Marktberichte

Dax schließt im Minus Wall Street ergrünt wieder

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Guter Wochenstart an der New Yorker Wall Street.

(Foto: AP)

Am Tag des Uniper-Debüts stemmen sich Anleger am deutschen Aktienmarkt gegen den Abwärtssog. In widrigem Umfeld gelingt der Kraftwerkssparte von Eon ein solider Sprung an die Börse. In New York dagegen gibt es ein kräftiges Plus.

Sattes Plus an der Wall Street zu Wochenbeginn: Nach anfänglichen Verlusten sind die US-Börsen ins Plus gedreht und haben ihre Gewinne zum Handelsende weiter ausgebaut. Damit machten sie einen Teil ihrer deutlichen Abschläge vom Freitag wett. Die New Yorker Aktienmärkte reagierten auf Äußerungen von Fed-Gouverneurin Lael Brainard. Diese warnte vor einem zu frühen Ende der lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 1,3 Prozent und schloss bei 18.325 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 1,5 Prozent auf 2159 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 5212 Stellen.

Im frühen Handel hatte noch die Furcht vor einem baldigen Ende des billigen Geldes die US-Anleger in die Flucht geschlagen. Zum Wochenschluss war es mit den US-Börsen im Schnitt um über zwei Prozent nach unten gegangen. Überwiegend wird an den Terminmärkten erst für Dezember mit einer Zinserhöhung in der weltgrößten Volkswirtschaft gerechnet.

Bei den Einzelwerten richtete sich das Augenmerk auf die in den USA gelisteten Aktien des kanadischen Düngemittelkonzerns Potash. Er will mit dem Konkurrenten Agrium fusionieren, um einen Großkonzern mit einem Börsenwert von rund 36 Milliarden Dollar zu schmieden. Potash-Aktien verloren 1,2 Prozent an Wert. Agrium-Papiere sackten um 2,7 Prozent ab.

Praxair-Anteilsscheine verteuerten sich um 0,9 Prozent, nachdem der deutsche Gasekonzern Linde die Gespräche über eine Fusion abgebrochen hatte. Der Einstieg des aktivistischen Investors Starboard Value kam bei den Aktionären des Pharmakonzerns Perrigo gut an. Die Titel legten um 7,4 Prozent zu.

Deutschland: Dax startet rot in die Woche

Dax
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Schwacher Start in die neue Handelswoche: Nach tiefroten Vorgaben aus Asien sehen sich Händler in Frankfurt mit einem abgeschwächten Abwärtstrend konfrontiert. Im deutschen Aktienmarkt begann sich die Stimmung erst am Nachmittag leicht aufzuhellen.

Der deutsche Leitindex Dax ging nach streckenweise deutlicheren Verlusten mit einem vergleichsweise milden Abschlag von 1,34 Prozent bei 10.431 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief aus dem frühen Verlauf lag bei 10.299,38 Zählern, das Tageshoch bei 10.431,90 Punkten. Vor dem Wochenende hatte der Dax unter dem Druck schwacher US-Börsen bereits 1 Prozent tiefer bei 10.573,44 Punkten geschlossen.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax beendete den Montagshandel 0,71 Prozent im Minus bei 21.164 Zählern. Der Technologiewerte-Index TecDax schloss 0,67 Prozent im Minus bei 1736 Punkten. Der Eurostoxx50 ging mit einem Abschlag von 1,4 Prozent in den Feierabend.

Die Sorge vor bald steigenden Zinsen in den USA habe den Anlegern am deutschen Aktienmarkt den Wochenstart verdorben, hieß es aus dem Handel. Dank der Stabilisierung an der Wall Street habe der Dax seine Verluste aber am Nachmittag immerhin eindämmen können, sagten Händler. Insgesamt habe die Nervosität unter den Anlegern jedoch weiter zugenommen. Äußerungen ranghoher US-Zentralbanker hatten zuletzt eine Zinsanhebung im September wieder etwas wahrscheinlicher erscheinen lassen.

Uniper wagt Börsengang

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgte unter anderem die Erstnotiz der Eon-Kraftwerkstochter Uniper. Den ersten Kurs erblickten Händler erwartungsgemäß am frühen Morgen: Die Uniper-Aktie startete gegen 9.30 Uhr unerwartet solide bei 10,01 Euro in den Handel. Am Abend beendete die Uniper-Aktie ihren Debüttag mit einem deutlichen Aufschlag bei 10,30 Euro.

"Mit der Börsennotierung ist Uniper jetzt ein eigenständiges Unternehmen", erklärte Uniper-Chef Klaus Schäfer zum Handelsstart. "Als internationales Energieunternehmen ist unser Geschäft die Versorgungssicherheit." Uniper sei "Rückgrat und Partner der Energiewende", betonte Schäfer.

Uniper
Uniper 28,04

Die Eon-Aktionäre erhalten für 10 alte Eon-Aktien zehn neue plus eine Uniper-Aktie. Ein Kuriosum am Rande: An diesem Montag zählte Uniper pro forma für einen Tag als 31. Unternehmen zum Dax. In der Schlussauktion dürften sich dann Indexfonds, die den Dax abbilden, von ihren Uniper-Aktien verabschieden. Der Uniper-Kurs könnte daher gegen Handelsschluss unter Druck geraten, hieß es aus dem Handel.

Eon will sich mit der Abspaltung seines konventionellen Energiegeschäfts fit machen für die Energiewende. Eon-Papiere notierten als nominell schwächster Dax-Titel 14,8 Prozent im Minus bei 6,95 Euro.

Ebenfalls deutlich unter Druck standen zu Wochenbeginn die Aktien von Linde. Der Industriegasriese brach die Sondierungsgespräche mit Praxair ab. Die geplante Megafusion ist damit vom Tisch. Der Zusammenschluss beider Unternehmen sei in den Gesprächen zwar als sinnvoll bestätigt worden, in "Detailfragen" habe jedoch "keine übereinstimmende Auffassung" erzielt werden können, teilte Linde mit.

Der Aktienkurs von Linde brach daraufhin ein und notierten zuletzt knapp 7 Prozent im Minus bei 138,45 Euro. Nach Bekanntgabe der Fusionsgespräche mit Praxair vor gut einem Monat hatte der Börsenkurs zeitweise kräftig zugelegt. Zusammen hätten die beiden Unternehmen die derzeitige Nummer eins auf dem Markt der Industriegase, das französische Unternehmen Air Liquide, verdrängen können.

Eon
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Air Liquide hatte erst Ende Mai das US-Unternehmen Airgas übernommen und damit Linde entthront. Bei der Praxair-Aktie verzeichnen US-Händler an der Wall Street einen vergleichsweise harmlosen Abschlag von 0,1 Prozent.

Erfolgreich scheint dagegen eine Fusion im Kali-Sektor. Am Mittag teilten Potash und Agrium überraschend ihre geplante Fusion mit. K+S erholten sich daraufhin im MDax deutlich vom Tagestief und notieren am späten Nachmittag nur noch 1,9 Prozent im Minus.

Gegen den Trend sprangen RIB Software im TecDax mit um 11,5 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat ein Joint Venture mit einem Auftragsfertiger geschlossen. Als Folge hat es die Prognose für den Vorsteuergewinn um etwa 30 Prozent erhöht. Der Softwareanbieter für Enterprise-Resource-Planning erwartet 2016 nun ein Ebitda von 27 bis 32 Millionen Euro. Vorher hatte der TecDax-Konzern noch 20 bis 25 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Umsatzprognose blieb unverändert.

Devisen: Euro peilt die Lage

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,21

Der Kurs des Euro gab zu Wochenbeginn leicht nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1226 (Freitag: 1,1268) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8908 (0,8875) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84475 (0,84558) britische Pfund, 114,38 (115,85) japanische Yen und 1,0935 (1,0969) Schweizer Franken fest.

Am späten Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1230 US-Dollar und damit etwas tiefer als am Freitagabend. Die EZB hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1268 Dollar festgelegt.

Im Handelsverlauf standen für Montag keine wichtigen Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren könnten. Nach wie vor bleibt die Geldpolitik in den USA das alles beherrschende Thema am Devisenmarkt, heißt es. Nach jüngsten Aussagen amerikanischer Währungshüter wird die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung in den USA am Markt wieder höher eingeschätzt.

Rohstoffe: Mehr Bohrlöcher

Die Ölpreise beendeten am Abend die Talfahrt und gingen in den positiven Bereich. Zuvor wurde der Glaube, dass dem Erdölkartell mit oder ohne nicht organisierten Ölförderstaaten eine nachhaltige Deckelung der Erdölproduktion gelingen könnte, im Handel immer stärker angezweifelt.

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.835,24

Als Beleg dienen unter anderem Förderdaten aus dem Irak, die höher liegen als jene, die die Opec für August für den Irak genannt hat. Zudem rechnen Marktakteure mit einem deutlichen Lageraufbau in den USA in der laufenden Woche. Denn der drastische Lagerabbau sei ein singulärer Effekt wegen eines Wirbelsturms im Golf von Mexiko und dem damit verbundenen Förderausfall gewesen, heißt es.

"Ohne diesen Effekt wären die Ölvorräte trotz der saisonal hohen Nachfrage von den Raffinerien gestiegen", sagen die Analysten von Morgan Stanley. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich zu Handelsschluss um 0,4 Prozent auf 46,07 US-Dollar, Brent ist für 0,3 Prozent mehr für 48,17 Dollar je Fass zu haben.

Nach Angaben des US-Ölausrüsters Baker Hughes ist die Zahl der Bohrlöcher in den USA zuletzt um sieben auf 414 gestiegen. Dies deutet auf ein höheres Angebot an Rohöl hin und belastet die Preise. Hinzu kommt, dass die Lagerbestände an Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt im langfristigen Vergleich weiterhin hoch sind.

Die anhaltenden Zinserhöhungsfantasien drückten den Preis für Gold um 0,1 Prozent  auf 1327 Dollar. Auch die US-Renten bleiben daher unter Druck, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steigt um einen weiteren Basispunkt auf nun 1,68 Prozent.

Asien: Im Sog der Wall Street

Nikkei
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Spekulationen über eine baldige Zinsanhebung in den USA und Sorgen um die Sicherheit nach Nordkoreas Atomtest haben zum Wochenauftakt die Aktienmärkte in Fernost belastet. Aufgeschreckt reagierten die Anleger zudem auf die Gesundheitsprobleme von  US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 1,7 Prozent schwächer auf 16.772 Punkten. Das war der größte Tagesverlust seit Anfang August. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans gab um 2,6 Prozent nach. In Shanghai ging es im Leitindex um 1,9 Prozent nach unten auf 3022 Punkte. Die Börse in Hongkong verlor 2,8 Prozent, der Aktienmarkt in Südkorea gut zwei Prozent.

Nordkorea sorgte an den Märkten mit seinem fünften Atomtest für Unruhe. Das isolierte Land trotzte damit internationalen Sanktionen und hat südkoreanischen Medienberichten zufolge bereits die Vorbereitungen für einen weiteren Nuklearversuch abgeschlossen.

Auf dem südkoreanischen Aktienmarkt stand unterdessen Samsung im Mittelpunkt des Interesses. Die Probleme mit dem neuen Smartphone Galaxy Note 7 ließen die Papiere des Apple-Rivalen fast sieben Prozent in die Tiefe rauschen. Wegen Brandgefahr fehlerhafter Akkus warnte der Konzern davor, das erst vor wenigen Wochen auf den Markt gekommene Vorzeigemodell zu benutzen.

Die US-Notenbank Federal Reserve machte im Vorfeld ihrer nächsten Sitzung auch die asiatischen Anleger nervös. Innerhalb der Fed wurde zuletzt verstärkt vor einer zu zögerlichen Zinspolitik gewarnt. Höhere Zinsen sind aber tendenziell schlecht für die Aktienmärkte, weil dadurch andere Investitionen wie etwa in Anleihen attraktiver werden.

Quelle: ntv.de, mmo/mbo/AFP/DJ/dpa/rts