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Lebenslange Haft droht Ex-Enron-Chefs schuldig

In einem der spektakulärsten Prozesse der US-Wirtschaftsgeschichte sind die beiden ehemaligen Chefs des Energieunternehmens Enron, Jeffrey Skilling und Kenneth Lay, wegen Betrugs schuldig gesprochen worden. Den beiden Angeklagten, die stets ihre Unschuld beteuert hatten, drohen langjährige Haftstrafen.

Jeffrey Skilling und Kenneth Lay hätten sich in ihrer Zeit als Führungskräfte bei Enron Verschwörung und Betrug zu Schulde kommen lassen, erklärten die zwölf Geschworenen. Zudem sah es die Jury als erwiesen an, dass sich Skilling auf Grund von Insider-Wissen über die finanzielle Misere des einst siebtgrößten US-Konzerns mit Aktienverkäufen persönlich bereichert hatte. Über das Strafmaß wird später entschieden.

185 Jahre hinter Gittern?

Mit dem Schuldspruch der Geschworenen werden der 64-jährige Lay und der 52-jährige Skilling wohl den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen: Richter Simeon Lake kann die beiden Angeklagten für Jahrzehnte ins Gefängnis schicken. Lay wurde in allen sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen, womit ihm eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren droht. Skilling wurde in 19 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Damit droht ihm eine maximale Strafe von 185 Jahren Gefängnis. Skillings Anwalt Daniel Petrocelli äußerte sich schwer enttäuscht, kündigte aber sofort an, das Urteil anfechten zu wollen. "Der Kampf hat gerade erst begonnen", sagte er auf den Stufen des Gerichts.

Als die Jury im Gerichtssaal ihr Urteil aussprach, blickte Skilling zu Boden. Lays Ehefrau Linda ergriff den Arm ihres Mannes. Die Jury aus acht Frauen und vier Männern hatte nach 15-wöchiger Verhandlungsdauer die Aussagen von mehr als 50 Zeugen abwiegen müssen, um über Schuld und Unschuld zu entscheiden. In einem Nebenverfahren war Lay zudem noch wegen illegaler Börsengeschäfte angeklagt. Auch hier wurde er schuldig gesprochen.

Lay und Skilling hatten in dem Prozess wiederholt ihre Unschuld beteuert und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchef Andrew Fastow für die Bilanzierungstricks und Gewinnmanipulationen verantwortlich. Zudem gaben sie der Presse und Raubtierinvestoren eine Mitschuld am Niedergang ihrer Firma. Andrew Fastow hatte sich des Betrugs für schuldig bekannt und im Gegenzug für die Zusammenarbeit mit der Anklage eine zehnjährige Haftstrafe ausgehandelt. Er hatte seine ehemaligen Chefs dabei schwer belastet.

Skandal um "Kenny-Boy"

Enron war einst eines den zehn größten US-Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 60 Mrd. Dollar. Es handelte zeitweise mit mehr als 800 Produkten, darunter Energie, Breitbandkapazitäten und Finanzderivaten. Noch im Jahr 2001 kürte das Wirtschaftsmagazin "Forbes" Enron wegen seiner aggressiven Risikostrategie zum "innovativsten Unternehmen". Im Laufe des Jahres 2001 wendete sich das Blatt jedoch. Wie sich herausstellte, lieferten mehrere Einheiten nicht die gewünschten Ergebnisse. Die Schulden wurden in dubiosen Partnerschaften versteckt, an denen sich Finanzchef Andrew Fastow persönlich mit Millionen bereichert hatte.

Nach dem Bankrott von Enron im Dezember 2001 verloren mehr als 4000 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze. Milliarden von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter gingen verloren. Anleger mussten mit ansehen, wie ihre Enron-Aktien von einstmals fast 90 Dollar bis auf wenige Cent abstürzten.

Wegen der massiven Auswirkungen auf Angestellte und Anleger wurde Enron dabei über die Grenzen der USA hinaus zum Inbegriff von Wirtschaftskriminalität und unternehmerischer Arroganz. Die Wall Street war schockiert. Der Fall erregte aber auch deshalb großes Aufsehen, weil Lay als Förderer der Republikanischen Partei ein enger Freund von US-Präsident George W. Bush und dessen Familie in Texas war. Bush pflegte Lay mit dem Spitznamen "Kenny-Boy" zu rufen.

Die Enron-Pleite und zahlreiche weitere Bilanzskandale führten schließlich zu dem Sarbanes-Oxley-Gesetz, das strengere Bilanzierungsregeln und härtere Kontrollen für börsennotierte US-Unternehmen brachte.

Quelle: ntv.de