Meldungen

Aus Bahnchef wird Hartmut Mehdorn tritt zurück

Er hat sich gewehrt. Monatelang wollte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nichts von einer Amtsaufgabe wissen. Ein "Steher" sei er eben, sagten anerkennend seine Freunde, als stur und dickköpfig bezeichneten ihn seine Kritiker. Letztere gewannen am vergangenen Wochenende Oberwasser und Mehdorn, der noch gestern alles abprallen ließ, hat nun seinen Rücktritt angeboten. Er habe den Aufsichtsrat um Auflösung seines Vertrages gebeten, sagte der Manager, der sich gelegentlich darüber beklagt hatte, sein Vorname sei mittlerweile "Bahnchef".

Er habe sich persönlich nichts vorzuwerfen, betonte Mehdorn und bekräftigte, es habe in der Datenaffäre um die Kontrolle von E-Mails keine strafrechtlich relevanten Vorgänge gegeben. In der aufgeheizten Diskussion sei eine sachliche Aufklärung aber nicht möglich. Er gehe davon aus, dass noch vor der Sommerpause ein Nachfolger gefunden werde.

Fast zehn Jahre Bahnchef

Mehdorn stand fast zehn Jahre an der Spitze der bundeseigenen Bahn. Sein Vertrag lief noch bis 2011. Mehdorn betonte, er habe sich persönlich nichts Unrechtes vorzuwerfen. Als Vorstandschef trage er selbstverständlich die Gesamtverantwortung für das, was in der Deutschen Bahn passiert oder eben nicht. Das sei unabhängig davon, ob er davon gewusst habe oder nicht. "Dieser Verantwortung will ich mich nicht entziehen", sagte er.

Ein Führungswechsel sei in der derzeitigen Wirtschaftskrise ein zusätzliches Risiko für das Unternehmen. Dies müssten aber andere verantworten. Mehdorn beklagte, es handele sich in der derzeitigen Debatte um eine "Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik."

Nach dem Rücktrittsangebot Mehdorns erwartet die Bundesregierung eine rasche Klärung der Nachfolge. "Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Aufsichtsrat zügig Gespräche aufnehmen und einen neuen Bahnchef präsentieren wird", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Nach dem Aktienrecht sei es Aufgabe des Aufsichtsrats, den Nachfolger zu bestimmen. Auch die Bundesregierung werde sich mit dem Führungswechsel an der Spitze der Bahn befassen, fügte Wilhelm hinzu.

Das Rücktrittsangebot von Mehdorn habe die Bundesregierung "mit Respekt zur Kenntnis" genommen, hob Wilhelm hervor. Mehdorn habe in rund neun Jahren an der Spitze der Bahn das Unternehmen erfolgreich umgebaut. Er habe die Bahn zusammen mit den Mitarbeitern zu einem wirtschaftlich starken international führenden Schienenverkehrs- und Logistikdienstleister geformt.

Die Bahn gehört nicht Mehdorn

Angesichts immer neuer Erkenntnisse über Ausspäh-Aktionen gegen Bahn-Mitarbeiter und dem klaren Votum der Gewerkschaften gegen Mehdorn war der Rückhalt für den Bahnchef in der Regierung aufgebraucht. "Ich glaube nicht, dass Hartmut Mehdorn als Bahnchef noch zu halten ist", sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Er könne zwar verstehen, dass der Bund als Eigentümer die Ergebnisse der Sonderermittler noch abwarten wolle. Doch angesichts immer neuer Erkenntnisse über Ausspähaktionen gegen Bahn-Mitarbeiter wisse er nicht, was noch passieren müsse, bis Konsequenzen gezogen würden. Mehdorn verhalte sich so, als gehöre ihm die Bahn persönlich. "Er nimmt Parlament und Bundesregierung nach meinem Eindruck nicht mehr ernst und fasst jede Kritik als Affront auf."

SPD-Fraktionsvize Klaas Hübner sagte der "Frankfurter Rundschau", "ein Politiker in dieser Position könnte sich nicht mehr halten". Sollten sich die Vorwürfe erhärten, "dann wäre es für das Unternehmen besser, wenn man eine neue Lösung für den Vorstandsvorsitz suchen würde".

Ziele verfehlt

Wegen eines Gewinnsprungs im Personenverkehr hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr den Einbruch im Güterverkehr abgefangen und ihren Gewinn gesteigert. Die eigenen Planzahlen verfehlte der Konzern allerdings.

Der Umsatz 2008 lag bei 33,5 Mrd. Euro, wie die Bahn mitteilte. Um Zukäufe bereinigt sind dies 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 4,8 Prozent auf 2,48 Mrd. Euro. "Das gute Ergebnis zeigt, dass wir gerüstet sind für die Krise", erklärte Bahnchef Hartmut Mehdorn, der wegen der Datenaffäre unter großem Druck steht.

"Uns bläst in diesen Tagen ein eisiger Wind ins Gesicht, von dem wir nicht wissen, ob er sich nicht zu einem Orkan auswächst", erklärte Mehdorn. 2009 habe schwierig begonnen. "Die Auftragseinbrüche sind gravierend." Eine Prognose für das laufende Jahr wagte der Konzern daher nicht. In ihrem Geschäftsbericht warnte die Bahn aber vor möglichen jahrelangen Auswirkungen auf die Ertragslage.

Zu dem Gewinnplus 2008 trug der Regionalverkehr und vor allem der Fernverkehr bei: IC und ICE bauten ihren Gewinn massiv aus. Damit konnte der Einbruch bei der Güterbahn sowie der internationalen Logistik von Schenker (LKW, Flugzeug, Schiff) abgefangen werden. Hier schrumpfte der operative Gewinn um zehn beziehungsweise 14 Prozent.

Das Unternehmen kündigte weiter an, man werde 2009 wohl mehr als zwei Mrd. Euro über den Kapitalmarkt refinanzieren. Der mit 16 Mrd. Euro verschuldete Staatskonzern spielt auf den internationalen Anleihemärkten eine wichtige Rolle.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema