Marktberichte

Volle Energie bei den Versorgern Dax zündet nicht

3day2739.jpg2083075981477358955.jpg

Die Kurse von Eon und RWE stehen schwer unter Strom.

(Foto: dpa)

Nach fünf Gewinntagen in Folge ist erst einmal Schluss. Jetzt heißt es, die Aussicht genießen. Die Wochenbilanz lautet unvermindert: 300 gewonnene Punkte. Die Anleger verlieren die Bestmarke aus dem Mai nicht aus dem Blick. Möglich machen das vor allem die Versorger.

Nach fünf Gewinntagen in Folge haben die deutschen Standardwerte keinen klaren Trend gefunden. Alle Versuche über 8500 Punkten durchzustarten, scheitern. Zwischendurch sorgten deutliche Aufschläge bei den Versorgern immerhin für minimale Aufschläge. Am Ende blieb davon aber nichts übrig.

Zuletzt notierte der Dax nahezu unverändert bei 8494 Zählern. Damit steht weiterhin die Frage im Raum, ob das Rekordhoch vom 22. Mai bei 8558 Zählern diese Woche noch geknackt werden kann. Als kleinen Akzent darf das Tageshoch bei 8516 Punkten gewertet werden.

Der tags zuvor bereits mit einer neuen Bestmarke aufgefallene MDax gab leichte 0,3 Prozent nach auf 14. 823 Punkte nach. Der TecDax notierte nahezu 0,4 Prozent höher bei 1062 Punkten. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 trat bei 2860 Punkten auf der Stelle.

In der vergangenen Handelswoche hatte vor allem die sich abzeichnende Entspannung im Syrien-Konflikt für gute Stimmung an den Märkten gesorgt. Die USA wollen gemeinsam mit Russland und China eine Resolution des UN-Sicherheitsrats erarbeiten, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zur Aufgabe seines Chemiewaffen-Arsenals zwingt.

 "Es sieht danach aus, dass der Plan Russlands, die Chemiewaffen Syriens unter internationale Kontrolle zu stellen, funktioniert", sagte Aktienhändler Lucas Roux de Luze vom Brokerhaus TJM Partners. Zwar seien viele Leute noch zurückhaltend, weil die Umsetzung des Vorschlags ja noch am Anfang stehe. Dennoch richteten einige Investoren wegen der nachlassenden Wahrscheinlichkeit eines US-Militärschlags gegen Syrien ihren Blick wieder auf andere Themen. Hierzu gehörte die US-Geldpolitik.

US-Geldpolitik bleibt der Dauerbrenner

Trotz einiger zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten werde die Fed mit der Drosselung ihrer Wertpapierkäufe im September oder Oktober beginnen, sagte Ned Rumpeltin, leitender Devisenstratege der Standard Chartered Bank. Allerdings werde die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel wohl nicht so stark anziehen wie bisher gedacht.

Bislang kauft die US-Notenbank zur Ankurbelung der Konjunktur monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf. Fed-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, den Geldhahn allmählich zuzudrehen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erholt. Der Fed-Offenmarktausschuss, der die US-Geldpolitik bestimmt, will am 17. und 18 September zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen.

Regierungskrise belastet italienische Anleihen

Am Rentenmarkt standen italienische Anleihen wegen der dortigen Regierungskrise erneut unter Verkaufsdruck. Die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Titel stiegen daraufhin auf bis zu 4,569 Prozent. Bei der Emission neuer Bonds musste das Land Investoren höhere Zinsen bieten. Einige von ihnen schichteten ihr Geld in als sicher geltende Bundesanleihen um. Der Bund-Future gewann 67 Ticks auf 137,78 Punkte.

Die Regierung des italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta hängt am seidenen Faden: Die Silvio-Berlusconi-Partei PDL will aus der Koalition aussteigen, sollte der ehemalige Ministerpräsident nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung aus dem Senat ausgeschlossen werden.

Versorger unter Strom

Bei den Einzeltiteln spielte die Musik am Donnerstag bei den Versorgern. Sie überwanden ihre Anfangsschwäche und gehörten am Nachmittag zu den Favoriten. "Der kräftige Rückschlag bei RWE am Morgen war unverständlich", sagte ein Händler. Ein Blick auf die Dividenden-Futures habe gezeigt, dass eine Dividendenkürzung bereits eingepreist gewesen sei. "Offenbar haben einige Anleger den Rücksetzer genutzt, um wieder einzusteigen."  Spekulationen auf drohende Dividendenkürzungen bei RWE hatten am Morgen Gewinnmitnahmen ausgelöst. Händlern zufolge stuften die Analysten der Citi RWE zudem herunter auf "Sell" von "Neutral". Seit Montag haben RWE 9,0, Eon 7,6 Prozent zugelegt. Zuletzt notierten die Titel 3,3 bzw. 2,2 Prozent höher.

Zu den Spitzenreitern im Dax zählten auch die Aktien von SAP mit einem Plus von 1,3 Prozent. Goldman Sachs hat hier das Kursziel auf 90 von 77 Euro erhöht.

Eine Hochstufung von TUI Travel auf "Übergewichten" durch JP Morgan ließ im MDax TUI-Aktien um 0,9 Prozent anziehen.

Im TecDax rückten Evotec um 6,5 Prozent vor und standen damit an der Spitze des Index. Die Biotechfirma hatte am Morgen eine strategische Partnerschaft mit dem Harvard Stem Cell Institute bekanntgegeben.

Siemens-Aktien rutschten derweil um 0,9 Prozent ab. Der frühere Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, will auch seinen Aufsichtsratsposten beim Technologiekonzern aufgeben. Ein Händler sah dies leicht negativ, da den Aktionären ein Fürsprecher im Aufsichtsrat verloren gehe.

Aufspaltungspläne von Vivendi

International standen außerdem die Telekom- und Medien-Brancheim Rampenlicht: In Paris trieben Spekulationen über eine mögliche Aufspaltung Vivendi in die Höhe. Die Aktien stiegen 2,9 Prozent. Der französische Medien- und Telekomkonzern will Anfang 2014 über eine mögliche Trennung in zwei eigenständige Unternehmen entscheiden. Aus Sicht von Vivendi würde dies einen deutlichen Mehrwert für die Aktionäre schaffen, weil Anleger so in zwei unterschiedliche Einheiten investieren und ihre Entscheidung besser an branchenspezifischen Faktoren ausrichten könnten.

An der Amsterdamer Börse lagen die Aktien von KPN 2,4 Prozent zu. Der niederländische Telekomkonzern verhandelt mit America Movil über dessen Angebot für eine vollständige Übernahme. Der mexikanische Konzern America Movil hat 7,2 Milliarden Euro für die KPN-Anteile geboten, die er noch nicht besitzt. Eine niederländische Stiftung sperrt sich bislang gegen das Vorhaben. "Der Telekom-Sektor ist zurzeit sehr interessant, da bewegt sich viel und wenn erst einmal ein großer Deal durch ist, folgen in der Regel weitere", sagte Lucas Roux de Luze von TJM Partners.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/dpa/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen