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Norisbank-Filialen Deutsche Bank kauft ein

Die Deutsche Bank setzt ihre Einkaufstour im inländischen Privatkundengeschäft fort. Im Bieterkampf um die Norisbank stach Deutschlands größtes Geldhaus die Rivalen Commerzbank und Citibank einmal mehr aus und übernimmt für 420 Millionen Euro die 98 Filialen des Ratenkredit-Spezialisten. Damit stärken sich die Frankfurter zum zweiten Mal binnen weniger Wochen durch einen Zukauf im Heimatmarkt.

"Die Transaktion unterstreicht, dass wir bereit sind, auch im hartumkämpften deutschen Markt Akquisitionen durchzuführen, wenn sie in unser strategisches Gesamtkonzept passen", erklärte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Frankfurt. Das Institut wolle die Norisbank als Plattform nutzen, um neue Kunden zu gewinnen. "Das Konsumentenkreditgeschäft ist eines unserer Wachstumsfelder, das wir beschleunigt ausbauen wollen", ergänzte Privatkunden-Chef Rainer Neske. Die zur DZ Bank gehörende Norisbank aus Nürnberg zeigte sich mit dem Kaufpreis zufrieden. Analysten lobten die Übernahme.

"Das passt zur Deutschen Bank", sagte Dieter Hein von FaiResearch. "Sie haben als Strategie formuliert, in Deutschland auch durch Zukäufe zu wachsen, und lassen dem jetzt Taten folgen." Ein anderer Experte sagte: "Die Deutsche Bank hat sich durchgesetzt und die Commerzbank wieder das Nachsehen. Der nächste logische Schritt wäre jetzt die Postbank." Deutschlands größtes Filialinstitut, das mehrheitlich der Deutschen Post gehört, steht aber nicht zum Verkauf. Die Aktie der Deutschen Bank legte bis zum Nachmittag 0,4 Prozent auf 87,22 Euro zu schnitt damit etwas schlechter als der Deutsche Aktienindex DAX ab.

"Easycredit" bleibt bei den Genossen

Nur anderthalb Monate nach dem Kauf der Berliner Bank für 680 Millionen Euro übernimmt die Deutsche Bank nun 334.000 Norisbank-Kunden sowie 98 Filialen in 58 Städten. Hinzu kommen der Markenname "Norisbank", ein Kreditvolumen von 1,4 Milliarden Euro sowie Einlagen von 1,6 Milliarden Euro. Wie geplant verbleiben die rund 1150 Mitarbeiter der Norisbank komplett im genossenschaftlichen Verbund: Sie führen das Kernprodukt, den Ratenkredit "easyCredit", fort. Dieser wird nun aber ausschließlich über die knapp 1300 Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben. Zugleich fällt die Norisbank in anderen Bereichen als interner Konkurrent im genossenschaftlichen Verbund weg.

Die DZ Bank, das größere der beiden Zentralinstitute der Volks- und Raiffeisenbanken, hatte die Norisbank 2003 von der Münchener HVB für über 416 Millionen Euro gekauft. Nun erzielen die Genossen fast den gleichen Preis -behalten aber mit "easyCredit" das Kernprodukt. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Preis", sagte Norisbank-Chef Theophil Graband. "Wir werden jetzt gemeinsam mit dem genossenschaftlichen Finanzverbund den deutschen Markt angreifen", fügte er hinzu. Nach Abschluss der Transaktion, die im vierten Quartal über die Bühne gehen soll, verfügt die DZ Bank noch über rund 220.000 "easyCredit"-Kunden. 80.000 dieser Finanzierungen übernimmt die Deutsche Bank und führt sie unter eigener Regie fort.

Privatkunden und Verbraucherfinanzierung "en vogue"

Mit dem Zuschlag für die Norisbank setzt sich Branchenprimus Deutsche Bank einmal mehr im Ringen um eine angesichts der Dominanz der Sparkassen und Genossenschaftsbanken wenigen Zukaufsmöglichkeiten in Deutschland durch. Dabei entdecken immer mehr Institute wieder den Privatkunden und ringen um Marktanteile. Die Deutsche Bank etwa sieht sich mittlerweile in der Konsumentenfinanzierung mit ihrem "TopKredit" als Nummer drei hinter Citibank und der Santander Consumer Bank.

Dass die Deutsche Bank bereit ist, für Zukäufe einiges auf den Tisch zu legen, stellte sie erst Mitte Juni mit dem Kauf der zur Bankgesellschaft gehörenden Berliner Bank unter Beweis. Auch damals konnte sie sich gegen Citibank und Commerzbank durchsetzen. Bei dem von der Schweizer Großbank UBS gesteuerten Bieterverfahren um die Norisbank galt die Commerzbank noch bis vor wenigen Tagen als Favorit.




Quelle: n-tv.de

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