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ProSiebenSat.1 unterm Hammer Bieterfrist läuft ab

Der Milliarden-Poker um Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 steht vor der Entscheidung. Am Dienstag (12. Dezember) endet für die drei interessierten Bietergruppen die Angebotsfrist. Bis Punkt 12.00 Uhr müssen sie ihre Offerten bei einer Londoner Investmentbank abgeben. Alles deutet darauf hin, dass noch in diesem Jahr der Hammer fällt und die Sendergruppe einen neuen Mehrheitseigentümer bekommt.

Dabei ist auch die türkische Mediengruppe Dogan noch im Rennen, bei deren Fernsehtochter der Springer-Konzern mit 25 Prozent eingestiegen ist. "Dogan ist absolut ernsthaft dabei", hieß es am Montag in Branchenkreisen. Die Beschäftigten von ProSiebenSat.1 sehen den bevorstehenden Besitzerwechsel gelassen. Sie haben in den vergangenen Jahren schon zu viele Wendungen erlebt.

Der US-Milliardär Haim Saban und eine Gruppe von Finanzinvestoren wollen ihre Mehrheitsbeteiligung laut Branchenkreisen komplett abgeben. Damit winkt ihnen ein satter Gewinn. "Wir erwarten Preise von mehr als 30 Euro pro Aktie", heißt es im Umfeld Sabans. Beim Einstieg vor gut drei Jahren hatten sie etwa 7,50 Euro bezahlt. Auch, wenn danach noch Geld in das Unternehmen gesteckt wurde, habe Saban und seine Investoren ihren Einsatz vervielfacht. Unter ihrer Führung baute ProSiebenSat.1 den Gewinn deutlich aus, ohne Marktanteile zu verlieren.

Mit dem Kauf von ProSiebenSat.1 können sich die Bewerber auf einen Schlag ein großes Stück des deutschen Medienmarkts sichern. Daran interessiert sind drei Gruppen. "Den Mitarbeitern wäre es am liebsten, wenn Permira sich durchsetzen würde", heißt es in Belegschaftskreisen. Die Beteiligungsgesellschaft bietet gemeinsam mit KKR. Den beiden Partnern gehört schon der TV-Konzern SBS. Aus SBS und ProSiebenSat.1 könnten sie einen großen europäischen Player mit Sitz in München schmieden.

Doch auch mit den anderen Bietern könnten die Mitarbeiter leben. Da ist zum einen der türkische TV-Konzern Dogan. Die Türken könnten das Milliardenprojekt finanzieren, hieß es in Verhandlungskreisen. Saban habe zudem genau prüfen lassen, ob Kartellprobleme wegen der Beteiligung Springers zu erwarten seien. Anfang dieses Jahres war der Verkauf vonProSiebenSat.1 an Springer am Veto der Wettbewerbshüter gescheitert, solche Probleme wollte Saban nicht nochmals haben.

Dritter Bewerber ist ein Konsortium aus Apax und Goldman Sachs. Einmöglicher Zuschlag an diese Gruppe wird in der Branche auch kritisch gesehen. Als reine Finanzinvestoren müssten Apax und Goldman Sachs wohl den Sparkurs nochmals verschärfen, um wie Saban in einigen Jahren mit einer guten Rendite aussteigen zu können. Zudem würde möglicherweise ein großer Teil des Kaufpreises dem Unternehmen als Schulden aufgebürdet.

Nach der Kirch-Pleite und den geplatzten Verkäufen an die Verlage Bauer und Springer beobachten die Mitarbeiter des TV-Konzerns den Bieterwettstreit zwar neugierig, aber unaufgeregt. Vorstandschef Guillaume de Posch dankte ihnen auf der jüngsten Betriebsversammlung für die Gelassenheit. So sei denn auch der Dienstag für so manchen Beschäftigten nicht der bedeutendste Termin der Woche, heißt es im Umfeld. "Für viele ist die Weihnachtsfeier am Donnerstag wichtiger."

Quelle: ntv.de