Marktberichte

Drastischer Auftragseinbruch Dax verteidigt 3.000er Marke

Extrem schwache Auftragseingänge für die deutsche Industrie für den Monat März haben dem Deutschen Aktienindex ein deutliches Minus beschert. Gefragt waren die Bayer-Anteilsscheine, nachdem die Leverkusener überraschend gute Quartalsergebnisse präsentiert hatten. Der Dax verlor 2,0 Prozent auf 3.005 Zähler. Der TecDax gab 1,6 Prozent auf 406 Zähler ab.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, hat sich der Rückgang bei den industriellen Auftragseingängen im März weiter verstärkt. Die Bestellungen nahmen im Vormonatsvergleich um 3,9 Prozent ab. Im Vorjahresvergleich ergibt sich aber immer noch ein Plus von 2,1 Plus. Das kann die Börsianer aber nicht trösten. Die Daten hätten erneut gezeigt, dass die Lage düster ist, hieß es.

Auch vom Arbeitsmarkt kommen erwartungsgemäß schwache Zahlen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit sank zwar die Zahl der Arbeitslosen um 113.000 auf 4.495.000 gegenüber März. Saisonbereinigt war dies allerdings die höchste Arbeitslosigkeit im Monat April seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 10,8 Prozent.

Grund zum Feiern gibt es bei Bayer. Der Chemie- und Pharmakonzern hat im ersten Quartal 2003 bereinigt um Einmaleffekte das operative Ergebnis um fast 80 Prozent auf 833 Mio. Euro gesteigert. Grund waren nach Unternehmensangaben bessere Ergebnisse in den Sparten HealthCare und CropScience sowie die eingeleiteten Programme zur Effizienzsteigerung. Der Umsatz kletterte um 4,9 Prozent auf 7,356 Mrd. Euro. Die Bayer-Aktie schnellte mit einem Plus von 5,4 Prozent auf 17,40 Euro an die Spitze der Gewinner.

Die Commerzbank erfreut die Anleger mit einer überraschenden Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Nach den hohen Verlusten im vergangenen Jahr konnte der Konzern im ersten Quartal einen Gewinn von drei Mio. Euro ausweisen. Analysten hatten im Durchschnitt einen Verlust von 32 Mio. Euro vor Steuern erwartet. Im letzten Quartal 2002 hatte das Finanzinstitut einen Verlust von 243 Mio. Euro verbucht, im Gesamtjahr 2002 belief sich der Fehlbetrag auf 298 Mio. Euro. Nachdem die guten Zahlen am Vormittag noch mit Kurssprüngen gefeiert wurden, ging es am Nachmittag deutlich ins Minus und zwar um 3,0 Prozent auf 9,16 Euro.

VW muss für das erste Quartal einen dramatischen Ergebniseinbruch melden. Wie der Wolfsburger Konzern mitteilte, sank das operative Ergebnis um 46,5 Prozent auf 604 Mio. Euro. Als Grund nannte der Konzern die Modellanläufe, die zu höheren Anlaufkosten geführt hätten, sowie negative Wechselkurseffekte. Daher erlaube der Verlauf des ersten Quartals keine Hochrechnung für das Gesamtjahr, hieß es. Nach einem ersten Schreck zeigen sich die Anleger gefasst. Nachdem die Aktie kurzfristig gut fünf Prozent ins Minus stürzte, kann sie sich zeitweise wieder erholen. Am Nachmittag blieb ein Minus von 0,7 Prozent auf 32,12 Euro übrig.

Die TUI-Aktie muss weitere herbe Abschläge hinnehmen. Der Titel verbilligte sich um 4,9 Prozent auf 13,69 Euro. Der Reisekonzern erwartet zum zweiten Mal in Folge ein schwieriges Jahr. Der Gewinn im Kernfeld Tourismus werde 2003 unter dem Niveau des Krisenjahres 2002 liegen, hieß es auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns. Bei den Buchungen für die Sommersaison liege man bereits 15 Prozent unter dem ohnehin schwachen Vorjahr. Obwohl die Buchungen in den vergangenen zwei Wochen angezogen seien, rechne man zur Zeit nicht damit, dass der Rückstand in den kommenden Monaten aufgeholt werden könnte, erklärte TUI-Chef Michael Frenzel.

Die Deutsche Bank hat sich von ihrer kostspieligen Beteiligung am defizitären Kölner Gerling Konzern getrennt. Gleichzeitig erhöhte das Institut wie erwartet seinen Anteil am Kreditversicherer Gerling NCM. Die gesamte Minderheitsbeteiligung von 34,6 Prozent am Gerling Konzern werde abgegeben, und zwar 28,6 Prozent an Rolf Gerling und 6,0 Prozent an Joachim Theye, teilte die Bank mit. Für die Aufstockung des NCM-Anteils erhält der abgebende Gerling Konzern eine Barzahlung von 120 Mio. Euro. Die Deutsche Bank hatte ihren Anteil am Gerling Konzern im ersten Quartal ganz abgeschrieben und damit in den vergangenen Jahren insgesamt mehrere hundert Mio. Euro Verlust eingefahren. Doch auch der Ballast-Abwurf kann die Aktie nicht im Plus halten, sie verliert 2,6 Prozent auf 48,35 Euro.

Die Deutsche Post hat im ersten Quartal 2003 bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertroffen. Das Betriebsergebnis verbesserte sich von 906 Mio. Euro im Vorjahr auf 951 Mio. Euro, der Umsatz legte leicht von 9,7 Mrd. Euro auf 9,773 Mrd. Euro zu. Für das Gesamtjahr rechnet die Post trotz Portosenkung mit einem betrieblichen Ergebnis von mindestens 2,8 (Vorjahr 2,969) Mrd. Euro. Die Aktie verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 11,40 Euro

Weniger erfreuliches kommt von Fresenius Medical Care. Der Dialysespezialist hat im ersten Quartal 2003 vor Steuern und Zinsen einen leichten Gewinnrückgang von drei Prozent auf 169 Mio. Dollar verzeichnet. FMC verwies auf die Krisen in Lateinamerika und in der Nahost-Region. Der Umsatz stieg dagegen im Vorjahresvergleich um zehn Prozent auf 1,299 Mrd. Euro. Gleichzeitig nahm FMC die Prognosen für das Gesamtjahr leicht zurück. Nun wird statt eines zweistelligen nur noch ein hohes einstelliges Wachstum beim Jahresüberschuss erwartet. Die Aktie fiel um 6,8 Prozent auf 41,08 Euro.

Der starke Preisdruck in der Branche macht Epcos weiter zu schaffen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/2003 sank der Umsatz des Bauelemente-Spezialisten im Quartalsvergleich von 330 auf 323 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg leicht von drei auf zehn Millionen Euro. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Preisverfall und leicht sinkenden Umsätzen. Die TecDax-Aktie brach um 9,8 Prozent auf 13 Euro ein.

Nachbörslich legte die Deutsche Börse ihre Zahlen vor. Demnach hat das Derivatesegment Eurex dem führenden deutschen Börsenbetreiber zu einem erneuten Gewinnsprung verholfen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 126 Millionen Euro zu. Allein das Derivatesegment konnte seinen Gewinn um über 80 Prozent steigern. Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen. Die Aktie verlor zum Handelsschluss um 0,3 Prozent auf 43,15 Euro.

Quelle: ntv.de