Marktberichte

Trotz DaimlerChrysler Dax legt kräftig zu

Erst gute US-Konjunkturdaten haben dem Deutschen Aktienindex am Nachmittag zu einem kräftigen Plus verholfen. Zuvor hatte neben der Gewinnwarnung von DaimlerChrysler auch der deutlich unter den Erwartungen ausgefallene Einkaufsmanager-Index für die deutsche Dienstleistungsbranche die Stimmung getrübt. Zum Schluss lag der Dax 1,8 Prozent im Plus bei 3.080 Zählern.

Frohe Kunde kam von der US-Konjunktur. Die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor hat im Mai überraschend stark zugenommen. Der viel beachtete Service-Index des Institutes for Supply Management, ISM, stieg von 50,7 Punkten im April auf 54,5 Punkte. Ein Stand über 50 Zählern signalisiert eine expandierende Geschäftstätigkeit. Händler hoffen nun, dass die guten Konjunkturdaten dem Dow Jones über die Hürde von 9.000 Punkten helfen.

Zuvor hatten deutsche Konjunkturdaten den Markt belastet. Die schwache Binnennachfrage lastete auch im Mai schwer auf der Dienstleistungsbranche. Der von der Nachrichtenagentur Reuters ermittelte Service-Index sank von 44,6 Punkten im April auf 44,4 Punkte.

Die trüben Konjunkturaussichten hatten jedoch keinen nachhaltigen Effekt. Insgesamt verlief das Geschäft in ruhigen Bahnen. Im Vorfeld der Zinsentscheidung durch die EZB am Donnerstag würden die Anleger sich zurückhalten. Eine Zinssenkung von 50 Basispunkten sei bereits eingepreist. Ein Schritt um nur 25 Basispunkte wäre eine Enttäuschung und würde die Märkte belasten, hieß es.

Belastend wirkte sich vor allem die trübe Prognose von DaimlerChrysler aus. Der Autobauer hatte am späten Dienstagabend mitgeteilt, dass der Konzern wegen des anhaltenden Preiskampfs in den USA im laufenden Jahr mit einem Gewinnrückgang im operativen Geschäft rechnet. Die US-Tochter Chrysler werde im zweiten Quartal 2003 einen operativen Verlust von ungefähr einer Milliarde Euro hinnehmen müssen, hieß es. Der operative Gewinn im Konzern werde sich daher nur auf rund fünf (2002: 5,8) Milliarden Euro belaufen. Bisher hatte der Konzern prognostiziert, dass der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahr nochmals zulegen wird.

Der Markt wertete die Aussagen als klare Gewinnwarnung und die Reaktion der Analysten ließ nicht lange auf sich warten. Schon vor Börsenbeginn senkten die Rating-Agenturen J.P. Morgan, Morgan Stanley und Standard & Poor's ihre Prognosen für DaimlerChrysler. Die Anleger ließen die Aktie um 1,9 Prozent auf 26,25 Euro fallen.

Auch andere Autotitel verbuchten Abschläge, konnten sich später jedoch wieder von den Tiefstständen erholen. BMW kletterte um 1,2 Prozent auf 29,66 Euro, VW schloss 2,8 Prozent fester bei 32,38 Euro. Die Probleme bei Chrysler seien hauptsächlich unternehmensspezifisch, es gebe daher keinen Grund, die Sorgen auf die anderen deutschen Autobauer auszuweiten, erklären Analysten.

Gleich mehrere Nachrichten beflügelten den Kurs der HypoVereinsbank. Das Münchener Kreditinstitut benötigt dringend Geld und bekommt es offenbar auch. Vorstandschef Dieter Rampl bestätigte in Berlin auf Nachfrage, dass die HypoVereinsbank aus dem Börsengang ihrer Tochter Bank Austria einen Erlös von rund 1,1 Milliarden Euro erwartet. Zudem bestätigte Rampl, dass es für die auf Konsumentenkredite spezialisierte Norisbank fünf Kaufinteressenten gibt. Vorher hatte die Bank bereits einen Pfandbrief über zwei Milliarden Euro und eine Wandelanleihe über 125 Millionen Euro erfolgreich am Markt platziert. Händler werteten all das als Zeichen, dass Rampl auf seinem Sanierungskurs voran kommt. Die Aktie war mit einem Plus von 10,7 Prozent auf 13,67 Euro der größte Gewinner im Dax.

Die Deutsche Telekom kann auf Mehreinnahmen in Millionenhöhe hoffen. Nach dem Willen der Telekom-Regulierungsbehörde dürfen die Preise für analoge Anschlüsse und sonstige Anschlussentgelte bis Ende 2004 um rund zehn Prozent erhöht werden. Damit soll eine derzeit bestehende Kostenunterdeckung beseitigt und so eine Wettbewerbsstrafe der EU verhindert werden. Experten schätzen die dadurch möglichen Mehreinnahmen für die Telekom auf bis zu 600 Millionen Euro. Der Markt honorierte diese Perspektive kaum: die Aktie legte magere 0,6 Prozent auf 12,84 Euro zu.

Der Verkauf des Kerngeschäfts der insolventen Kirch Media an eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban ist gescheitert. Das teilten die Verhandlungspartner am Abend in München mit. Jetzt trete "Plan B" in Kraft. Danach bleibt Kirch Media zunächst weiter Großaktionär bei ProSiebenSat.1, eine notwendige Kapitalerhöhung werde gemeinsam mit den Gläubigerbanken finanziert. Die Aktie, die zuvor leicht im Plus gelegen hatte, brach nach Bekanntwerden der gescheiterten Übernahme kurzzeitig um fast 10 Prozent ein. Im Anschluss erholte sie sich wieder etwas und lag zum Schluss noch 5,9 Prozent im Minus bei 4,31 Euro.

SAP bot den Anlegern einen seltenen Anblick. Die Aktie stieg um 3,3 Prozent auf 101,09 Euro und ist damit der erste dreistellige Dax-Wert seit langem. Neben den guten Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq trieb auch eine mögliche Aufnahme in den Stoxx50-Index die Aktie an. Nach der aktuellen Rangliste liegen die Walldorfer auf Platz 38. Dies würde ihnen eine Aufnahme im Herbst sichern.

Star im TecDax war die Aktie von Mobilcom, die zweitweise um fast 40 Prozent zulegte. Hintergrund ist ein Interview von Vorstandschef Thorsten Grenz mit der Agentur Reuters. Darin kündigte er die Suche nach einem oder mehreren neuen Großinvestoren an, um so zu verhindern, dass der Kurs unter Druck gerät, falls sich die bisherigen Hauptanteilseigner, Unternehmensgründer Gerhard Schmid und France Telecom, von ihren Aktienpaketen trennen sollten. Der Markt wertete die Äußerungen als klares Zeichen dafür, dass der Übergang von der alten zur neuen Eigentümerstruktur in geordneten Bahnen abläuft. Zum Schluss lag die Aktie noch mit 28,5 Prozent im Plus bei 7,27 Euro.

Der Bauelemente-Spezialist Epcos will sich mit einer Wandelanleihe in Höhe von rund 121 bis 128 Millionen Euro frisches Kapital beschaffen. Die Wandelanleihe soll eine Laufzeit von sieben Jahren haben und noch am Mittwoch platziert werden. Der Erlös soll unter anderem zur Refinanzierung von Verbindlichkeiten genutzt werden. Der TecDax-Wert verlor 0,1 Prozent auf 11,59 Euro. Bei der geringen Marktkapitalisierung von Epcos sei auch eine relativ kleine Anleihe eine Belastung, heißt es am Markt. Anleger befürchten bei der Ausgabe von Wandelanleihen oft eine Verwässerung des Gewinns je Aktie.

MG Technologies hat den ehemaligen Vorstandschef der einstigen Aktiengesellschaft für Industrie und Verkehrswesen (AGIV), Udo Stark, zum neuen Vorstandschef berufen. Stark übernimmt die Nachfolge von Kajo Neukirchen. Neukirchen war Ende Mai nach einem lang anhaltenden Zwist mit Großaktionär Otto Happel zurückgetreten. Die MDax-Aktie verlor 3,0 Prozent auf 8,98 Euro.

Quelle: ntv.de