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Deutsches Wachstum 2005 Am Ende etwas schwächer

Boomende Exporte und anziehende Investitionen haben der deutschen Wirtschaft 2005 zu einem leichten Wachstum verholfen. Für dieses Jahr erwarten Experten einen stärkeren Aufschwung, der sich auch auf die Binnenwirtschaft stützt.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vorigen Jahr um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis erster Berechnungen mitteilte. Wachstumsmotor war erneut der Außenhandel, der allein 0,7 Prozentpunkte zum Wachstum beitrug, während die Binnenwirtschaft schwach blieb. "Ein breit angelegtes und sich selbst tragendes Wirtschaftswachstum ließ sich weiterhin nicht beobachten", sagte der Präsident des Amtes, Johann Hahlen, bei der Vorlage der Zahlen in Frankfurt.

Für 2006 sehen Volkswirte allerdings eine breiter angelegte Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung: "2005 war noch das Jahr des Außenhandels, aber 2006 werden sich die Kräfte stärker auf die Binnennachfrage konzentrieren", kommentierte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Wir sind gut ins Jahr 2006 gestartet -mit guten Auftragseingängen und einer signifikanten Stimmungsverbesserung in Industrie und Dienstleistung. 2006 wird ein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft."

Export stark – privater Konsum schwach


"Der dynamische Außenhandel hat das Wirtschaftswachstum eigentlich allein getragen", sagte Hahlen. Die Exporte stiegen den Angaben zufolge um 6,2 Prozent, die Importe legten um 5,0 Prozent zu. "Alles in allem kann man festhalten für 2005, dass das Wachstum vom Außenhandel geprägt wurde, vor allem wegen der guten Entwicklung der Weltkonjunktur und der Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie", sagte Kastens. Mathias Rubisch von der Commerzbank verwies dabei auf die Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft: "Wenn die Weltwirtschaft nicht so stark wäre, hätten wir in Deutschland gar keinen Aufschwung."

Während die Exporte gut liefen, legte die Binnennachfrage nur um 0,2 Prozent zu. Die Ausgaben der deutschen Verbraucher blieben im vergangenen Jahr unverändert. Das Arbeitnehmerentgelt sank 2005 um 0,5 Prozent im Vergleich zu 2004 und blieb damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter dem Niveau des Vorjahres. Die Unternehmens-und Vermögenseinkommen hingegen hätten sich um 6,1 Prozent erhöht, sagte Hahlen. Er betonte, dass von 1992 bis 2000 die privaten Konsumausgaben in allen Jahren stärker zugenommen hätten als das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte. "Seit dem Jahr 2001 hat sich dieses Verhältnis umgekehrt." Seitdem bremse die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte das Wirtschaftswachstum.

Als Lichtblick bezeichneten Fachleute vor allem den Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 4,0 Prozent. Die staatliche Defizitquote lag bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und damit das vierte Jahr in Folge über der europäischen Defizit-Grenze von drei Prozent.

Zum Jahresende 2005 hat die Wirtschaft nach Hahlens Worten etwas an Schwung verloren: Im Herbst habe das BIP zum Vorquartal wohl stagniert. Für das laufende Jahr rechnen Experten überwiegend mit einem beschleunigten Wachstum. Die meisten Volkswirte und Institute haben zuletzt ihre Erwartungen für das Wachstum 2006 erhöht und halten teilweise bis zu zwei Prozent für möglich.




Quelle: ntv.de