Marktberichte

Apple abgenagt Dax mit kleinem Plus

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Die große Apple-Euphorie ist spürbar geschrumpft.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die florierenden Geschäfte von Apple versetzen den Markt nur kurz in Euphorie - zu groß ist die Anspannung vor dem Euro-Krisengipfel. Nur die Tech-Werte klettern noch gestärkt nach oben. EADS profitieren von einem Großauftrag für Airbus.

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Ein Rekordquartal bei Apple hat den Anlegern am deutschen Aktienmarkt Lust auf Technologie-Werte gemacht. "Nach den guten IBM-Zahlen hat nun auch Apple überrascht, das macht der Branche Mut", sagte ein Händler. Die Aktien des Chip-Entwicklers Dialog Semiconductor legten 6,5 Prozent zu und lagen damit weit vorne im TecDax. Der Handyausrüster Balda notierte im SDax fünf Prozent fester. Das florierende iPhone- und iPad-Geschäft hatte die Apple-Papiere am Dienstag im nachbörslichen US-Handel auf ein Allzeithoch über die Marke von 400 Dollar getrieben.

Infineon konnten allerdings nicht von Apple profitieren, sondern fanden sich am Ende des Dax wieder. Die Titel des Chipherstellers verloren 3,2 Prozent auf 7,21 Euro. Ein Händler verwies auf schlechte Nachrichten des taiwanischen Herstellers Nanya, der über fallende Preise für DRAM-Speicherchips berichtete. Dies drücke die Stimmung in der Branche, sagte der Händler.

Auch der Dax selbst konnte von der Euphorie nur ein wenig profitieren. Er stieg zunächst um bis zu ein Prozent, sackte dann aber wieder auf das Vortagesniveau zurück. Das Börsenbarometer beendete den Handel schließlich mit einem kleinen Plus von 0,4 Prozent auf 7.221 Punkten.

In den Handelsräumen rückte der Euro-Sondergipfel am Donnerstag wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Anleger erhoffen sich von dem Treffen ein klares Signal, wie die Politiker die europäische Schuldenkrise in den Griff bekommen wollen. Der Druck wächst, da die Schuldenkrise der drei kleinen Länder Griechenland, Irland und Portugal auf die Schwergewichte Spanien und Italien überzugreifen droht.

Die Finanzwerte legten im Vorfeld des Treffens zu. Die Deutsche Bank und die Commerzbank verteuerten sich um 3,4 beziehungsweise 6,3 Prozent und lagen damit an der Dax-Spitze. "Die Anleger wollen bei dem Euro-Gipfel eine Lösung der Schuldenkrise sehen. Ob sie die bekommen, ist aber fraglich - denn selbst wenn das zweite Hilfspaket für Griechenland geschnürt ist, hat man sich damit doch letztlich wieder nur Zeit erkauft", sagte ein Händler.

Siemens verloren mehr als 0,5 Prozent auf 92,50 Euro. Die Auftragseingänge und der Umsatz des Siemens-Rivalen Alstom seien unter den Erwartungen geblieben, sagte ein Börsianer. Das drücke auf die Stimmung.

Ebenfalls Abschläge hinnehmen mussten Metro-Papiere nach einer Reihe von Kurszielsenkungen. Die Titel fielen um 0,9 Prozent auf 37,53 Euro. Die Analysten der Credit Suisse senkten das Kursziel laut Händlern auf 45 von 50 Euro, die Experten von Jefferies auf 44 von 54 Euro.

Spekulationen auf eine Gewinnwarnung belasteten BASF. Die Titel des Chemiekonzerns verloren 1,2 Prozent auf 66,20 Euro. Ein Händler verwies auf eine Einschätzung der RBS vom Vortag, in dem die Aktien auf "hold" von "buy" heruntergestuft wurden. Das Unternehmen werde seine Ziele womöglich verfehlen, erklärten die Analysten. BASF wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Der Konzern legt seine Ergebnisse für das zweite Quartal am 28. Juli vor.

ThyssenKrupp fielen zeitweise auf den tiefsten Stand seit elf Wochen. Die Titel des Stahlherstellers gehörten mit einem Abschlag von bis zu 2,5 Prozent zeitweise zu den schwächsten Werten im Dax. Zum Handelsschluss konnte der Titel die Verluste etwas eindämmen, übrig blieb ein Minus von 0,98 Prozent. Ein Händler verwies auf den unerwartet hohen Quartalsverlust des Stahlkochers Outokumpu. Der finnische Konzern warnte wegen der schwachen Nachfrage zudem vor einem operativen Verlust im dritten Quartal. Ein anderer Börsianer nannte die fallenden Preise für Industriemetalle in London als Auslöser für den Kursrückgang.

Im MDax legten EADS 3,9 Prozent zu und waren mit 24,78 Euro so teuer wie seit Oktober 2007 nicht mehr. Die Tochter Airbus hat einen dicken Auftrag von American Airlines ergattert. Die US-Gesellschaft tätigte die größte Flugzeugbestellung aller Zeiten und orderte überraschenderweise den Großteil der Jets bei Airbus.

Der Rücktritt von Vorstandschef Wolfgang Werner gab Praktiker kräftig Auftrieb. Die Titel der Baumarktkette schossen um 7,3 Prozent auf 2,99 Euro nach oben und waren damit Spitzenreiter im MDax. "Von dem aktuellen Management wurde offenbar nicht mehr viel gehalten, nachdem die Aktie seit Anfang Juli mehr als die Hälfte an Wert verloren hat", sagte ein Händler.

Dank besser als erwarteter Geschäftszahlen für das zweite Quartal erreichte die Aktie von Dürr ein neues Jahreshoch. "Der extrem starke Auftragseingang überzeugt", meint ein Händler. Das Geschäft dürfte damit auch im zweiten Halbjahr sehr gut laufen. Mit der Überwindung des Widerstands bei 30 Euro habe die Aktie nun Platz bis zu den Hochs aus dem Jahr 2007 bei rund 33 Euro. Dürr stiegen um sechs Prozent auf 30,30 Euro und waren damit die größten Gewinner im SDax.

Quelle: ntv.de, sla/DJ/rts/dpa