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Keine Zerschlagung Leica vorerst gerettet

Dem ums finanzielle Überleben ringende Kamerahersteller Leica wurde ein Rettungsring zugeworfen. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung gaben die Aktionäre grünes Licht für ein Rettungspaket.

Das von den Aktionären gebilligte Konzept beinhaltet eine Kapitalherabsetzung und eine anschließende Kapitalaufstockung durch die Ausgabe neuer Aktien. Bis zu 13,5 Millionen neue Aktien sollen zum Stückpreis von 1,70 Euro ausgegeben werden, insgesamt knapp 23 Millionen Euro. Den gesamten Finanzbedarf beziffert Leica auf 50 Millionen Euro. Die restlichen 27 Millionen sollen die Banken zuschießen.

Doch hier stehen noch weitere, harte Verhandlungen an. Denn die Banken sind bisher nur zu einer Überbrückungsfinanzierung bis Mitte Juni bereit. Nun will Leica mit den sechs Geldgebern um eine längerfristige Lösung ringen.

"Leica ist sanierungsfähig"

Der Vorstandsvorsitzende Josef Spichtig versicherte bei dem Aktionärstreffen im mittelhessischen Solms, dass das Unternehmen nicht zerschlagen werde. "Die Sanierungsfähigkeit steht für mich fest." Der Kamera- und Ferngläserhersteller ist überschuldet, muss aber zunächst keine Insolvenz anmelden, weil Gläubiger nach Angaben eines Leica-Sprechers ihre Forderungen zurückgestellt haben. Nach der geplanten Sanierung will die Leica Camera AG im Geschäftsjahr 2006/2007 wieder aus der Verlustzone kommen.

Spichtig räumte ein, dass das Management die Existenzkrise teilweise selbst verschuldet habe. So seien Ferngläser und digitale Kameras verspätet am Markt eingeführt worden. Aktionärsschützer warfen der Führung "hausgemachte Probleme" vor. Nach Ansicht von Kritikern hat Leica den Trend zur Digitalfotografie verschlafen.

Künftig solle das Unternehmen auf einen Umsatz von etwa 100 Mio. Euro ausgerichtet werden. Ein weiterer Personalabbau könne dabei nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Allein in den vergangenen vier Jahren hat Leica rund 400 Stellen abgebaut. 1.050 Beschäftigte arbeiten derzeit weltweit für das Unternehmen, 415 davon in Solms. An den beiden Standorten in Mittelhessen und in Portugal will Leica festhalten.

Im Geschäftsjahr 2004/2005 (31. März) sind unter dem Strich Verluste von 15,5 Mio. Euro aufgelaufen. Der Umsatz brach nach vorläufigen Zahlen um 21 Prozent auf 93,7 Mio. Euro ein. Auch im laufenden Geschäftsjahr wird mit einem operativen Verlust von etwa 13 Mio. Euro gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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