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Industrie streicht Jobs Dienstleistungssektor boomt

Der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft hat einen neuen Höhepunkt erreicht: 71,9 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland waren 2005 in Bereichen wie Handel, Gastgewerbe, bei Banken oder im Verkehrssektor tätig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Dies sind 0,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 1991, im Jahr nach der Wiedervereinigung, hatte die Quote bei ungefähr gleich hoher Erwerbstätigenzahl sogar nur 59,5 Prozent betragen. Damit schuf der Dienstleistungssektor innerhalb von 14 Jahren fast fünf Mio. neue Jobs - ohne diesen Effekt würde die Arbeitslosigkeit heute rund doppelt so hoch ausfallen.

Gleichzeitig wurden in der Industrie mehr als drei Mio. Jobs gestrichen, auch am Bau und in der Landwirtschaft fielen hunderttausende Arbeitsplätze weg. 2005 setzte sich der Trend fort: Die Beschäftigtenzahl in der Industrie sank um 1,7 Prozent, während die Dienstleistungen um 0,5 Prozent zulegten.

"Hier sind strukturelle Veränderungen im Gange", erläutert der Arbeitsmarkt-Experte Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. So hätten viele Industrie-Firmen zum Beispiel Kantinen, Transport oder auch die Entwicklung in eigenständige Unternehmen ausgelagert, die dann als Dienstleistung zählen.

Zudem wirke sich in der Industrie die Konjunkturlage aus. Hier sei positiv, dass der Rückgang der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe oder am Bau vergangenes Jahr nicht mehr so stark gewesen sei wie vor zwei oder drei Jahren.

Nach Einschätzung der Statistiker haben auch die Förderprogramme für den Arbeitsmarkt die Quote erhöht. Mini-Jobs seien meist im Dienstleistungsbereich angesiedelt, zudem habe die Teilzeit-Arbeit von Frauen zugenommen, sagt Statistikerin Sigrid Fritsch. Und auch viele Existenzgründer versuchten sich bei Dienstleistungen.

Nach Einschätzung der Nürnberger Forscher vom IAB wird sich der Trend zu mehr Dienstleistungen fortsetzen. "Als Jobmaschine würde ich das aber nicht bezeichnen, dafür ist der Zuwachs zu gering. Jungen Menschen und Arbeitssuchenden rät Spitznagel, vor allem in die eigene Qualifikation zu investieren. Bei gut bezahlten Jobs im Dienstleistungsbereich seien hohe Qualifikationen notwendig.

Die Forschungsdirektorin des Instituts für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, Claudia Weinkopf, sieht im Trend auch Gefahren: So böten Dienstleistungs-Jobs oftmals geringere Verdienstmöglichkeiten als Arbeitsplätze in der Produktion.

Insgesamt war die Zahl der Erwerbstätigen im vergangenen Jahr mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 38,7 Mio. Menschen leicht rückläufig, während sie im Vorjahr noch um 0,4 Prozent zunahm. Nach Einschätzung des Bundesamts in Wiesbaden hat sich zwar der Rückgang sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verlangsamt, im vergangenen Jahr sei das Minus aber nicht mehr mit geförderten Beschäftigungsformen wie Minijobs ausgeglichen worden.

Quelle: ntv.de