Marktberichte

Größtes Wochenminus seit 2012 Nasdaq rutscht unter 4000

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Magere Aussichten: "Der Trend bei den Gewinnschätzungen ist für die USA sehr verhalten."

(Foto: REUTERS)

Die New Yorker Börsen beenden die Woche mit tiefroten Trendsignalen. Die Unsicherheit des Vortages bekommt neue Nahrung. Der Zwischenbericht von JP Morgan lässt Anleger zweifeln. Sind die Kurse noch gerechtfertigt?

Die Geschäftszahlen der US-Großbank JP Morgan hinterlassen an der Wall Street tiefe Furchen der Enttäuschung: Die Investmentbank eröffnete vor dem Wochenende die Reihe der Quartalsberichte in der US-Finanzbranche und blieb dabei hinter den Erwartungen zurück. Entsprechend düster schätzen Analysten nun die Perspektiven ein. Weltweit zogen sich Anleger zurück, um die Entwicklung in defensiveren Positionen abzuwettern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 16.026 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,95 Prozent auf 1815 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gab 1,3 Prozent auf 3999 Stellen nach und ging damit unterhalb der psychologisch bedeutsamen Marke von 4000 Punkten aus dem Handel.

Auf Wochensicht verloren der Dow 2,3 Prozent, der S&P-500 2,6 Prozent und die Nasdaq gar 3,1 Prozent an Wert. Für den S&P-500 und die Nasdaq war es der stärkste Rückgang innerhalb einer Woche seit Juni 2012. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax 1,5 Prozent leichter bei 9315 Punkten. Damit summierte sich das Minus der vergangenen Tage in der Mainmetropole auf 3,9 Prozent.

Am Vorabend hatte die Nasdaq den höchsten prozentualen Einbruch seit zweieinhalb Jahren verbucht. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax am Tag danach 1,5 Prozent leichter bei 9315 Punkten ins Wochenende. Damit summierte sich das Minus der vergangenen Tage in der Mainmetropole auf 3,9 Prozent. Das ist der größte Wochenverlust seit Juni 2013.

Börsianern zufolge kursieren Berfürchtungen, dass die Börsen - vor allem in den USA - überhitzt und die Kurse durch die Gewinnaussichten nicht mehr gedeckt seien. Einen Beleg für diese Thesen erkannten Beobachter in den Quartalszahlen von JP Morgan. Mit einem Ergebnis von 1,28 Dollar je Aktie verfehlte die Bank die Konsensprognose um volle 12 Cent. Das bestätigte die Skepsis zahlreicher Marktteilnehmer, die sich nun auch vom weiteren Verlauf der Berichtssaison nur noch wenig erhoffen.

JP Morgan blieb mit einem Nettogewinn von 5,3 Milliarden Dollar im ersten Quartal ein Fünftel unter dem Vorjahreszeitraum. Die Zahlen des US-Branchenprimus gelten als schlechtes Omen für die gesamte Branche. Die Aktien von Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley büßten zwischen 1,2 und 2,7 Prozent ein.

Dass die Bank Wells Fargo positiv überraschte - sie berichtete ebenfalls am Freitag -, geriet weitgehend in den Schatten. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,05 Dollar klar über dem Analystenkonsens von 0,97 Dollar. Dem Institut gelang ein unerwartet kräftiger Gewinnanstieg, was auf einen Rückgang fauler Kredite und allgemein gesunkener Kosten zurückgeführt wurde. "Der Markt ist nervös, die Volatilität ist hoch, jede schlechte Nachricht wird mit Verkäufen quittiert", erklärte ein Händler die schwachen Reaktionen. Die Aktien von Wells Fargo legten um magere 0,8 Prozent zu.

Abwärts ging es auch für die Papiere des Bekleidungsherstellers Gap, die 2,3 Prozent verloren. Das Unternehmen verbuchte im März flächenbereinigte Umsatzeinbußen von 6 Prozent. Analysten hatten lediglich einen Rückgang um 4,7 Prozent befürchtet. Die Ford-Aktie tendierte unverändert und damit deutlich besser als der Markt. Die Analysten der Deutschen Bank änderten ihre Empfehlung für den Titel auf "Buy".

Ein beeindruckendes Börsedebüt legte die Aktie von Zoe's Kitchen hin. Das Papier der Restaurantkette mit mediterraner Küche legte gegenüber dem Emissionsreis 65 Prozent zu.

Bei den bis vor Kurzem noch stark gefragten Biotechunternehmen und Technologiekonzernen machten Anleger erneut Kasse. Biogen-Papiere etwa verbilligten sich um 4,6 Prozent. Google-Aktien gaben 1,6 Prozent nach. Anteilscheine von Ebay büßten 1,1 Prozent ein. Die Aktien von Datawatch brachen um 29 Prozent ein. Der Quartalsumsatz des Software-Anbieters war hinter den Prognosen zurückgeblieben.

Der "Renditehunger" bleibt bestehen

In den nächsten Tagen werden noch Hunderte Unternehmen Zahlen vorlegen. Prognosen sind diesmal schwierig, weil unklar ist, wie stark der ungewöhnlich strenge Winter auf die Bilanzen durchgeschlagen hat. Viele Analysten waren zuletzt längst nicht mehr so optimistisch wie noch im Januar.

"Der Ausverkauf resultiert aus den wachsenden Bedenken zum künftigen Gewinnwachstum", erklärte Unicredit-Stratege Christian Stocker. "Die Bewertungen sind hoch im Vergleich zu den Jahren davor und der Trend bei den Gewinnschätzungen ist für die USA sehr verhalten und fast stagnierend in Europa." Klaus Wiener, Chefvolkswirt von Generali Investments Europe, bezeichnete die aktuellen Verluste aber als vorübergehend.

Schließlich gewinne die US-Konjunktur an Fahrt, betonte er. Gleichzeitig blieben die Zinsen beiderseits des Atlantiks auf absehbare Zeit nahe null Prozent. "Der Renditehunger der Anleger wird sicherstellen, dass bei jedem Rücksetzer, die Nachfrage nach Aktien steigt", betonte er.

Vorboten der Zinswende

Am Devisenmarkt zeigte sich der Euro weiter stark zum Dollar. Für kurze Zeit kletterte er sogar über 1,39 Dollar, schließlich notierte er bei 1,3882. Im Wochenverlauf hat der Euro zum Dollar um 2 Cent aufgewertet. Das ist das größte Wochenplus seit September vergangenen Jahres. Analysten der Commerzbank schrieben, die US-Banken investierten in Papiere außerhalb des Dollarraums, weil sich in den USA das Ende der Niedrigszinsphase abzeichne. Dies belaste den Greenback.

Die Notierungen der US-Anleihen legten weiter zu. Die Renditen befanden sich damit erneut auf dem Rückzug. Die Rendite zehnjähriger Titel fiel um 1 Basispunkt auf 2,62 Prozent. Die Rendite der 30-jährigen Papiere fiel sogar auf ein Neunmonats-Tief. Allerdings gaben die Notierungen mit den besser als erwartet ausgefallenen Erzeugerpreisen einen Teil ihrer Gewinne wieder ab.

Der Preis für Gold verteidigte das Niveau des Vortages. Für die Feinunze müssen wie bereits zum Settlement am Donnerstag 1318 Dollar bezahlt werden. Mit der weiter schwachen Entwicklung an den Aktienmärkten steige die Nachfrage für den "sicheren Hafen" Gold, erklärte ein Teilnehmer.

Der Ölpreis hatte trotz seines jüngsten Höhenflugs noch etwas Luft nach oben. Für ein Barrel der US-Sorte WTI wurden 103,74 Dollar gezahlt werden, ein kleines Plus von 0,3 Prozent. Die guten US-Konjunkturdaten stützten den Preis. Das Wochenplus summiert sich auf 3 Prozent.

Auf der Konjunkturagenda standen nur wenige, kaum hilfreiche Daten: Die Signale aus dem Inneren der US-Wirtschaft gingen weitgehend unter. Die Erzeugerpreise stiegen unerwartet stark an und dämpften so die Sorge vor einem Abrutschen in die Deflation. Auch der Index der Fed von Philadelphia (Philly-Fed-Index) zeigte sich von seiner freundlichen Seite.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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