Marktberichte

"Spider Man" mit Biss Wall Street ohne Pep

"Spider Man" hat sich in die Herzen der amerikanischen Kinogänger gebissen - nach nur drei Tagen hat die Comicverfilmung einen neuen Einnahmerekord aufgestellt. Der Wall Street dagegen fehlt der nötige Biss. Und "Spider Man" konnte auch nicht helfen. Im Gegenteil: Die Märkte brachen im späten Handel regelrecht ein. Der Dow Jones verlor 2,0 Prozent auf 9.808 Zähler, die Nasdaq gab nach anfänglichen Gewinnen um 2,1 Prozent auf 1.578 Punkte ab.

Die Verleihfirma von "Spider Man", Columbia Pictures - eine Tochter von Sony -, darf sich schon drei Tage, nachdem der Film in Nordamerika angelaufen ist, über Einnahmen von 114 Millionen Dollar freuen. Die Anleger an der Wall Street dagegen ziehen ernüchtert Bilanz, nachdem der größte Teil der US-Unternehmen seine Berichte zum ersten Quartal vorgelegt hat. Zwar lagen die Zahlen überwiegend im Rahmen der Erwartungen. Allerdings waren sie zuvor teilweise auch arg nach unten revidiert worden. Weitere Berichte werden in der neuen Woche erwartet. Neben dem Lebensversicherer MetLife und dem Hersteller von Ölförderausrüstungen Halliburton, werden vor allem die Zahlen des Netzwerkausrüster Cisco Systems am Dienstag mit Spannung erwartet. Vielleicht können ja die Berichte und Aussichten dieser Schlüssel-Unternehmen die Stimmung der Anleger verbessern.

Als 'totale Spaßbremse' fungierten nämlich bislang die Prognosen der Unternehmen. "Insgesamt sehr zurückhaltend bis leicht optimistisch", fasst hier ein Marktbeobachter zusammen, welche Erwartungen die Unternehmen für die Entwicklung ihrer Geschäfte in den kommenden Monaten haben. Die Hoffnungen der Investoren auf eine rasche Besserung der wirtschaftlichen Lage hätten hierdurch einen argen Dämpfer bekommen, zusätzlich gedrückt durch die jüngsten Arbeitsmarktdaten vom Freitag, sagte er weiter. Das US-Arbeitsministerium hatte am Freitag für den Monat April eine Arbeitslosenquote von sechs Prozent gemeldet - der höchste Stand seit nahezu acht Jahren.

Die Kurse in New York dagegen fallen. Während sich der Dow Jones noch vergleichsweise gut halten kann, hat der technologielastige Nasdaq Composite inzwischen den tiefsten Stand seit August 1997 erreicht. Und ein Ende ist Experten zufolge noch nicht in Sicht. Für zusätzliche Abwärtsdynamik könnte der schwächelnde Dollar sorgen. Er könnte Anleger zunehmend dazu veranlassen, zur Vermeidung von Währungsrisiken ihre Engagements in den USA zu verringern bzw. ganz aufzugeben. Das wiederum würde den Dollar zusätzlich schwächen.

Die Entscheidung des Irak, seine Ölförderung wieder aufzunehmen, sorgte für einen fallenden Rohölpreis. Und das setzte weltweit auch die großen Ölkonzerne unter Druck. Exxon Mobil verlor 3,3 Prozent auf 39,25 Dollar, für ChevronTexaco ging es 2,8 Prozent auf 87,00 Dollar nach unten.

Mit einem kräftigen Kursaufschlag begrüßten die Investoren einen Debütanten, der eigentlich gar keiner ist. Der Computerkonzern Hewlett Packard absolvierte den ersten Handelstag nach seiner Fusion mit Compaq mit Bravour. Die Aktie legte 4,5 Prozent zu auf 18,22 Dollar.

Quelle: ntv.de