie von Zinssenkungen und rechnet damit, dass "die Fed bis zum Jahresende gar drei Mal das Leitzinsband um jeweils einen Viertelprozentpunkt senkt", wie Frank Klumpp, Investmentanalyst der LBBW, anmerkte.

Der Überraschungseffekt würde damit auf der negativen Seite liegen, sollte Powell die Hoffnungen der Märkte nicht erfüllen. Nicht zu vergessen: Sollte die US-Notenbank Einsatzbereitschaft andeuten, wäre dies die Reaktion auf eine nachlassende Konjunktur und damit ein weiteres Indiz für eine stockende Weltwirtschaft. Wann die erste Zinssenkung genau erfolgen wird, hängt nach Einschätzung von Charlotte Heck-Parsch von der BayernLB nicht zuletzt davon ab, wie sich der Handelsstreit zwischen den USA und China entwickelt. Die Volkswirtin hält einen Zinsschritt im Herbst für wahrscheinlich. Sollte der Konflikt eskalieren, "könnte die Fed allerdings auch schon früher eingreifen".

Was machen die Briten?

Einen Tag nach ihren US-Kollegen berät die Führung der Bank von England (BoE) über ihre Geldpolitik. Zwar sei das überraschend hohe Lohnwachstum in Großbritannien Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer baldigen Zinserhöhung, führten die Analysten der BayernLB aus. Vor einer endgültigen Entscheidung über die Art des Brexit würden die Notenbanker aber sicher die Füße stillhalten. "Die Mehrheit möchte durchaus die Sicherheit haben, dass ein 'No-Deal'-Szenario umschifft werden kann." Die BoJ wird am Donnerstag ihren Leitzins wohl auch nicht antasten.

Ungeachtet der Zinssenkungsfantasien kam der Dax in der abgelaufenen Woche kaum vom Fleck. Der ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China sowie die Furcht vor wachsenden Spannungen im Nahen Osten trübten die Stimmung.

Die Spannungen wurden geschürt von Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Da die USA den Iran beschuldigten, hinter den Vorfällen zu stecken, wachse die Gefahr einer ungewollten Eskalation der Lage, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. An den Ölmärkten zogen die Preise bereits an. Solche von politischen Ereignissen getriebenen Kursausschläge seien aber meist nur von kurzer Dauer, sagte Norbert Rücker, Chef-Analyst der Bank Julius Bär.

"Feindbild China"

Im Zollstreit zwischen den USA und China ist derweil eine Lösung weiter nicht abzusehen. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, erwartet vom geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen chinesischem Kollegen Xi Jingping Ende Juni keine Einigung. Weberbank-Analyst Jens Herdack äußerte sich dagegen optimistisch. Schließlich wolle Trump wiedergewählt werden – und eine US-Rezession würde seine Chancen schmälern.

Robert Halver von der Baader Bank hält sogar einen Dauerkonflikt für möglich. Der Kapitalmarktexperte fürchtet, "dass Trump das Feindbild China noch bis zur US-Präsidentenwahl im November 2020 nutzen könnte". Das birgt die Gefahr, dass auch die Chinesen auf stur schalten, was die Drohstrategie des US-Präsidenten gefährlich macht. "Sein verbales Hochrüsten erschwert es China immer mehr, gesichtswahrend einzulenken", so Halver.

Konjunkturdaten im Blick

Angesichts dieser Rahmenbedingungen dürften die anstehenden Konjunkturdaten wenig Wirkung entfalten. Aus den USA erwarten Investoren in der neuen Woche nur wenige Konjunkturdaten. Zu ihnen gehört das Konjunkturbarometer der Fed von Philadelphia (Donnerstag). In Deutschland wird am Dienstag der ZEW-Index veröffentlicht, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt. "Wir erwarten einen kräftigen Schritt nach unten", prognostizierte DZ-Bank-Analyst Michael Holstein. "Denn in den letzten Wochen hat sich das weltwirtschaftliche Klima deutlich abgekühlt."

Am Freitag folgen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Diese dürften signalisieren, dass die Industrie in der Rezession verharre, während der Dienstleistungssektor weiter wachse, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Unabhängig davon laufen am Freitag Futures und Optionen auf Dax & Co. sowie Optionen auf einzelne Aktien aus. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

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Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa

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