Wirtschaft
Montag, 16. April 2007

Vorsorglicher Insolvenzantrag: Möbelriese Schieder wankt

Europas umsatzstärkster Möbelhersteller Schieder gerät immer stärker unter Druck. Für die Schieder Möbel Holding GmbH sei bereits am Donnerstag ein vorsorglicher Insolvenzantrag gestellt worden, am Freitag auch für eine weitere Gesellschaft, sagte ein Sprecher im lippischen Schieder-Schwalenberg und bestätigte entsprechende Medienberichte. Die Produktion sei "gestört" und stehe an den Standorten Schieder und Steinheim "teilweise still". Das operative Geschäft gehe weiter, Gespräche mit möglichen Kreditgebern über eine Brückenfinanzierung liefen "mit Hochdruck".

"Einen vorsorglichen Insolvenzantrag kann man zurücknehmen", sagte der Sprecher mit Blick auf die laufenden Gespräche. Die Gespräche mit den beteiligten Geldgebern sollten Unternehmensangaben zufolge bis zum Montagabend abgeschlossen sein. Wesentliche Teile der europäischen Produktion könne der Möbelhersteller mit gut 11.000 Mitarbeitern aufrechterhalten, hieß es. Laut eines Berichts des Westdeutschen Rundfunks handelt es sich bei der weiteren von einem vorsorglichen Insolvenzantrag betroffenen Gesellschaft um das Tochter-Unternehmen PM-Möbel in Steinheim.

Nach Informationen der Tageszeitung "Neue Westfälische" wurden Gelder für Lieferanten eingefroren. Allerdings stellten dem Bericht zufolge britische Investoren Finanzmittel zur Verfügung. Seit Wochen dauern Verhandlungen über ein von Unternehmensberatungen erarbeitetes neues Finanzierungskonzept an, das bis Ende Mai vorliegen sollte. "Die Finanzierungsstruktur ist nicht optimal", hatte der Sprecher bereits Mitte März gesagt. Insidern zufolge hatte der frühere Geschäftsführer Samir Jajjawi 2005 eine Anleihe von 145 Mio. Euro auf dem internationalen Kapitalmarkt aufgetan, zudem eine Pfandverschreibung von 95 Mio. Euro und Genussscheine, also eine weitere Anleihe, für 30 Mio. Euro. Dabei machen Schieder hohe Kapitalkosten zu schaffen.

Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2006/07 (31. März) peilte Schieder früheren Angaben zufolge ein Umsatzplus von 3,4 Prozent an. Ein Jahr zuvor hatte der Möbelhersteller Erlöse von rund 950 Mio. Euro erwirtschaftet. Im Dezember 2006 hatte Firmengründer Rolf Demuth wieder die Leitung des Unternehmens übernommen.

Quelle: n-tv.de