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Stahlriese will wachsen Arcelor greift nach Dofasco

Der weltweit zweitgrößte Stahlproduzent Arcelor will für rund 3,2 Mrd. Euro die kanadische Dofasco übernehmen und damit seine Position als Zulieferer für die nordamerikanische Autoindustrie ausbauen.

Wie das in Luxemburg ansässige Unternehmen am Mittwoch mitteilte, richtet sich das Bar-Angebot direkt an die Aktionäre des größten kanadischen Stahlkonzerns. Mit der Unternehmensführung waren zuvor Übernahme-Gespräche gescheitert. Dofasco-Chairman Brian MacNeill forderte die Anteilseigner auf, das Angebot zunächst nicht anzunehmen und eine Empfehlung des Direktoriums abzuwarten. Zur Prüfung der Offerte sei eigens ein Ausschuss eingesetzt worden.

Der Dofasco-Kauf wäre die bislang größte Investition des europäischen Stahlkonzerns in Nordamerika, wie Arcelor-Chef Guy Dolle betonte. "Dofascos führende Position auf dem nordamerikanischen Automarkt passt hervorragend in Arcelors Strategie, den Stand auf diesem wichtigen Markt zu festigen", sagte Dolle. Den Abschluss der Transaktion erwartet Arcelor für die erste Februarhälfte. Finanzchef Michel Wurth sagte bei einer Analystenkonferenz, sein Unternehmen werde zur Finanzierung auf Barbestände und Kreditlinien zurückgreifen. Arcelor ist der führende Stahl-Lieferant für die europäische Autobranche.

Konkret will Arcelor 56 kanadische Dollar je Dofasco-Stammaktie zahlen. Dies entspricht einem Aufschlag von 27,3 Prozent auf den Vortages-Schlusskurs des kanadischen Unternehmens. Das Arcelor-Angebot bewertet Dofasco mit rund 4,4 Mrd. kanadischen Dollar. Dofasco-Aktien schnellten im frühen Handel um mehr als 30 Prozent auf 58,40 kanadische Dollar hoch. An der Börse in Paris büßten Arcelor-Papiere dagegen 2,4 Prozent auf 19,94 Euro ein.

Analyst Alain William von ING bezeichnete den angestrebten Kaufpreis als ziemlich hoch, sprach aber von einem sinnvollen strategischen Schritt des europäischen Unternehmens. Nachdem Arcelor zuletzt bei den Übernahmeversuchen eines ukrainischen Stahlwerks und eines türkischen Unternehmens gescheitert war, sei der Konzern nun offenkundig bereit, eine hohe Prämie zu zahlen, hieß es in einem Marktkommentar von Delta Lloyd Securities. In der Ukraine war Arcelor vom weltweiten Branchenprimus Mittal Steel überboten worden. Mittal Steel will zudem die US-Gruppe International Steel übernehmen.

Die weltweite Stahlbranche ist stark zersplittert. Arcelor und Mittal bringen es zusammen gerade einmal auf einen Marktanteil von gut zehn Prozent. Erst kürzlich hatte Arcelor angekündigt, seine Expansion mit milliardenschweren Zukäufen vor allem außerhalb Europas fortsetzen zu wollen. "Wir haben ein Akquisitionspotenzial zwischen drei und fünf Milliarden Euro", erklärte Finanzchef Wurth vor einiger Zeit. Im vergangenen Jahr erzielte Arcelor mehr als drei Viertel seines Umsatzes in der Europäischen Union und nicht einmal acht Prozent in Nordamerika. Das Unternehmen entstand vor drei Jahren aus dem Zusammenschluss der französischen Usinor, der spanischen Aceralia und der luxemburgischen Arbed. 2004 produzierte Arcelor 47 Mio. Tonnen Stahl. Dofasco erzeugte rund 5,5 Mio. Tonnen.

Quelle: ntv.de