Marktberichte

Inside Wall Street Preisanstieg im Biergarten

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Die US-Brauereien heben die Bierpreise an.

(Foto: REUTERS)

Ein Prosit der Gemütlichkeit! Im heißen amerikanischen Sommer sind die Biergärten seit Monaten gefüllt, und langsam beginnen auch hier die Oktoberfeste. Man stößt an, doch manchem dürfte der Spaß bei einem Blick auf die Rechnung vergehen. Die US-Brauereien heben die Bierpreise an – selbst die Billig-Plörre der Branchenriesen wird bald teurer.Heineken hat es schon vorgemacht: Die Brauerei, zu der neben der Hausmarke auch andere Exportschlager wie Amstel gehören, hat die Preise in den USA und dem Rest der Welt angehoben und ist deshalb auch profitabel. Ohne die Preisanhebungen hätte man es bei den jüngsten Umsatzeinbrüchen schwer gehabt, heißt es aus dem Unternehmen.

Bei Anheuser-Busch InBev sieht es ähnlich aus. Der Konzern, der im vergangenen Jahr aus der 52 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Budweiser-Brauers durch den belgischen Marktführer entstand, will die Preise quer durch die gesamte Produktpalette anheben, für billige Dosen ebenso wie für Premium-Produkte. Außer dem Nachfragerückgang, den man auf die Rezession und die höheren Belastungen für den Verbraucher schiebt, gleiche man damit auch die gestiegenen Rohstoffpreise aus.

Kleine Brauereien profitieren

So sehr sich Biertrinker über die Preisanstiege ärgern dürften, gibt es bei der Aktion auch Gewinner: die kleinen Brauereien. Deren Produkte, die von besserer Qualität sind, mehr Geschmack und einen höheren Alkoholanteil haben, litten bisher massiv unter den Billig-Angeboten der Branchenführer und konnten entsprechend im breiten Markt auch kaum greifen. Geschätzte 1400 amerikanische Klein-Brauereien haben zur Zeit einen Marktanteil von etwa 5 Prozent.

Die billigere Massen-Plörre ist wohlgemerkt nicht das einzige Problem für die kleinen Anbieter. Sie haben es auch schwer, in Supermärkten überhaupt Regalfläche und in Restaurants eigene Zapfhähne zu bekommen. Denn viele Läden werden von den Bierlieferanten beraten oder kontrolliert, die wiederum von den Großbrauern bezahlt werden. Sie organisieren Regal-Monopole und andere Schikanen, die kleine Anbieter benachteiligen.

Und: Sie betreiben Etikettenschwindel. So kamen im Rahmen eines Trends zu Klein-Brauereien etwa die Marken "Wild Hop" und "Stone Mill" auf den Markt, die von der Klein-Brauerei "Green Valley" stammen. Die ist jedoch nichts anderes als eine eilig gegründete Abteilung von Anheuser-Busch.

Dort reagiert man auf Nachfrage zynisch. "Wir gratulieren allen Brauereien – groß und klein – zu ihrem Erfolg, Bier zum beliebtesten Getränk in Amerika gemacht zu haben", heißt es in einer Pressemitteilung. Und die Konkurrenz bei MillerCoors gibt sich ähnlich gelassen. "Wie die heutigen kleinen Brauereien haben auch Frederick Miller und Adolph Coors vor 130 Jahren begonnen, Bier in kleinen Mengen zu brauen. Wir applaudieren den kleinen US-Brauereien, die in ihre Fußstapfen getreten sind", schreibt der Konzern – und verschweigt, dass die Herren Miller und Coors, genau wie die Kollegen Anheuser und Busch, einmal qualitativ hochwertiges Bier braute und die Konzerne erst in den letzten Jahrzehnten die Rezepte verwässerten und Profit über Genuss stellten.

Quelle: ntv.de

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