Marktberichte

Wo ist unten? Tief, tiefer, Dax

Am Mittwoch war es mal wieder die Irak-Krise, die den Dax belastete. Die bitterste Pille bekamen die Anleger aber von Bayer verabreicht. In den USA droht dem Pharma- und Chemiekonzern eine Aktionärsklage wegen eines möglichen Verstoßes gegen US-Börsenregeln. Der Kurs der Bayer-Aktie stürzte in den Keller.

Der Dax verlor 4,4 Prozent auf 2.203 Zähler, zwischenzeitlich lagen die Verluste sogar bei rund fünf Prozent und der Dax notierte unter der Marke von 2.200 Zählern.

Gegen Bayer ist im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay vor einem Bundesgericht im US-Bundesstaat New York eine Aktionärsklage eingereicht worden. In der Klage werde Bayer vorgeworfen, Vorschriften der US-Börsengesetzgebung verletzt zu haben. Dabei sollen Sachverhalte im Zusammenhang mit Lipobay nicht bekannt gemacht beziehungsweise falsch dargestellt worden sein.

Auch wenn noch nichts klar oder erwiesen ist: die Anleger traten die Flucht aus der Bayer-Aktie an. Das Papier verlor 8,8 Prozent auf 10,54 Euro und belastete damit auch den Gesamtmarkt deutlich. Dieser fiel im Sog der Bayer-Verluste sogar unter die Marke von 2.200 Zählern und markierte damit den tiefsten Stand seit November 1995.

Die EU-Kommission wird ihre Entscheidung über rechtliche Schritte gegen das Volkswagen-Gesetz nach Einschätzung aus EU-Kreisen vermutlich um ein weitere Woche verschieben. Statt wie geplant am 19. März werde die Entscheidung nun wahrscheinlich am 26. März fällen, hieß es. Das Gesetz sichert dem Land Niedersachsen eine starke Stellung beim Wolfsburger Konzern und gilt als Hürde für feindliche Übernahmen. Der zuständige Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein sieht darin eine Beeinträchtigung des freien Kapitalverkehrs in der EU. Die Aktie von Volkswagen verlor knapp fünf Prozent auf 28,69 Euro.

Die Deutsche Telekom will eine Russland-Beteiligung ihrer Tochterfirma T-Mobile reduzieren. Fünf Prozent der Anteile am Mobilfunkbetreiber OJSC Mobile TeleSystems (MTS) sollten in bestimmten Ländern plaziert werden, teilte die Telekom mit. Zudem hätten die Bonner dem anderen MTS-Hauptaktionär AFK Sistema JSFC eine Kaufoption für den Erwerb von rund zehn Prozent der Anteile an MTS gewährt. Wurde das oberste Ziel des Schuldenabbaus zunächst von den Telekom-Aktionären mit steigenden Kursen quittiert, kippte das Papier später mit dem Markt ins Minus. Die T-Aktie wies ein Minus von 4,1 Prozent aus auf 9,11 Euro.

Siemens schloss für seine Kommunikationssparten eine erneute Änderung der angepeilten Gewinnmargen nicht aus. Das hieß es seitens des Konzerns am Rande der Computermesse Cebit in Hannover. Das Papier gab 5,6 Prozent nach auf 32,30 Euro.

Bereits zuvor hatte der Computer-Hersteller Fujitsu Siemens Konzernangaben zufolge im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Steuern einen kräftigen Gewinneinbruch verbuchen müssen, allerdings noch knapp schwarze Zahlen geschrieben. Trotz der Nachfrageschwäche in der PC-Branche habe der Konzern nach vorläufigen Zahlen einen Vorsteuergewinn von vier Mio. Euro verbucht nach 29 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens der Konzerne Siemens und Fujitsu sei nur leicht auf 5,35 von zuvor 5,43 Mrd. Euro zurückgegangen.

Die Schweizer Bank UBS senkte ihr Kursziel für den Konsumgüterkonzern Henkel auf 60 von zuvor 75 Euro. Dieser ist gerade eine neue Beteiligung am Kosmetikkonzern Wella eingegangen. Die Anleger irritierte diese Meldung aber kaum, die Henkel-Aktie verlor vergleichsweise moderate 0,4 Prozent auf 51,86 Euro.

Quelle: ntv.de