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Hoffen auf Bernhard Bittere Pillen für VW-Aktionäre

Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder muss den Aktionären auf der Hauptversammlung heute in Hamburg einige bittere Pillen verabreichen. Die Traditionsmarke VW schreibt rote Zahlen, in China und den USA leidet das Unternehmen unter einer Absatzkrise und obendrein brach der Gewinn 2004 um fast ein Drittel ein.

Fragwürdig finden Aktionärsschützer auch den Hang der Wolfsburger zum Prestige: Die Verkaufszahlen der Luxuskarosse Phaeton blieben deutlich unter den Erwartungen. Damit das Unternehmen wieder in die Gänge kommt, wird Pischetsrieder bei den VW-Anteilseignern voraussichtlich für einen verstärkten Sparkurs werben.

Bernhard übernimmt ab Mai

Wie der Konzern bereits am Mittwochabend in Wolfsburg mitteilte, wird der Sanierer Wolfgang Bernhard angesichts der Lage früher als bisher bekannt die Führung der angeschlagenen Markengruppe Volkswagen übernehmen. Bernhard werde zum 1. Mai als Markenchef antreten. Bernhard soll beim VW-Konzern die Marke Volkswagen wieder auf Kurs bringen, nachdem sie im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht war.

Der als harter Sanierer bekannte 44 Jahre alte Bernhard hatte Anfang Februar seinen neuen Posten als Mitglied des VW-Konzernvorstandes angetreten, zunächst als Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich, und sollte spätestens 2006 Chef der Markengruppe Volkswagen werden. Bislang hatte Bernd Pischetsrieder die Gruppe aus den Marken Volkswagen, Skoda und Bentley neben seiner Aufgabe als Konzernchef geführt.

Bernhard hatte in den USA Chrysler erfolgreich saniert und war ursprünglich bei DaimlerChrysler als Chef von Mercedes vorgesehen. Er kam dann aber nicht zum Zug, nachdem der Betriebsrat gegen seinen angekündigten harten Sanierungskurs opponiert hatte. VW-Vorstandsmitglied Folker Weißgerber werde vertragsgemäß zum 30. Juni 2005 in den Ruhestand treten, teilte der Konzern zudem mit.

Operativer Gewinn verbessert

Im ersten Quartal steigerte Europas größter Autobauer seinen operativen Gewinn dank seines Sparprogramms "ForMotion" deutlich. Für das Gesamtjahr weiteten die Wolfsburger ihre Prognose eines operativen Gewinnanstiegs gegenüber 2004 nun auch auf das Vorsteuerergebnis aus.

Der operative Gewinn erhöhte sich von Januar bis März um 41 Prozent auf 464 Mio. Euro, teilte Volkswagen am Mittwochabend im Vorfeld seiner Hauptversammlung mit. Analysten hatten beim operativen Ergebnis lediglich mit einem Anstieg auf 445 Mio. gerechnet. Bei einem um 2,4 Prozent auf 21,12 Mrd. Euro gesunkenen Konzernumsatz steigerte der Autobauer den Reingewinn auf 70 Mio. Euro von 26 Mio. Euro vor Jahresfrist. Die Auslieferungen an Kunden verringerten sich ohne das schwache China-Geschäft um zwei Prozent auf 1,18 Mio. Fahrzeuge.

Schwieriger Start ins laufende Jahr

Der Start ins laufende Jahr sei schwierig gewesen, berichtete VW. Auch für die kommenden Monate gehe der Konzern nicht von einer Verbesserung der Automobilnachfrage aus. Der Preiskampf werde ebenso anhalten wie die ungünstigen Währungsrelationen zwischen Euro und Dollar und die hohen Preise bei Rohstoffen. Dank zahlreicher Modellneuheiten wie der Hochdachvariante des Golf V, dem Mittelklassewagen Passat und dem Kleinwagen Fox sollten die Auslieferungen aber das Vorjahresniveau von 5,08 Mio. Fahrzeugen übertreffen.

Analysten werteten die erstmals nach IFRS-Regeln erstellte Quartalsbilanz positiv. Gemessen an den Erwartungen seien die Zahlen recht gut, sagte ein Analyst aus dem Bankhaus Metzler. Er hob hervor, dass sich die Qualität des Ausblicks von VW verbessert habe, weil die erwartete Ergebnissteigerung nicht nur operativ, sondern nun auch vor Steuern gelte. Bislang hatte Volkswagen lediglich einen Anstieg des operativen Gewinns nach Sondereinflüssen erwartet.

Als darüber hinaus positiv bemerkte ein Autoanalyst der Münchener Großbank HVB, dass der Konzern die Investitionen um 27 Prozent auf 1,28 (Vorjahr: 1,74) Mrd. Euro zurückgefahren habe. Sein Sparziel von 3,1 Mrd. für 2005 bekräftigte der Autobauer.

Quelle: ntv.de