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Bei Eurohypo am Ziel Commerzbank übernimmt

Die Übernahme der größten deutschen Immobilienbank Eurohypo ist perfekt. Die Commerzbank hat den Vertrag unterzeichnet und wird nun alleiniger Großaktionär der Eurohypo. Mit Hilfe des 4,5 Mrd. Euro teuren Zukaufs will die Commerzbank ihren Gewinn in den kommenden Jahren deutlich steigern und den Aktionären eine höhere Dividende zahlen.

Den anderen Eurohypo-Haupteigentümern Deutsche und Dresdner Bank kauft die Commerzbank ihre Anteile für durchschnittlich je 19,60 Euro ab. Künftig hält sie damit 98 Prozent an der Eurohypo. Finanziert wird die Übernahme mit der Ausgabe neuer Aktien, der Aufnahme von Hybrid-Kapital sowie dem Verkauf weiterer Beteiligungen. Eine Kapitalerhöhung fand am Donnerstag großen Anklang bei Investoren, die Commerzbank nimmt damit 1,36 Mrd. Euro ein.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller will den Gewinn je Aktie durch den Zukauf bis 2007 um mehr als ein Viertel steigern, wie er vor Analysten versprach. Auch die Eigenkapitalrendite soll sich verbessern. Müller schätzt, dass die Commerzbank ab 2008 insgesamt 100 bis 130 Mio. Euro pro Jahr an Kosten- und Ertragsvorteilen verwirklichen kann. Dem stünden 150 Mio. Euro an einmaligen Integrationskosten im Jahr 2006 gegenüber, ergänzte Finanzvorstand Eric Strutz.

Mit der Akquisition wird die Commerzbank ihre Bilanzsumme um mehr als die Hälfte auf 700 Mrd. Euro steigern und zur Nummer zwei unter den deutschen Geldhäusern nach der Deutschen Bank aufsteigen. Es ist der größte Zusammenschluss in der inländischen Finanzbranche seit dem Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz 2001 für 24 Mrd. Euro.

Kein Ausverkauf Deutscher Banken

Die Commerzbank stößt nun in eine neue Liga vor, nachdem sie in den vergangenen Jahren wegen hoher Verluste lange als Übernahmekandidat gehandelt wurde. Müller hat das Institut seitdem radikal umgebaut: Er hat Tausende von Arbeitsplätzen gestrichen, den teuren Ausflug ins Investmentbanking gestoppt und den Vorstand umgebaut.

Mittlerweile bescheinigen Branchenkenner der Commerzbank wieder eine Perspektive: Sie könne unabhängig bleiben und eine auskömmliche Rendite erzielen, sagen Analysten. Zum Ausverkauf deutscher Großbanken, wie er nach der HVB-Übernahme durch die italienische Unicredito befürchtet wurde, scheint es vorerst nicht zu kommen.

Den Commerzbank-Aktionären winkt für 2005 weiterhin eine Dividende über dem Vorjahreswert von 25 Cent je Anteilsschein. In den nächsten Jahren soll sich die Ausschüttung mit dem steigendem Gewinn erhöhen.



An der Börse verteuerten sich Commerzbank-Aktien um drei Prozent auf gut 24 Euro und waren der größte Kursgewinner im Deutschen Aktienindex (Dax). "Strategisch ist die Transaktion positiv, weil sich die Commerzbank stabile Erträge einkauft", sagte Analyst Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim.

Übernahme in zwei Schritten

Die Commerzbank übernimmt die Eurohypo-Anteile der Deutschen und Dresdner Bank von zusammen gut 66 Prozent in zwei Schritten: Eine erste Tranche von 17 Prozent Mitte Dezember, weitere 49 Prozent Ende März 2006. Fast ein Drittel der Aktien hielt sie bisher schon. Die Eurohypo war vor drei Jahren aus der Fusion der Hypotheken-Töchter der drei Großbanken entstanden. Mit der Übernahme sind die Hoffnungen der Eurohypo auf einen Börsengang endgültig geplatzt.



Zur Finanzierung der Transaktion hat die Commerzbank 57,7 Mio. Aktien ausgegeben und bei internationalen Investoren platziert. Das letzte Mal hatte sie vor zwei Jahren frisches Geld eingesammelt, nachdem sie auf ihre Beteiligungen, darunter auch die Eurohypo, Milliarden abschreiben musste. Mit 23,50 Euro wurden die Papiere am oberen Ende der Preisspanne platziert. Vorstandsmitglied Martin Blessing sagte, die Emission sei mehr als dreifach überzeichnet gewesen.



Die Bank könne darüber hinaus Hybrid-Kapital, also nachrangiges und besonders langfristiges Fremdkapital, von bis zu 2,5 Mrd. Euro aufnehmen, sagte Vorstandschef Müller. Auch die Beteiligungen der Commerzbank stehen zur Disposition. Am Dienstag hatte sie bereits ihr Paket an der italienischen Banca Intesa verkauft und rund 800 Mio. Euro erlöst. Jetzt geht es um die Aktienpakete an der Korea Exchange Bank und dem Industriekonzern ThyssenKrupp.

Quelle: n-tv.de