Marktberichte

Bayer bricht ein Dax verliert

Der Dax schloß wieder im Minus und fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren: Linde enttäuschte die Anleger mit den Geschäftszahlen für 2002, gegen die Deutsche Telekom und die Bundesrepublik wurde Strafanzeige erstattet und Bayer blieb wegen der Lipobay-Vorwürfe das Sorgenkind.

Der Dax verlor 1,4 Prozent auf 2.450 Zähler.

Die Aktie von Bayer verlor am dritten Tag in Folge überdurchschnittlich stark. Nachdem das Papier an den ersten beiden Tagen der Woche rund 25 Prozent an Wert eingebüßt hatte, ging es am Mittwoch um weitere 5,4 Prozent abwärts auf 11,65 Euro. Zeitweise war der Kurs des Papiers um rund zwölf Prozent eingebrochen. Hintergrund waren Vorwürfe, wonach Bayer deutlich früher als bislang bekannt von möglicherweise tödlichen Nebenwirkungen seines Blutfettsenkers Lipobay gewusst haben soll.

"Das ist nicht der Fall", dementierte Bayer diese Vorwürfe am Mittwoch zum wiederholten Mal. Zudem sei die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA immer über alle relevanten Sicherheitshinweise informiert worden. Die von Anwälten der Kläger veröffentlichten Dokumente seien aus dem Zusammenhang gerissen.

Bayer verhandelt derzeit über eine außergerichtliche Einigung mit Klägern. Bis dato wurden den Angaben zufolge 450 Vergleiche geschlossen. Insgesamt gibt es im Zusammenhang mit dem 2001 vom Markt genommenen Medikament Lipobay 7.800 Klagen.

Der Wiesbadener Mischkonzern Linde musste für 2002 einen stärkeren Ergebnisrückgang ausweisen als erwartet. Wie Linde mitteilte, habe man angesichts der Konjunkturschwäche operativ 647 Mio. Euro und damit 117 Mio. weniger verdient als ein Jahr zuvor. Experten hatten mit einem Rückgang auf 674 Mio. Euro gerechnet.

Beim Jahresüberschuss erreichte der Industriegase- und Gabelstaplerhersteller mit 240 Mio. Euro das Niveau des Vorjahres. Der Umsatz ist nach Angaben von Linde dagegen leicht von 8,8 auf 8,7 Mrd. Euro gesunken. Zu den Aussichten für das laufende Geschäftsjahr 2003 hielt sich Linde vornehm zurück. Sobald die Konjunktur wieder anziehe, werde man bei Umsatz und Ergebnis wieder "deutlich wachsen ", hieß es. Die Linde-Aktie rettete sich zum Handelsschluss mit 0,1 Prozent ins Plus auf 25,55 Euro.

Der Handelskonzern Metro will offenbar seine Baumarktkette Praktiker verkaufen. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" sei man auf der Suche nach einem Käufer. Als Grund wurde genannt, dass Praktiker Zielvorgaben nicht erfüllt habe: "Wir haben Gewinnvorgaben aufgestellt, die Praktiker als Teil des Konzerns erfüllen muss, aber das Ziel wurde nicht erreicht ", wurde Metro-Chef Hans-Joachim Körber zitiert. Das Metro-Papier legte am Ende 0,7 Prozent auf 16,62 Euro zu.

Ärger steht der Deutsche Telekom ins Haus. Die Stuttgarter Anwaltskanzlei Binz & Partner hat gegen das Unternehmen und die Bundesrepublik Deutschland Strafanzeige gestellt wegen des Verdachts auf Betrug beim dritten Börsengang des Unternehmens. Wie die Kanzlei Binz & Partner, die auch in der Mannesmann-Affäre tätig war, gegenüber n-tv bestätigte, habe man gegen den früheren Telekom-Vorstandschef Sommer, gegen weitere Organmitglieder des Unternehmens sowie gegen Vertreter des Hauptaktionärs Bundesrepublik Deutschland Strafanzeige wegen Betrugsverdachts bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet worden. Die T-Aktie kletterte mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 10,27 Euro.

Die Thyssen-Krupp Aktie verlor 7,9 Prozent auf 8,05 Euro. Händler verwiesen auf die Herabstufung der Bonität durch die Ratingagentur S&P in der vergangenen Woche, unter der das Vertrauen in die Aktie weiterhin stark leidet. Der Konzern hat angekündigt, die Herabstufung durch Sachverständige überprüfen zu lassen. „Wir beauftragen einen deutschen und angelsächsischen Wirtschaftsprüfer mit einem Gutachten darüber, welcher Weg bei den Pensionsverpflichtungen unter welchen Bedingungen für welches Unternehmen angemessen ist“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Aktie hat seit der Herabstufung durch S &P rund ein Fünftel ihrer Börsenkapitalisierung eingebüßt.

Die am Neuen Markt notierte Morphosys meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002 einen deutlich ausgeweiteten Nettoverlust in Höhe von 24,4 Mio. Euro. Ein Jahr zuvor lag das Minus noch bei 6,5 Mio. Euro. Der Umsatz hat sich nach Angaben von Morphosys mit 16,8 nach 16,1 Mio. Euro dagegen kaum verändert. Das in Martinsried bei München ansässige Biotechnologie-Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Tätigkeits-Schwerpunkt von Biotech-Dienstleistungen auf die finanziell sehr viel riskantere Entwicklung von Wirkstoffen verlagert. Das Papier verlor nach anfänglichen Kursgewinnen 8,4 Prozent auf 7,90 Euro.

Die Leistung der deutschen Volkswirtschaft hat sich in den letzten drei Monaten des Jahres 2002 überraschend auf dem Niveau des Vorjahres gehalten. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilte, sei die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland im Gesamtjahr 2002 real um 0,2 Prozent gewachsen. Für das Schlussquartal 2002 hatten Experten mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gerechnet. Die Aussichten für 2003 sind nach Einschätzung von Volkswirten wenig erfreulich - für das Gesamtjahr wird ein deutlich niedrigeres Wirtschaftswachstum erwartet als beispielsweise von der Bundesregierung, die mit einem Anstieg um ein Prozent rechnet.

Quelle: ntv.de