Marktberichte

Gipfelstürmer Dax nicht zu bremsen

Der Dax war am letzten Handelstag der Woche nicht zu bremsen. Besser als erwartete US-Konjunkturdaten ließen den Index in die Höhe schießen. Stark gefragt war Bayer - die Anleger hoffen auf eine baldige Zulassung der Potenzpille Levitra in den USA.

Der Dax ging mit einem satten Plus von 2,6 Prozent bei 2.983 Zählern ins Wochenende.

Der Handel in Frankfurt verlief bei niedrigen Umsätzen sehr ruhig. Am Nachmittag brachten die neuesten Konjunkturdaten aus den USA Bewegung in den Markt. Der Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan sowie der Einkaufsmanager-Index für die Region Chicago fanden unter Börsianern diesseits und jenseits des Atlantik viel Beachtung.

Zuvor gab es aber bereits am Vormittag neue Konjunkturdaten aus Deutschland. Der Konsumklima-Indikator für Juni der Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg ist nach Angaben des Unternehmens auf 3,8 von revidiert 3,6 im Mai gestiegen. Die einzelnen Komponenten der Umfrage hätten sich jedoch höchst unterschiedlich entwickelt.

So schätzten die Verbraucher die Wirtschaftsentwicklung erneut pessimistischer ein. GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl sagte: "Aus Sicht der Verbraucher sind mögliche Rezessionsgefahren noch nicht gebannt". Im Mai war der Indikator für die Konjunkturerwartung von minus 21,9 auf minus 28,2 gefallen. Die Menschen seien durch die hohe Arbeitslosigkeit und die Debatte über Reformen sehr verunsichert, sagte Bürkl.

Der Euro bzw. seine weitere schnelle Aufwertung wäre nach Einschätzung von Bundeskanzler Schröder für Deutschland problematisch. Die Gemeinschaftswährung sei nach einhelliger Meinung bislang unterbewertet gewesen und insofern trage seine Kurserholung zu einer Normalisierung des Wechselkursniveaus bei, sagte Schröder der russischen Nachrichtenagentur Interfax. "Sollte sich die schnelle Aufwertung des Euro weiter fortsetzen, birgt sie aber für die Exportnation Deutschland auch Risiken. Bereits heute dämpft sie die konjunkturelle Entwicklung, da deutsche Produkte außerhalb der Euro-Zone teurer werden ", sagte Schröder.

Trotzdem sei die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft heute nicht schlechter als vor der Euro-Einführung, so Schröder weiter. Auswirkungen auf den Handels- und Kursverlauf an der Frankfurter Börse hatten Schröders Äußerungen nicht. Händler bezeichneten Schröders Einschätzungen als inhaltlich nicht neu, im übrigen halten einige von ihnen das Aufwärtspotenzial des Euro derzeit für begrenzt, weil es Spekulationen auf eine kurzfristige deutliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank gebe. Der Euro war Anfang der Woche auf knapp 1,20 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit rund vier Jahren gestiegen.

Die Commerzbank hat ihre Aktionäre am Freitag zur Hauptversammlung nach Frankfurt/M. eingeladen. Vorstandschef Müller warb für Vertrauen in die derzeitige Strategie des Kreditinstituts, mit der die Commerzbank nach dem ersten Verlustjahr in der Firmengeschichte wieder profitabel werden will. 2002 hatte die Commerzbank nach Steuern einen Verlust in Höhe von 243 Mio. Euro eingefahren.

Immerhin hat die Commerzbank im ersten Quartal 2003 nach Steuern drei Mio. Euro verdient. Aber: "Uns ist völlig klar, dass wir damit noch kein zufriedenstellendes Ergebnis für Sie als unsere Aktionäre erzielt haben", sagte Müller auf der Hauptversammlung. Vertrauen in die neue Strategie müssen die Aktionäre in der Tat haben, denn sie sollen auf der Hauptversammlung über eine Reihe von Vorratsbeschlüssen abstimmen, u.a. zum Erwerb eigener Aktien oder etwa über die Ausgabe von Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen. Eine Kapitalerhöhung oder Wandelanleihe sei indes nicht geplant, sagte Müller. Die Aktie der Commerzbank legte deutlich um 6 Prozent zu auf 9,75 Euro.

Bayer hofft auf eine baldige Zulassung seines Potenzmittels Levitra in den USA. Der sagenhafte Erfolg des Konkurrenzprodukts Viagra von Pfizer weckt bei den Bayer-Aktionären und solchen, die es werden wollen, Begehrlichkeiten. Mit anderen Worten: Bayer sollte mit Levitra viel Geld verdienen, wenn das die Manneskraft stärkende Mittel denn für den Verkauf in den USA freigegeben werden sollte. Die Anleger legen sich die Bayer-Aktie jedenfalls sicherheitshalber schon mal ins Depot. Die Aktie gewann 3 Prozent auf 17,37 Euro.

Die im M-Dax notierten Merck mussten dagegen herbe Verluste hinnehmen. Die Aktien des Pharma- und Spezialchemieherstellers verloren 3 Prozent auf 28,90 Euro, nachdem das Unternehmen die Einstellung zweier Diabetes-Entwicklungsprojekte bekannt gegeben hatte. Die Sonderbelastungen aus der Maßnahme wurden für das laufende Jahr auf 100 bis 200 Mio. Euro beziffert - mit entsprechend schmälernden Konsequenzen für den Gewinn des Unternehmens.

Spitzenreiter im gesamten Handelsverlauf war die Aktie von Infineon. Die Aktie des Chip-Konzerns gewann 7,6 Prozent auf 7,61 Euro, ohne dass es hierfür eine Begründung gibt. Händler verwiesen auf die guten Vorgaben aus den USA und mögliche Hoffnungen der Anleger auf einen baldigen Konjunkturaufschwung, von dem Infineon überdurchschnittlich profitieren sollte.

DaimlerChrysler will bei der US-Tochter Chrysler weiter sparen. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, hat man in Stuttgart offenbar zunehmend Bedenken, dass Chrysler das Betriebsgewinnziel im laufenden Jahr in Höhe von zwei Mrd. US-Dollar erreichen kann. Deshalb seien leitende Mitarbeiter angewiesen worden, weitere Wege zur Kostenreduzierung in den Bereichen Beschaffung und Produktion zu finden. Diese neuen, weiteren Einsparungen sollten über die in dem vor knapp drei Jahren veröffentlichten Turnaround-Plan hinausgehen. Die Aktie lag mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 26,75 Euro in etwa im Markttrend.

Ansonsten wird auf dem Frankfurter Parkett viel spekuliert über die weitere Entwicklung des Dax. Der deutsche Standardwerteindex bewegt sich seit Wochen in einer Bandbreite zwischen 2.800 und 3.000 Zählern und vor allem technisch orientierte Analysten erwarten in Kürze einen Ausbruch aus dieser Range. Die spannende Frage dabei: in welche Richtung wird sich der Dax Luft machen? Bei der Antwort hierauf gehen die Ansichten - wie so oft - sehr weit auseinander.

Für Pessimisten ist klar, dass es nur nach unten gehen kann. Dafür sprächen die unverändert schlechten fundamentalen Daten sowie Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, wonach die Börsen in den Sommermonaten ab Mai eher zur Schwäche tendierten. Optimisten hingegen sehen erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung, von der die europäischen und hier wiederum die deutschen Börsen überdurchschnittlich profitieren sollten.

Auf jeden Fall ist die Situation beim Dax aus technischer Sicht sehr spannend: Der Index ist an seinem langfristigen Abwärtstrend um 3.000 Zähler angekommen und solche wichtigen Hürden werden erfahrungsgemäß nicht so ohne weiteres genommen.

Quelle: ntv.de