Marktberichte

Spektakuläre Bayer-Gewinne Dax klettert weiter

Der deutsche Aktienmarkt war auch am Dienstag in Kletterlaune. Die Hoffnung auf einen kurzen, für die USA erfolgreichen Krieg, ließ den Dax zeitweise um mehr als fünf Prozent steigen. Mit Eröffnung der US-Börsen schmolzen die Gewinne allerdings wieder etwas zusammen. Die Wall Street war schwächer in den Tag gestartet, nachdem ein überraschend starker Rückgang der Wohnbaubeginne im Februar die Stimmung drückte.

Dennoch nahm der Dax kurz vor Handelschluss noch einmal Anlauf und legte 3,9 Prozent auf 2.584 Zähler zu. Geradezu spektakuläre Kursgewinne verbuchte dabei die Aktie von Bayer.

Damit hat der Dax bereits den vierten Handelstag in Folge zugelegt und seit Donnerstag rund 15 Prozent an Wert gewonnen. Das Börsenbarometer hat sich damit auch deutlich von seinem zuvor markierten Siebeneinhalbjahrestief entfernt. Die Anleger spekulieren angesichts der gigantischen Streitmacht der USA in der Golf-Region auf einen kurzen Krieg, der die weltwirtschaftliche Entwicklung nicht nachhaltig beeinflusst, sagten Aktienstrategen.

Händler ergänzten, die Unsicherheit der vergangenen Wochen, ob und wann es zu einem Krieg kommen werde, weiche nun aus dem Markt. Nach der Bush-Rede gibt es jetzt Sicherheit, dass bald etwas passieren wird, hieß es weiter. In der mit Spannung erwarteten Rede an die Nation hatte US-Präsident Bush in der Nacht zum Dienstag (MEZ) Saddam Hussein ein Ultimatum von 48 Stunden gestellt, um das Land zu verlassen und so einen Krieg im letzten Moment noch abzuwenden.

Und viele Händler bleiben weiter zuversichtlich: Die Eindeckungskäufe werden sich fortsetzen, die Marktteilnehmer sind einfach zu short in Aktien, hieß es. Investoren, die zuvor geliehene Aktien in Erwartung fallender Kurse verkauft hätten, müssten diese jetzt zurückkaufen. Ein anderer Händler verwies allerdings auf die Angst vor möglichen Terroranschlägen. Mit solchen müsse jederzeit gerechnet werden, weshalb die Märkte volatil bleiben dürften.

Zusätzlich wurden die Kurse von positiven Konjunkturdaten gestützt: Der ZEW-Index ist wider Erwarten im Vergleich zum Vormonat deutlich gestiegen.

Aktie des Tages war wohl eindeutig Bayer. Das Papier katapultierte sich am frühen Abend an die Spitze der Gewinner. Der Chemie- und Pharmakonzern ist im ersten Schadenersatzprozess um das zurückgerufene Medikament Lipobay in den USA freigespochen worden. Die Aktie reagiert mit einem Kurssprung von knapp 40 Prozent auf 14,30 Euro. In dem Verfahren hatte ein 82-jähriger Mann Bayer auf 560 Millionen Dollar verklagt, weil der Cholesterinsenker Lipobay bei ihm Muskelschwund verursacht haben soll. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, da es als mögliche Richtlinie für weitere Verfahren gilt.

Im Blickpunkt auf dem Frankfurter Parkett stand die Aktie von BASF. Die veröffentlichten Jahreszahlen sind nach Angaben von Händlern besser als erwartet ausgefallen. Dabei hätten nahezu alle Kennzahlen die Prognosen des Marktes übertroffen. Positiv sei, dass der Bereich Pflanzenschutz erstmals über den Schätzungen gelegen habe, so ein Analyst. Wichtiger sei jedoch der Ausblick, und positiv sei hier vor allem die Aussage, im zweiten Quartal über dem Vorjahr zu liegen. Der Titel erhöhte sich um 13 Prozent auf 35,25 Euro.

Die MAN-Aktie profitiert nach Angaben von Händlern von dem Ausblick für den Bereich Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen hat am Vormittag die Prognose für das Geschäftsjahr 2003 bekräftigt, wonach das Unternehmen auf Grund der eingeleiteten Kostensenkungen und Restrukturierungen ein deutlich verbessertes Ergebnis erwartet. MAN rückten knapp 10 Prozent auf 14,17 Euro vor.

Im Fokus des Anlegerinteresses standen auch die Aktien von Wella, nachdem der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) überraschend die Mehrheit am Darmstädter Kosmetikkonzern übernommen hat. Der Kaufpreis liegt bei 92,25 Euro je Wella-Stammaktie. Für die Vorzüge bietet P&G 61,50 Euro je Anteilsschein. Die Wella-Vorzüge klettern um 3,5 Prozent auf 63,50 Euro, die Stämme um 19,8 Prozent auf 90,45 Euro.

Daraufhin erholten sich im Dax auch die Henkel-Titel. Der Konzern hatte vor kurzem einen siebenprozentigen Anteil an Wella übernommen. Die Aktien hatten zuletzt wegen der Sorge der Anleger vor einer teuren Übernahmeschlacht um Wella massiv an Wert verloren. Die Henkel-Aktie kletterte 6,8 Prozent auf 56,20 Euro.

Zu den Verlierern im Dax zählt die Deutsche Telekom mit einem Minus von 3,7 Prozent auf 10,59 Euro. Die Aktien gehörten in den vergangenen Tagen stets zu den Verlierern. Auf einer Präsentation des Unternehmens für Investoren geht hervor, dass die Mobilfunktochter T-Mobile USA im laufenden Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis in Höhe von 524 Mio. Euro erwirtschaften wird. Damit wird das Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen um 728 Mio. Euro gesteigert.

Noch deutlicher ging der Kurs von Infineon zurück. Die Aktie sackte 10,7 Prozent auf 6,57 Euro ab. Der Siemens-Pensionsfonds hatte am Dienstag eine große Tranche von Aktien des Halbleiterherstellers am Markt platziert. Es handelte sich um 36 Millionen Anteilsscheine, die über die Investmentbank Goldman Sachs über die Börse platziert wurden, hieß es.

Quelle: ntv.de