Marktberichte

US-Börsen schließen mit Plus Dax macht einen kräftigen Satz

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(Foto: picture alliance / dpa)

Wie befreit zieht der deutsche Aktienmarkt an, der Dax legt kräftig zu. Das mögliche Einlenken der griechischen Regierung im Schuldenstreit sorgt für Hoffnung, dass ein Kompromiss noch möglich ist. Allerdings erhält die Euphorie später einen kleinen Dämpfer.

Durchgeatmet wurde am heutigen Handelstag an der Frankfurter Börse: Nach dem Bekanntwerden des möglichen Einlenkens der griechischen Seite im Schulden-Drama stieg der Dax kräftig nach oben - in der Spitze mehr als drei Prozent. Allerdings kam der Leitindex nach einer Ansprache von Griechenlands Ministerpräsident Tsipras von seinem Tageshoch etwas zurück: Tsipras hatte die Griechen erneut dazu aufgefordert, gegen die Sparauflagen der Gläubiger zu stimmen.

Aus Marktsicht sind die Aussagen gleich doppelt negativ zu interpretieren. Zum einen hatte es Spekulationen gegeben, dass Athen das Referendum möglicherweise absagen könnte. Zum anderen steigt das Risiko, dass sich die Bevölkerung gegen die Auflagen aussprechen wird mit möglicherweise katastrophalen Folgen für das Land. Der Dax schloss am Ende des Handelstages mit einem Plus von noch 2,2 Prozent bei 11.181 Punkten.

Eine andere Nachricht zu Griechenland hatte den deutschen Aktienmarkt vorher angetrieben: Nach dem Auslaufen des Hilfsprogramms in der Nacht hätte Ministerpräsident Tsipras einen Brief an die Gläubiger geschrieben, in dem er größtenteils zur Annahme der Auflagen bereit sei, berichtete die Financial Times. Tsipras beschreibe dies als "Teil einer Erweiterung des auslaufenden EFSF- und des neuen ESM-Programms", unter dem Griechenland am Vortag über 29 Milliarden Euro gefordert hatte.

  "Skeptiker oder Optimisten - keiner sollte sich zu früh freuen", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de die jüngste Entwicklung. "Eines steht aber fest: Im Pokerspiel hat Alexis Tsipras sein Blatt deutlich überschätzt und Angela Merkel seine Bluffs souverän abgefangen." Jetzt kämen die Karten des griechischen Regierungschefs auf den Tisch - und Tsipras habe nur wenig auf der Hand. "Dies haben auch die Finanzmärkte und Investoren realisiert und nutzen Kurs-Levels unter 11.000 Punkten beständig zum Einstieg", so Saurenz.

Die Deutsche Bank zählte zu den Skeptikern. "Der Markt liest die Schlagzeilen als Zeichen, dass Tsipras nachgibt, aber wir müssen uns daran erinnern, dass er das nur bei einigen Punkten tut", sagte Nick Lawson, Managing Director im Aktienhandel. Marktteilnehmer schienen derzeit eher "ein bißchen ängstlich zu sein, dass sie einen Kursanstieg verpassen, besonders wenn man den Kursverfall bedenkt, den wir diese Woche schon hatten".

Auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, fand deutliche Worte. "Das alte Hilfsprogramm ist nicht am Auslaufen. Es ist ausgelaufen". Nun wieder zu einer neuen Vereinbarung zu kommen, sei schwieriger. Das Referendum habe nun eine Eigendynamik entwickelt. Es sei nicht auszuschließen, dass Europa - ermüdet von der momentanen Regierung - nun verlangen könnte, dass das griechische Volk das Problem in einem Referendum beilegt. Und das Tsipras dann für ein "Ja" für die Auflagen eintreten werde.

Auch würde ein Deal zu diesem Zeitpunkt einen politischen Wechsel in Athen erfordern. Es sei unwahrscheinlich, dass Syrizas linker Flügel den Reformen jemals zustimmen werde. Griechenland werde eine neue formelle oder informelle Koalition aus moderaten Syriza-Mitgliedern und pro-europäischen Parteien brauchen, bevor ein neues Abkommen möglich sei, so Schmieding weiter. In einer aktuellen Umfrage der griechischen Zeitung Efimerida ton Syntakton sprach sich die Mehrheit der Befragten gegen den Forderungskatalog der Gläubiger aus. Laut Fidelity ist ein "Nein" an den Märkte noch nicht eingepreist.

Die Europäische Zentralbank (EZB) berät am Mittwoch darüber, ob und in welcher Höhe sie die Notkredite für die griechische Zentralbank aufrecht erhält. Diese Entscheidung könnte kurzfristig die Richtung der Börsenkurse bestimmen und für erneut starke Kursschwankungen sorgen.

Am Devisenmarkt kletterte der Euro zum US-Dollar mit den Tsipras-Aussagen auf ein Tageshoch bei 1,1171 Dollar. Anschließend gab die Devise allerdings wieder nach: Vor allem der überraschend gute ADP-Bericht zum US-Arbeitsmarkt gibt dem Dollar Auftrieb und erhöht am Anleihemarkt den Verkaufsdruck. Der Euro fiel auf rund 1,1080 Dollar.

Das zuletzt angeschlagene, sehr volatile Börsenumfeld fordert weitere Opfer: Nach der Absage des Börsengangs der Berliner Immobiliengesellschaft Ado Properties am Montag hat nun auch der Damenmodehersteller CBR Fashion aus Celle den Catwalk aufs Parkett "bis auf weiteres" verschoben. Chorus Clean Energy hat zudem die Zeichnungsfrist bis zum 9. Juli verlängert. Sie sollte ursprünglich am heutigen Mittwoch enden.

Deutschland: Deutsche Bank schließen an der Dax-Spitze

Deutsche Bank
Deutsche Bank 10,83

Der Dax schloss am Ende mit einem kräftigen Gewinn von 2,2 Prozent auf 11.181 Punkten. Sein Tageshoch hatte er bei 11.284 Punkten markiert. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Plus von 2,1 Prozent auf 20.033 Zähler. Für den technologielastigen TecDax ging es 1,8 Prozent nach oben auf 1672 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 legte 2,0 Prozent zu.

Mit am stärksten zeigten sich im Dax die Autowerte Daimler, VW, BMW und Continental - als Zulieferer der Branche - und stiegen zwischen 4,0 und 2,4 Prozent. Absoluter Dax-Spitzenreiter war am Ende jedoch das Papier der Deutschen Bank: Es stieg um 5,0 Prozent. Im Handel wurde auf die Entspannung an den Gesamtmärkten verwiesen, von der der volatile Bankensektor überproportional profitiere.

Verlierer gab es am Ende nur einen: K+S ließen minimal nach. Das Handelsblatt berichtete, eine Übernahme des Düngemittelproduzenten durch die kanadische Potash werde von den Wettbewerbshütern voraussichtlich nicht beanstandet. Ebenfalls schwach schlossen Eon und RWE, die lediglich zwischen 0,4 und 0,3 Prozent zulegten.

Eine Kaufempfehlung der UBS trieb Adidas an. Die Aktien des Sportartikel-Herstellers verteuerten sich um 2,6 Prozent. Die Analysten der Schweizer Großbank hatten den Titel auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 82 von 63 Euro erhöht.

Manz Automation
Manz Automation 49,45

Im MDax stiegen Airbus um 3,2 Prozent, nachdem der Flugzeughersteller aus China einen Großauftrag über bis zu 75 Maschinen erhalten hat. An der Spitze des Nebenwerte-Index gewannen Osram 6,7 Prozent. Händler verwiesen auf einen Bericht von Reuters. Danach gebe es kleine Fortschritte beim geplanten Verkauf des Lampengeschäfts.

Kursverluste musste das Papier des TecDax-Werts Evotec hinnehmen. Das Biotech-Unternehmen hatte bei der Entwicklung eines Wirkstoffs gegen Alzheimer einen Rückschlag erlitten. Die Aktie fiel um 6,1 Prozent.

Beim im TecDax gelisteten Machinenbauer Manz kommen mehrere große Aufträge nicht zustande. Als "unschön" stufte Equinet-Analyst Thomas Rau den stornierten und den verzögerten Auftrag ein. Allerdings sei das langfristige Investment-Szenario weiterhin intakt. Rau empfiehlt seinen Kunden die Aktie unverändert zum Kauf. Der Kurs stieg um 0,7 Prozent nach deutlichen Kursverlusten zu Handelsbeginn.

USA: Gewinne an US-Börsen schmälern sich etwas

Dow Jones
Dow Jones 34.741,48

Nachdem Griechenland nun angeblich doch bereit zu einem Einlenken im Schuldenstreit ist, dürften auch die US-Anleger aufatmen. Nach zunächst deutlicheren Gewinnen gehen die Aufschläge bis zum Handelsschluss wieder etwas zurück.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 0,8 Prozent auf 17.757 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,7 Prozent auf 2077 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,5 Prozent auf 5013 Punkte vor.

Die US-Anleger konnten sich aber nicht allein auf Griechenland konzentrieren, denn sie hatten eine Fülle heimischer Konjunkturdaten zu verarbeiten. Nach einem besseren ADP-Arbeitsmarktbericht hat auch der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe die Erwartungen geschlagen. Der Index stieg im Juni auf 53,5 von 52,8 im Mai. Erwartet wurde eine Lesung von 53,2. Damit bleibt die Zinserhöhungsfantasie in den USA für den Herbst intakt.

Geschäftszahlen hat der Getränkekonzern Constellation Brands vorgelegt, der unter anderem Bier der Marke Corona herstellt. In Reaktion stieg der Aktienkurz zunächst, gab die Gewinne aber wieder ab. Anleger beurteilten Übernahmepläne des Konzerns kritisch. Auch der Lebensmittelhersteller General Mills hat Quartalszahlen veröffentlicht. Der Umsatz verfehlte die Erwartungen, während der Gewinn vor Sondereinflüssen besser als erwartet ausfiel. Die Aktie legte 2,5 Prozent zu.

Nach der Bekanntgabe von Absatzzahlen für den Monat Juni fällt der Kurs von Ford um 0,1 Prozent, General Motors fallen sogar um 0,9 Prozent zurück. Daneben steht Biogen mit dem geplanten Bau einer Produktionsanlage in der Schweiz im Blick. Das Unternehmen will eine Milliarde Schweizer Franken investieren. Die Aktie steigt um 0,4 Prozent.

Devisen: Euro rutscht unter 1,11 Dollar

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,17

Der Euro hat den zweiten Tag in Folge nachgegeben. Im späten US-Handel fiel er auf rund 1,1051 Dollar nach einem Tageshoch von gut 1,1172 Dollar.

Die Griechenlandkrise hält die Anleger weiter in Atem. Belastet wurde der Euro laut Händlern aber weniger durch das griechische Schuldendrama als vielmehr durch robuste Konjunkturdaten aus den USA. Zahlen vom Arbeits- und Häusermarkt konnten Analysten überzeugen. Damit rücken Zinsanhebungen in der weltgrößten Volkswirtschaft immer näher. Das stärkt den Dollar. Am Dienstagabend hatte sich Stanley Fischer, der Vizechef der US-Notenbank, zuversichtlich für die Konjunktur gezeigt. Zudem hatte er gewarnt, die Zinswende nicht zu spät zu starten.

Rohstoffe: Überangebot drückt weiter auf Ölpreis

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 78,02

Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI stürzte um 4,2 Prozent auf 56,96 Dollar ab und fiel auf den niedrigsten Stand seit dem 22. April. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 2,5 Prozent auf 62,01 Dollar.

Die hohe Rohölförderung in den Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) laste weiter auf den Ölpreisen, sagten Händler. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg stieg die Fördermenge im Juni auf den höchsten Stand seit August 2012. Zudem sind die Rohöl-Lagerbestände in den USA nach Zahlen des privaten American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche um 1,9 Millionen Barrel geklettert. Dies gilt als Zeichen für eine geringere Ölnachfrage. Am Nachmittag werden die offiziellen Zahlen der US-Regierung veröffentlicht.

Asien: Nikkei im Plus, Shanghai-Börse bricht ein

Positive Konjunkturdaten haben der Börse in Tokio zu moderaten Gewinnen verholfen. Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands habe hingegen nur eine kleine Rolle gespielt, auch wenn die Anleger die Entwicklungen genau im Blick behielten, sagten Händler.

Insgesamt dominierten in Asien überwiegend die positiven Vorzeichen. So gewinnt die japanische Wirtschaft an Fahrt, wie aus einem Bericht der Notenbank zum produzierenden Gewerbe hervorgeht. Der Tokioter Nikkei-Index der 225 führenden Werte schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 20.329 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte knapp 0,6 Prozent zu. Die Börse in Südkorea gewann mehr als ein Prozent.

Die Kurse an der Börse in Shanghai sind allerdings erneut eingebrochen. Der Leitindex Shanghai Composite sackte um 5,2 Prozent ab, nachdem er am Vortag noch über fünf Prozent gewonnen hatte. Damit setzte sich die Mitte Juni begonnene Berg- und Talfahrt an dem von chinesischen Kleinanlegern dominierten Aktienmarkt fort.

Mit einer Lockerung der Geldpolitik hatte Chinas Zentralbank zuletzt am Wochenende versucht, die für ihre extremen Schwankungen bekannte Börse zu stabilisieren. Zudem geht die Regierung in Peking derzeit gegen den in Shanghai üblichen hoch spekulativen Handel mit Hebelprodukten vor, wobei mit geringen Beträgen große Volumen bewegt werden können, was seit Tagen zu Panikverkäufen führt. In den vergangenen zwei Wochen hat die Börse rund 20 Prozent eingebüßt.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/DJ/rts

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