Marktberichte

UNO im Blick Dax in Hochform

Auf dem Frankfurter Parkett schauten die Börsianer am Mittwoch nach New York. Im Blick hatten sie dabei weniger die Wall Street, vielmehr wurde die Irak-Rede von US-Außenminister Colin Powell mit Spannung erwartet. Im Vorfeld der Powell-Rede vor der UNO hielten sich die meisten Marktteilnehmer so auch mit größeren Aktien-Investments zurück. Dennoch zitterte sich der Dax im Tagesverlauf nach oben und baute seine Gewinne nach der Powell-Rede am Nachmittag sogar noch aus. Zu den Favoriten der Anleger gehörte dabei die Deutsche Telekom, doch auch Finanzwerte konnten sich überwiegend erholen. Der Dax verbuchte ein Plus von 3,5 Prozent auf 2.726 Zähler.

Powell legte dem UNO-Sicherheitsrat am Nachmittag Beweise vor, dass der Irak entgegen aller Dementis weiter nach Massenvernichtungswaffen strebt. Händler bezeichneten die von Powell vorgelegten Belege gegen den Irak zunächst als dünn. Die Anleger spekulieren nun darauf, dass die Veto-Mächte sagen, dass diese Beweise nicht für einen Krieg reichen, hieß es weiter.

Zuvor hatten die Kriegssorgen den Euro mit 1,0938 Dollar auf den höchsten Stand seit März 1999 getrieben. Auch der Goldpreis zog weiter an. Die Flucht in den sicheren Hafen trieb den Kurs bis auf 388,50 Dollar je Feinunze. Anleger im arabischen Raum befürchten, dass im Kriegs-Fall ihre Dollar-Konten gesperrt werden könnten und flüchten sich daher verstärkt ins Gold, berichteten Händler.

Neben den Kriegssorgen trübten zunächst auch die jüngsten Arbeitslosenzahlen die Stimmung. Wie die Bundesanstalt für Arbeit mitteilte, ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Januar unerwartet deutlich um 398.000 auf 4,623 Mio. gestiegen. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 11,1 Prozent.

Dennoch setzten sich im Tagesverlauf die Optimisten unter den Börsianern durch. Den Dax beflügelten besonders die anziehenden Kurse bei der Deutschen Telekom. Die T-Aktie gewann 7,6 Prozent auf 11,98 Euro. Händler erklärten dies mit einer technischen Reaktion auf die Verluste der vergangenen Wochen. Zudem profitierte die Deutsche Telekom indirekt von ihrer Tochter T-Online, denn laut Händlern gibt es Spekulation um einen Aufstieg der Tochter in den DAX, wenn MLP den Platz freimache.

Auch die Versicherer zeigten sich freundlich. Die Allianz-Aktie legte 4,2 Prozent auf 72,50 Euro zu, die Münchener Rück verteuerte sich um 4 Prozent auf 86 Euro. Dies wurde von den Händlern ebenfalls mit einer technischen Erholung auf die Verluste des Vortages begründet. Außerdem seien die Versicherer mittlerweile sehr günstig bewertet und gerade für ein langfristiges Investment sehr attraktiv, sagte ein Händler. Sobald die Unsicherheit um Irak aus dem Markt weiche, hätten diese Titel besonders großes Erholungspotenzial.

Commerzbank-Aktien legten um 3,8 Prozent auf 6,62 Euro zu. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Commerzbank ein Jahr mit Verlust beendet. Die veröffentlichten Geschäftszahlen, über die in den vergangenen beiden Tagen bereits heftig spekuliert wurde, sind allerdings nicht ganz so schlecht ausgefallen wie befürchtet. Nach dem ersten Jahresverlust der Firmengeschichte im Jahr 2002 rechnet das Finanzinstitut zudem 2003 wieder mit schwarzen Zahlen.

Bei der Deutschen Bank ging es sogar 5,5 Prozent auf 39,17 Euro nach oben. Von einer "Erleichterungs-Rally" sprachen hier die Händler. Der Titel sei mit der Spekulation um Paket-Verkäufe der Allianz zunächst weiter gefallen. Die Allianz habe die Spekulation aber mittlerweile beschwichtigt.

Bayer-Aktien markierten im Tagesverlauf bei 15 Euro den tiefsten Stand seit Ende 1993. Die Zahl der Klagen gegen Bayer im Zusammenhang mit dem mittlerweile zurückgezogenen Cholesterinsenker Lipobay ist auf 7800 gestiegen. Aktienhändler verwiesen auch auf den schwachen Ausblick des Konkurrenten Aventis, der seine Erwartungen zum Gewinnwachstum 2003 zurückgeschraubt hatte. Die Bayer-Aktie konnte sich allerdings im Sog des Dax um 1,9 Prozent auf 15,87 Euro erholen.

Die SAP-Aktie machte nach schwächerem Start 2,4 Prozent auf 87,42 Euro gut. Der Co-Vorstandssprecher Hasso Plattner wird nach Informationen des "Wall Street Journal Europe " in den nächsten ein bis zwei Jahren seinen Rückzug aus dem Unternehmen ankündigen.

MLP-Papiere verloren in der Spitze knapp fünf Prozent, bevor die Scheine mit dem Markt in die Gewinnzone drehten. Die MLP-Aktie ist nach der am Morgen vorgelegten Rangliste der Deutschen Börse zur Marktkapitalisierung und zum Börsenumsatz akut von einem Dax-Abstieg bedroht. Die Aktie gewann dennoch 0,7 Prozent auf 8,67 Euro.

Die mit Spannung erwartete Index-Rangliste der Deutschen Börse brachte zudem Klarheit, wer von den bisherigen Nemax-50-Titeln aller Vorrausicht nach ab März im neuen Segment TecDAX notiert sein wird. Die ausgewählten Unternehmen sind T-Online, BB Biotech, Qiagen, Singulus Technology, Micronas, Aixtron United Internet, Pfeiffer Vacuum, SAP Systems Integration, AT&S, Kontron IDS Scheer, iXOS Software, FJA, REpower Systems, Nordex, Lion bioscience, MobilCom, Evotec, Elmos Semiconductor, Plambeck, SCM Microsystems, GPC Biotech, Funkwerk, Intershop und Medigene. Händler erwarten in den kommenden Wochen ein Umschwenken der Anleger aus den Absteigern in diese Titel.

T-Online könnte sogar für MLP in den DAX nachrücken, meinen Händler. Die Aktie von T-Online verbuchte ein Plus von 4,8 Prozent auf 5,63 Euro. Marktbeobachter geben sich jedoch skeptisch. Sollte T-Online tatsächlich in den Dax einziehen, gebe es zusammen mit der Deutschen Post und der Deutschen Telekom drei Unternehmen im Index, an denen der Staat Anteile halte.

Die Rangliste ist Grundlage für eine Entscheidung über die Zusammensetzung der Aktienindizes, die am 11. Februar fällt. Die neue Indexzusammensetzung tritt zum 24. März in Kraft.

Quelle: ntv.de