Marktberichte

Nach Powell-Rede Wall Street uneins

Die Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat war das beherrschende Thema an der Wall Street. Nach Beginn der mit Spannung erwarteten Rede konnten sich die US-Börsen zunächst weiter in die Pluszone vorschieben. Im weiteren Handelsverlauf schmolzen die Pluszeichen allerdings wieder dahin. Der Dow Jones verlor 0,4 Prozent auf 7.985 Zähler, die technologielastige Nasdaq gab 0,4 Prozent auf 1.301 Punkte nach.

Powell legte dem UNO-Sicherheitsrat am Nachmittag Beweise vor, dass der Irak entgegen aller Dementis weiter nach Massenvernichtungswaffen strebt. Händler bezeichneten die von Powell vorgelegten Belege gegen den Irak zunächst als dünn. Die Anleger spekulieren nun darauf, dass die Veto-Mächte sagen, dass diese Beweise nicht für einen Krieg reichen. Dennoch sei die Kriegsgefahr nach wie vor sehr groß, hieß es weiter.

Positive Nachrichten kamen von Konjunkturseite. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex für das US-Dienstleistungsgewerbe ist im Januar überraschend gestiegen. Er kletterte von 54,2 Punkten im Vormonat auf 54,5 Punkte, teilte das Institute for Supply Management (ISM) mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang unter die Marke von 54 Punkte gerechnet. Ein Wert über 50 Punkte deutet auf eine Expansion der wirtschaftlichen Aktivität hin, während ein Wert unter 50 Punkten auf einen Rückgang hinweist.

Einen Tag nachdem Cisco Systems die Bücher geöffnet hat, stand die Aktie weiter im Blickpunkt. Der weltweit größte Hersteller von Netzwerksystemen hat den Gewinn im abgelaufenen zweiten Quartal auf 14 Cent je Aktie gesteigert. Allerdings ging der Umsatz dabei leicht von 4,8 Mrd. Dollar auf 4,7 Mrd. Dollar zurück. Doch weder der Umsatzrückgang noch der verhaltene Ausblick kann die Anleger stoppen: Die Aktie ging bei 13,20 Dollar unverändert aus dem Handel.

Die Aktien des Mobilfunkanbieters Sprint PSC zogen hingegen an. Der Titel kletterten um 8,4 Prozent auf 4 Dollar. Der Konzern hat den Verlust im abgelaufenen Jahr etwas eingedämmt. Das Minus lag den Angaben zufolge bei 25 Cents je Aktie nach 32 Cents je Aktie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte hingegen zu. Dies liegt vor allem an der gestiegenen Kundenanzahl. Im vergangenen Quartal konnte das Unternehmen 250.000 Neukunden gewinnen. Dies war deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) hat den Gewinn im vierten Quartal gesteigert, was vor allem auf einmalige Erlöse und den James Bond-Film "Die Another Day" zurückzuführen ist, der in den USA 160 Mio. Dollar und weltweit 375 Mio. Dollar eingespielt hat. Der Nettogewinn von MGM betrug demnach 24 Cents pro Aktie im Vergleich zu 6 Cents pro Aktie im Vorjahr. Analysten hatten einen Gewinn von 8 Cents pro Aktie erwartet. Die MGM-Aktie gab dennoch 1,8 Prozent auf 9,85 Dollar nach.

Der Pharmakonzern Merck & Co. will zwei klinische Vergleichsstudien durchführen, um sein Medikament Fosamax mit dem Konkurrenzpräparat Actonel der Procter & Gamble zu vergleichen. Beide Arzneimittel dienen zur Behandlung von Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren und kämpfen hart um Marktanteile. Die Aktien von Merck verloren nach freundlichem Start 0,2 Prozent auf 54,72 Dollar, Procter & Gamble gab 0,7 Prozent auf 85,30 Dollar nach.

Der Elektronik-Einzelhändler Circuit City Stores hat weitere Stellenstreichungen bekannt gegeben. Wie der Konzern mitteilte, sollen rund 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Unternehmen erwartet zudem, im vierten Quartal einen Gewinn von 21-26 Cents je Aktie zu erzielen. Exklusive Sonderaufwendungen soll der Gewinn bei 35-40 Cents je Aktie liegen. Analysten erwarten einen Gewinn von 47 Cents je Aktie. Die Aktie gab 11,1 Prozent auf 5,86 Dollar nach.

Tommy Hilfiger hat im dritten Quartal einen Nettoverlust erwirtschaftet, was auf höhere allgemeine und Verwaltungskosten sowie Sonderbelastungen zurückzuführen ist. Der Nettoverlust des Bekleidungsherstellers belief sich auf 24 Cents pro Aktie nach 41 Cents pro Aktie im Vorjahr. Vor Sonderbelastungen entstand jedoch ein Gewinn 38 Cents pro Aktie, dieser lag leicht über den Analystenprognosen. Die Aktie gewann 2,4 Prozent auf 6,72 Dollar.

Die Aktien von El Paso, der größten amerikanischen Pipeline-Gesellschaft, verloren deutlich an Wert. Das Unternehmen hatte zuvor diverse Maßnahmen angekündigt, mit welchen es Kosten sparen und Barreserven ausbauen möchte. Teil des Plans ist es, Beteiligungen im Wert von 2,9 Dollar, die nicht in den Kernbereich des Unternehmens fallen, zu verkaufen. Des Weiteren ist eine Kürzung der Dividende auf 16 Cents je Aktie geplant. Die Aktie brach um knapp 23 Prozent auf 6,20 Dollar ein.

Der britische Mobilfunkriese Vodafone zieht auch an der Wall Street das Interesse auf sich. Medienberichten zufolge will Vodafone seine japanische Festnetztochter Japan Telecom an die US-Investoren Ripplewood Holdings verkaufen. Die Transaktion soll einen Wert in der Größenordnung von 300 Mrd. Yen (2,3 Mrd. Euro) haben. Damit wäre das eine der größten Investitionen einer ausländischen Investmentgesellschaft in Japan. Die Vodafone-Aktie gewann in New York 1,5 Prozent auf 18,63 Dollar.

Quelle: ntv.de