Wirtschaft
Ein Tag zum Stirnrunzeln liegt hinter den Brokern an der New Yorker Börse.
Ein Tag zum Stirnrunzeln liegt hinter den Brokern an der New Yorker Börse.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 09. November 2017

Ist das schon die Korrektur?: Dow und Dax rutschen spürbar ab

In der vergangenen Woche wachsen Dax und Dow Jones kraftvoll nach oben, diese Woche folgt auf anfängliches Herumgedümpel nun ein empfindlicher Absacker. Die Kurse fallen spürbar.

Zweifel am Zustandekommen der versprochenen Steuerreform haben die Stimmung an der Wall Street gedämpft. Bemühungen des US-Finanzministers, die Zweifel zu zerstreuen, liefen ins Leere. Von Panik wollten Marktbeobachter allerdings nicht sprechen, zumal die Kurse ihre Verluste im späten Handel halbierten.

Der Dow-Jones-Index fiel um 0,4 Prozent auf 23.462 Punkte. Für den S&P-500 ging es ebenfalls um 0,4 Prozent nach unten. Der Nasdaq-Composite verlor 0,6 Prozent. Umgesetzt wurden 881 (Mittwoch: 879) Millionen Aktien. Dabei wurden 1.113 Kursgewinner und 1.822 -verlierer gesehen. Unverändert schlossen 128 Titel.

Zum Höhepunkt der Quartalsberichtssaison haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt Kasse gemacht. Einige schwache Unternehmenszahlen und -ausblicke, der wieder anziehende Eurokurs sowie die nachgebende Wall Street setzten die wichtigsten Indizes am Donnerstag erheblich unter Druck. Der Dax fiel im späten Handel unter die Marke von 13.200 Punkten auf den tiefsten Stand im laufenden Monat und verlor letztlich 1,49 Prozent auf 13.182,56 Zähler.

Börsianer nannten Gewinnmitnahmen als Grund, nachdem der deutsche Leitindex seit Ende August um mehr als 12 Prozent zugelegt hatte und vor zwei Tagen noch auf ein Rekordhoch von 13.525 Punkten gestiegen war. Der MDax, in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, schloss 1,27 Prozent tiefer bei 26 590,53 Punkten. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 2,49 Prozent auf 2458,71 Zähler nach unten.

Skepsis gegenüber Tech-Höhenflug

Technologiewerte, bislang Überflieger in diesem Jahr, standen auf den Verkaufslisten der Wall-Street-Anleger ganz oben. Der entsprechende Subindex im S&P-500 ist in diesem Jahr um 37 Prozent gestiegen. Allmählich sorgten sich die Anleger aber, dass die Unternehmen der Branche ihr hohes Wachstumstempo nicht mehr lange durchhalten könnten, hieß es von Analysten.

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Der Verkaufsdruck am breiten Markt verstärkte sich, als die "Washington Post" berichtete, dass die Republikaner im US-Senat die Senkung der Unternehmenssteuer bis 2019 hinauszögern wollten und ihre Gesetzesvorlage unter anderem in diesem Punkt von der des Repräsentantenhauses abweiche. Der später vom Finanzausschuss des Senats veröffentlichte Gesetzesentwurf bestätigte dies.

Handelsabkommen mit China positiv

Positive Nachrichten gab es von der Asien-Reise von US-Präsident Donald Trump. Die USA und China haben Handelsvereinbarungen mit einem Gesamtumfang von 253,4 Milliarden Dollar verkündet. Die Abkommen erstrecken sich unter anderem auf die Branchen Energie, Luftfahrt und Elektronik. Auch Autobauer und Nahrungsmittelkonzerne profitieren von den Vereinbarungen. Beteiligt sind unter anderem die US-Unternehmen Caterpillar, General Electric und Qualcomm.

Im Zuge des Abverkaufs der Technologiewerte trennten sich Anleger vor allem von Chipherstellern. Auf dem Sektor lastete die Nachricht, dass Intel einen hochrangigen Manager und Grafikchip-Experten von Advanced Micro Devices (AMD) abgeworben hat, der künftig die Grafikchip-Sparte von Intel leiten soll. AMD verloren 5 Prozent und Nvidia 1,8 Prozent. Intel büßten 0,9 Prozent ein.

Dollar bleibt unter Druck - Goldpreis legt leicht zu

Der Dollar blieb gegenüber Euro und Yen unter Abgabedruck. Die andauernde Unsicherheit über die geplante US-Steuerreform laste weiter auf dem Greenback, hieß es. im späten US-Handel ging die Gemeinschaftswährung mit gut 1,1640 Dollar um und bewegte sich damit in der Nähe des Tageshochs. Die Analysten der UBS sehen den Euro Ende kommenden Jahres bei 1,25 Dollar. Europa stehe vor einem weiteren Jahr des Wachstums und sei dem US-Wachstum dicht auf den Fersen.

Die Ölpreise profitierten von den politischen Spannungen im Nahen Osten. Als bekannt wurde, dass Saudi-Arabien seine Bürger im Libanon dazu aufruft, das Land zu verlassen, zogen die Preise an. Ein Barrel der US-Sorte WTI legte um 0,6 Prozent auf 57,17 Dollar zu, Brent stieg um 0,7 Prozent auf 63,93 Dollar.

Die Aussicht auf eine Verschiebung der Unternehmenssteuerreform verschafften dem Anleihemarkt etwas Zulauf. Die Rendite zehnjähriger US-Titel sank um 1 Basispunkt auf 2,32 Prozent. Die Akteure zeigten sich erleichtert, dass die Steuern möglicherweise erst später gesenkt werden. Dann würde sich nämlich auch die befürchtete Ausweitung des US-Defizits zumindest verzögern. Ein größeres Defizit würde das US-Finanzministerium zur Aufnahme höherer Schulden und somit zu umfangreichen Anleiheemissionen zwingen. In diesem Fall würden die Kurse der Anleihen unter Druck geraten und die Renditen steigen.

Der schwächelnde Dollar und die Verluste an den Aktienmärkten, die politischen Entwicklungen in Saudi-Arabien und die Sorgen um die US-Steuerreform verschafften dem Goldpreis abermals Auftrieb. Der Preis für die Feinunze legte um 0,4 Prozent 1.286 Dollar zu und lag damit auf dem höchsten Stand seit drei Wochen.

Wie der Börsen-Tag in Europa lief, können Sie hier nachlesen.

Quelle: n-tv.de

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