Wirtschaft
Dienstag, 18. April 2006

Fehlerhafte Teile eingebaut: Boeing beschuldigt

Der US-Flugzeughersteller Boeing wird von ehemaligen Mitarbeitern beschuldigt, mangelhafte Teile in hunderten seiner Maschinen eingebaut zu haben. Während ein Gericht die Vorwürfe überprüft, weist Boeing die Anschuldigungen zurück.

Laut den drei ehemaligen Mitarbeiter hat Boeing erlaubt, dass tausende Teile in Flugzeuge vom Typ 737 eingebaut wurden, die nicht den Anforderungen entsprochen hätten. Dabei gehe es um Bauteile des Zulieferers AHF Ducommun aus den Jahren 1994 bis 2002. So seien etwa Löcher nachgebohrt worden, weil die ursprünglichen Teile nicht gepasst hätten. Boeing habe die Probleme vor der US-Luftfahrtbehörde FAA verheimlicht, die Flugzeuge verkauft und sich an Mitarbeitern gerächt, die wegen dieser Frage an die Führung von Boeing herangetreten seien.

Die erstmals am Montag in der "Washington Post" veröffentlichten Vorwürfe werden vor einem US-Bezirksgericht in Wichita im Bundesstaat Kansas verhandelt. Richter Wesley Brown hatte schon im Februar erklärt, die Kern-Vorwürfe seien zur Fortführung des Prozesses nicht stichhaltig genug. Er hatte aber eine Nachfrist zur Konkretisierung der Anschuldigungen eingeräumt.

Boeing hat erklärt, es könnten keine fehlerhaften Teile durch die firmeneigene Qualitätskontrolle gelangen und die Flugzeuge seien sicher. Eine Untersuchung der Vorwürfe von Boeing selbst und von den zuständigen US-Behörden habe die Boeing-Sicht untermauert, dass die Anschuldigungen ohne Grundlage seien.

Auch die US-Behörde FAA hat die Vorwürfe untersucht und danach erklärt, Boeing habe erlaubte Teile eingebaut. Eine Überprüfung entsprechender Dokumente habe keine Hinweise darauf gegeben, dass die Teile für die Sicherheit kritisch seien noch zu irgendwelchen Problemen geführt hätten.

Die Zeitung berichtete indes, sie selbst habe die FAA-Untersuchung überprüft und festgestellt, dass deren Untersuchung nicht umfassend genug gewesen sei. Die Behörden hätten kein Flugzeug tatsächlich überprüft, in denen die etwa 200 von den ehemaligen Mitarbeitern benannten Teile eingebaut sein sollen. Eine FAA-Sprecherin sagte dazu, eine Untersuchung der fraglichen Teile würde den schwierigen und zeitaufwendigen Ausbau der Inneneinrichtung und Verkabelung der Flugzeuge erfordern. Deshalb habe die FAA die Aufzeichnungen der Flugzeugwartung überprüft. Dabei sei nichts Fehlerhaftes gefunden worden.

Quelle: n-tv.de