Marktberichte

US-Zinsängste, starker Euro Dax bleibt hypernervös

Der Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt hat auch zu Wochenbeginn angehalten. Börsianer sprachen von einem hypernervösen Geschäft. Grund für die Kursabschläge in ganz Europa waren die wachsenden Inflationsängste in den USA sowie der schwache Dollar.

Der Dax fiel zeitweise unter 5.800 Punkte, konnte bis zum Nachmittag die Verluste jedoch wieder eingrenzen und schloss ein Prozent niedriger bei 5.856 Punkten. Damit gab er den vierten Handelstag in Folge nach. Am Donnerstag hatte der Dax noch mit 6.162 Punkten den höchsten Stand seit rund fünf Jahren markiert. Der MDax verlor 2,8 Prozent, der TecDax büßte 3,5 Prozent ein.

Ein Händler in Frankfurt sprach angesichts der kräftigen Kursrückgänge von "Zinsangst", nachdem die US-Börsen am Freitag schwach geschlossen hatten. Sorgen vor Inflation und weiter steigenden Zinsen hatten jenseits des Atlantiks auf die Marktstimmung gedrückt und würden nun auch den deutschen Aktienmarkt in die Defensive drängen. "Die Anleger sind hochgradig nervös und verkaufen hektisch, um ihre Verluste zu begrenzen", sagte ein anderer Händler. Ein Marktteilnehmer sprach sogar von "Panik".

Edelmetalle entwickelten sich am Montag unterschiedlich. So gab eine Feinunze Gold um 0,55 Prozent auf 712,85 US-Dollar nach, eine Feinunze Silber verbilligte sich um 3,71 Prozent auf 14,28 Dollar. Dagegen steigt der Kurs von Platin um 1,51 Prozent und steht aktuell bei 1.313,0 Dollar.

RWE setzten sich nach anfänglichen Verlusten am Morgen an die Spitze der wenigen Gewinner im Dax. Die Aktie stieg um 2,1 Prozent auf 65,83 Euro. Der Versorger profitierte im ersten Quartal vom langen Winter und steigerte Gewinn und Umsatz kräftig. Händler und Analysten äußerten sich recht positiv zu den Ergebnissen, sahen aber auch einige Enttäuschungen, etwa bei der operativen Marge und den vom Unternehmen erwarteten Belastungen durch hohe Beschaffungskosten für Brennstoff sowie die Strom- und Gasnetzregulierung.

Ausnahmsweise butterweich statt stahlhart präsentierten sich ThyssenKrupp, die durch Restrukturierungskosten von 200 Mio. Euro unter anderem infolge einer geplanten Werksschließung in den USA belastet wurden. Die Titel büßten 5,9 Prozent auf 27,38 Euro ein.

An der Spitze der Verliererliste tummelten sich vor allem die exportorientierten Werte. "Der Euro hat sich in den letzten beiden Wochen um drei US-Cent verteuert", sagte ein Händler. "Das tut unserer Industrie - allen voran Autobauern - natürlich besonders weh." VW verloren 2,9 Prozent auf 56,69 Euro. DaimlerChrysler verbilligten sich um 1,7 Prozent auf 41,27 Euro.

Deutsche Börse gaben 4,1 Prozent nach auf 118,06 Euro. Börsianer führten dies unter anderem auf die schwindende Chance auf eine Fusion mit der Euronext zurück. Ein anderer Händler erklärte einen teil der Verluste auch mit "punktuellen Abgaben" einiger Investoren - darunter auch Hedge-Fonds.

Bei der im MDax notierten Postbank fiel das erste Quartal Händlern zufolge unerwartet schwach aus, was der Aktie ein Minus von 3,5 Prozent auf 59,0 Euro bescherte. Sowohl die Zinseinkünfte als auch der Provisionsüberschuss hätten die Erwartungen verfehlt, hieß es. Auch der Vor- und Nachsteuergewinn habe unter den Prognosen gelegen. Die Anpassung des Gewinnausblicks sei dagegen am Markt erwartet worden.

Schwächster Wert im MDax waren Vivacon nach Quartalszahlen. Die Titel büßten 9,1 Prozent auf 37,27 Euro ein. Der Immobilien-Finanzdienstleister rutschte im ersten Quartal in die roten Zahlen. Das Nettoergebnis sank von plus 3,1 auf minus 2,1 Mio. Euro.

Die im SDax gelisteten Koenig & Bauer brachen um 6,8 Prozent auf 27,50 Euro ein. Der Druckmaschinenbauer hatte im ersten Quartal seinen Betriebsverlust ausgeweitet. Außerdem schrumpfte der Auftragseingang. Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) haben ihre Einstufung der Aktien von Koenig & Bauer mit "Marketperformer" bekräftigt. Das Kursziel bleibe bei 27 Euro, teilten die Experten in Mainz mit. Das weitere Kurspotenzial sei begrenzt, betonten sie.

Optisch schwächer als in Wirklichkeit erschienen die Werte, die mit einem Dividendenabschlag gehandelt wurde. Aus dem MDax gehörten MTU dazu. Der Triebwerkhersteller zahlt seinen Aktionären 0,73 Euro je Aktie. IDS Scheer und Software aus dem Tec Dax schütten eine Dividende von 0,18 beziehungsweise 0,80 Euro aus. Der Abschlag beim SDax-Wert Medion belief sich auf 0,19 Euro.

Quelle: ntv.de