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Razzien am Dienstag E.ON und RWE sagen nichts

Nach Razzien der EU-Kommission bei Energieunternehmen haben die deutschen Konzerne E.ON und RWE Kommentare zu einem Bericht über Hinweise auf illegale Absprachen abgelehnt. "Mit Blick auf das laufende Verfahren nehmen wir zu Einzelheiten keine Stellung", sagte ein Sprecher von RWE Energy am Donnerstag. "Kein Kommentar", hieß es beim größten deutschen Energiekonzern E.ON.

Mitte Mai hatten die beiden Unternehmen bestätigt, dass Ermittler der EU-Kommission ihre Häuser zu "Nachprüfungen" aufgesucht hätten. Einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge beschlagnahmten Ermittler der EU bei Razzien in den Zentralen von E.ON am Dienstag umfangreiche Unterlagen. Die Kommission habe Hinweise darauf, dass es wettbewerbswidrige Absprachen mit RWE gegeben habe könne.

Die EU-Kommission nannte wie in der Vergangenheit keine Namen von betroffenen Unternehmen. "Die Kommission hat am Dienstag bestätigt, dass es Razzien bei deutschen Energiekonzernen gegeben hat, und das ist alles, was wir sagen können", sagte ein Sprecher. Die EU-Kommission hatte ihre Durchsuchungen mit dem Verdacht auf Verstöße gegen das europäische Wettbewerbsrecht begründet. Sie kann in diesem Fall Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. E.ON erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 56 Milliarden Euro, die Erlöse von RWE lagen bei 41 Milliarden Euro.

"Das kommt bei den Investoren natürlich nicht so gut an", sagte ein Händler zu dem Zeitungsbericht. Die Aktien von E.ON und RWE gaben mit einem Minus von knapp zwei Prozent stärker nach als der Gesamtmarkt. "Man muss aber auch dazu sagen, dass die Aktien von RWE und E.ON zuletzt sehr gut gelaufen sind", fügte der Händler hinzu.

Ermittler stürmten Vorstandssitzung

Dem Zeitungsbericht zufolge platzten die EU-Ermittler am Dienstag in eine Vorstandssitzung von E.ON Energie in München und beschlagnahmten alle im Raum befindlichen Unterlagen. Sie hätten anschließend die Computer der Führung um E.ON-Energie-Chef Johannes Teyssen und die der engsten Mitarbeiter gesichert. Zeitgleich hätten die Ermittler die E.ON-Zentrale in Düsseldorf durchsucht. Auch hierbei hätten sie sich auf die Büros des Top-Managements um Konzernchef Wulf Bernotat konzentriert.

Ihr lägen EU-Dokumente vor, aus denen hervorgehe, dass die EU-Kommission Hinweise auf "Vereinbarungen zur Marktaufteilung" habe, berichtete die Zeitung.

Bereits Mitte Mai hatten Ermittler der EU-Kommission Büros von Energiekonzernen in Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien und Österreich durchsucht. Nach Berichten der EU-Kommission und des Bundeskartellamts am Dienstag über erneute Razzien hatte RWE umgehend mitgeteilt, diesmal nicht betroffen gewesen zu sein. Von E.ON war nach den jüngsten Durchsuchungen über Tage keine Stellungnahme zu erhalten.

Die EU-Kommission hatte im Februar angekündigt, mehr Wettbewerb auf den europäischen Energiemärkten mit Kartellverfahren erzwingen zu wollen. Sie hat dazu eine umfassende Untersuchung gestartet. Diese Untersuchung soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Kürzlich hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf E.ON Ruhrgas den Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung vorgeworfen. Das Bundeskartellamt hatte E.ON langfristige Lieferverträge mit Stadtwerken verboten, weil diese den Wettbewerb einschränkten.

Quelle: ntv.de