Marktberichte

Völlig losgelöst Dax steigt und steigt

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Es ist noch viel Geld da, das angelegt werden will ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Bescherung an der Börse: Wie losgelöst von Rezession und Staatsschuldenkrise im Euroraum steigen die Kurse immer weiter. Erst legt der Dax den besten Jahresstart seit 1988 hin, nun klettert er auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Der Blick geht nach oben.

Es ist ein Traumjahr an der Börse: Investoren streichen satte Gewinne ein wie lange nicht. Und die Rally geht zum Jahresende noch weiter - da sind sich Experten einig. Dabei ist der Deutsche Leitindex Dax schon auf ein Fünf-Jahreshoch geklettert. Mit 5898,35 Punkten war er aus dem Jahr 2011 gegangen, zur Wochenmitte übersprang er die 7600 Punkte-Marke - ein überraschend dickes Plus von fast 29 Prozent.

Zum Schluss notierte der Dax bei komfortablen 7614 Punkten, ein Plus von 0,3 Prozent. Der TecDax arbeitete sich ganze 0,4 Prozent auf 835 Punkte hoch. Allein der MDax konnte diese Rally nicht nachvollziehen und schloss 0,2 Prozent leichter bei 11.952 Zählern.

Es ist offensichtlich: Die Anleger haben sich entschieden, allen Sorgen rund um Euro-Schuldenkrise und Rezession im Euroraum die kalte Schulter zu zeigen. Auch die immer magereren Konjunkturaussichten selbst für Europas Wachstumsmotor Deutschland sorgen bestenfalls für Bremsspuren im allgemeinen Aufwärtstrend.

Dies allerdings auch mangels Alternativen: Die Zinsen dümpeln auf Rekordtief, Tages- und Festgeld werfen kaum etwas ab, und auch sichere Anleihen bringen historisch niedrige Zinsen. "Bundesanleihen, für viele Investoren der "Hort der Sicherheit", kosten unter Berücksichtigung der Inflationsrate bereits Geld und bringen somit negative Realrenditen", betonen Experten der Deutsche Bank-Fondstochter DWS. Gold ist bereits teuer, und Immobilienpreise schießen zumindest in attraktiven City-Lagen in die Höhe.

Aktien dagegen haben noch Luft nach oben, prognostizieren Analysten der Helaba: "Aktien haben mit ihrem Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2012 zwar bereits einen Teil der zuvor massiven Unterbewertung abgebaut. Gemessen an der eigenen Historie wie auch im Vergleich zu den gängigen Anlagealternativen erscheinen gerade deutsche und europäische Dividendentitel noch immer günstig." Der Dax steuere auf die Höchststände aus den Jahren 2000 und 2007 zu, bis zu 8200 Punkte seien 2013 drin.

Mehr Vertrauen in die Politik

In diesem Umfeld wird derzeit selbst die Angst vor mangelndem Einigungswillen von Präsident Barack Obama und den Republikanern in den USA ausgeblendet. Der Absturz von der "Fiskalklippe" könnte die USA in die Rezession stürzen und die Weltwirtschaft mitreißen. "Die Anleger nehmen eine Lösung aktueller Probleme vorweg", schreibt Stratege Stan Shamu von IG Markets. Das zeigt: Das Vertrauen in die Politik hat deutlich zugenommen.

Das gilt auch für den Euroraum, seit Europas oberster Währungshüter Mario Draghi unmissverständlich klar gemacht hat, dass die Europäische Zentralbank den Euro um jeden Preis retten wird. Ohnehin sorgen die weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken von Asien über Europa bis nach Amerika für gute Stimmung und Hoffnung auf einen Aufschwung.

"Die systemischen Risiken sind nun erst mal vom Tisch, auch wenn die Krisen in der Welt längst nicht gelöst sind", sagt Jens Wilhelm, Anlagestrategie im Vorstand von Union Investment. Die EZB habe mit ihren Maßnahmen für eine deutliche Entspannung an den Kapitalmärkten gesorgt und der Politik den nötigen Spielraum verschafft, um einen belastbaren Rettungsmechanismus aufzubauen.

Der kranke Mann Europa steht auf

Zwar ruhen die Konjunkturhoffnungen vor allem auf Asien und den USA. Aber auch in Europa dürfte die Talsohle durchschritten sein, meint Asoka Wöhrmann, Geschäftsführer und Leiter des Fondsmanagements weltweit bei der DWS: "Wir haben das Tief gesehen. Europa verlässt die Intensivstation."

Die gute Stimmung hängt aber am seidenen Faden. Vor wenigen Tagen sorgten die Rücktritts-Ankündigung des reformfreudigen italienischen Regierungschefs Mario Monti und der Comeback-Versuch seines Vorgängers Silvio Berlusconi für Nervosität. Aktuell haben aber die Optimisten die Oberhand. Anlagestratege Wilhelm schreibt den Aktienmärkten für 2013 daher Potenzial nach oben zu: "Sieben bis zehn Prozent Kurszuwachs sind durchaus drin." Und das auch dank der soliden Verfassung der Realwirtschaft: "Den Unternehmen geht es so gut wie lange nicht. Davon können Anleger über die insgesamt hohen Dividendenausschüttungen profitieren, aber auch über die Kursfantasie, die in vielen Aktien steckt."

ThyssenKrupp sind Topgewinner

Die Aktie von ThyssenKrupp stellte mit einem Plus von 3,8 Prozent den Gewinner des Tages. Am Morgen gab es positive Analystenkommentare von Jefferies und von J.P. Morgan. So sehen die Analysten von Jefferies für den erwarteten Verkauf von Steel Americas wieder bessere Aussichten. Der US-Broker Jefferies stufte die Aktie auf "Kaufen" von "Halten" hochgestuft und JP Morgan erhöhte das Kursziel um 5 auf 22 Euro.

Bei den Einzeltiteln trennten sich Anleger nach einem kritischen Kommentar der Credit Suisse von Versorger-Aktien getrennt. RWE schlossen nahezu unverändert. Eon drehte dagegen mit 0,5 Prozent ins Plus. Die Analysten gehen davon aus, dass die Energiekonzerne weiter unter sinkenden Großhandelspreisen für Strom leiden dürften. Sie stuften die Aktien jeweils herunter auf "Underperform" von "Neutral". Das Kursziel für RWE setzten sie auf 29,50 von 36 Euro, für Eon auf 11 von 16 Euro.

Die Aktionäre der Deutschen Bank hatten keinen guten Tag, ihre Aktie verlor 0,1 Prozent. Nach Vorwürfen der Bilanzfälschung und Zinsmanipulationen sieht sich die Bank mit neuen Untersuchungen wegen schweren Steuerbetrugs und Geldwäsche konfrontiert. Gegen Mittag durchsuchten Steuerfahnder und Kriminalbeamte die Geschäftsräume der Bank. Hintergrund sind die laufenden Ermittlungen wegen des Vorwurfs des Steuerbetrugs beim Handel mit CO2-Emissionszertifikaten.

Der Flughafenbetreiber Fraport beförderte im November erstmals in diesem Jahr wieder mehr Fracht. Um 2,9 Prozent stieg das Frachtaufkommen. Auch dies werten Händler als positives Konjunktursignal. Der Aktienkurs von Fraport stieg in den vergangenen fünf Handelstagen um fast 8 Prozent und stagniert nun knapp über 45,40 Euro.

Quelle: ntv.de, dpa/rts/DJ

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