Marktberichte

Griechen halten Markt in Atem Dax klammert sich fest

Der deutsche Aktienmarkt verbucht auch zur Wochenmitte Kursgewinne. Zwischenzeitlich schien der Dax dabei Kurs auf die Marke von 5600 Punkten zu nehmen, doch anhaltend hohe Nervosität wegen möglicher Finanzhilfen für Griechenland und Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur künftigen Geldpolitik machten dem schnell wieder einen Strich durch die Rechnung.

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(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Dax schloss um 0,7 Prozent höher bei 5536,37 Punkten. Zwischenzeitlich hatte er um 1,7 Prozent zugelegt. Der MDax mittelgroßer Werte zog um 0,9 Prozent auf 7353,23 Punkte an. Für den TecDax ging es um 0,4 Prozent auf 780,81 Punkte nach unten.

Auch wenn die US-Wirtschaft derzeit noch der Unterstützung der sehr expansiven Geldpolitik bedürfe, müsse die Notenbank nach Einschätzung ihres Präsidenten an einem bestimmten Punkt die Finanzierungsbedingungen straffen. Dies schürte laut Händlern unter den Anlegern Befürchtungen, dass das Geld doch wieder knapper werden könnte. Börsianer verwiesen zudem auf Meldungen, wonach bislang wohl keine Hilfen der Euro-Partner oder bilaterale Maßnahmen einzelner Länder für das hoch verschuldete Griechenland geplant seien. Die Marktteilnehmer seien jedoch weiterhin zuversichtlich gestimmt, sagte Analystin Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank. "Im Hintergrund läuft vermutlich ein Pokerspiel um höhere Zugeständnisse der Griechen", ergänzte ein Börsianer.

Banken-Aktien standen wie am Vortag an der Spitze der Indizes und profitierten damit besonders von der Hoffnung auf eine Lösung des Problemfalls Griechenland. In der Vorwoche hatten die Sorgen um das Land den Finanzsektor stark belastet. Papiere der Deutschen Bank zogen um 3,06 Prozent an, setzten damit aber ebenfalls vom Tageshoch bei 46,17 Euro zurück. Im MDax legten Titel der Aareal Bank 9,35 Prozent zu. Der Stahlsektor lief dagegen mit ThyssenKrupp und Salzgitter der Markterholung hinterher. Händler verwiesen auf schwache Zahlen des Konkurrenten ArcelorMittal .

Gefragt waren auch die Vorzüge von Volkswagen, die um 1,1 Prozent stiegen. "In den Titeln steckt eine gewisse Ergebnisfantasie nach den Zahlen von Peugeot", sagte ein Händler. "Einige Aussagen klangen ganz gut, vor allem lag der Cash Flow weit über den Erwartungen." Daimler stiegen um 0,9 Prozent, BMW hingegen nur um 0,1 Prozent. Auch die Analysten der Commerzbank bewerteten die Jahresbilanz des französischen Autoherstellers PSA Peugeot Citroen positiv und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Die Investoren störten sich dagegen wohl an der nochmaligen Ausweitung des Konzernverlusts und daran, dass der Konzern nur für das erste Halbjahr einen Ausblick geliefert hatte. Die PSA-Aktien verloren in Paris knapp drei Prozent.

Aktien von ProSiebenSat.1 Media sprangen nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen um 16,22 Prozent an. Bilfinger Berger -Titel verteuerten sich nach Eckdaten um 5,93 Prozent. Der Bau- und Dienstleistungskonzern übertraf im vergangenen Jahr trotz eines Rückschlags in Doha die Ertragserwartungen. Auch Fraport-Aktien waren nach Verkehrszahlen und einer Kaufempfehlung von Cheuvreux gefragt. Die Papiere des Flughafenbetreibers gewannen 2,96 Prozent auf 36,19 Euro.

Schwache Aussichten für Stahlbranche

Schlusslicht im Dax waren die Aktien von Salzgitter und ThyssenKrupp mit einem Minus von 2,6 bzw. 1,7 Prozent. Anleger zeigten sich skeptischer bezüglich der Aussichten für die Stahlbranche, nachdem Weltmarktführer ArcelorMittal für das abgelaufene Quartal unerwartet schwache Zahlen vorgelegt hatte. "Das trübt die Aussichten für die gesamte Branche", brachte ein Händler die Stimmung auf den Punkt.

Auch Gerresheimer konnte die Anleger nicht überzeugen. "Die vorgelegten Zahlen konnten die Erwartungen erfüllen, der Ausblick ist hingegen enttäuschend ausgefallen", stellte DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger fest. Gerresheimer büßten 6,1 Prozent und waren damit im MDax das Schlusslicht.

Im TecDax waren vor allem die Solarwerte Verlierer, nachdem der europäische Branchenprimus REC mit seinen Zahlen für das vierte Quartal enttäuscht und einen sehr zurückhaltenden Ausblick gegeben hatte. Der REC-Kurs brach an der Börse in Oslo um fast 20 Prozent ein. Die Aktien von Centrotherm, Roth & Rau sowie Solarworld gaben zwischen 6 und 7 Prozent ab.

Quelle: n-tv.de, nne/rts/dpa-AFX

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