Wirtschaft
Montag, 07. November 2005

Glück bei der Geldanlage: Münchener Rück trotzt Stürmen

Hohe Gewinne aus Kapitalanlagen haben den weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück im dritten Quartal vor einem Verlust bewahrt. Trotz Milliarden-Belastungen aus Sturmschäden wies das Unternehmen dadurch einen überraschend hohen Gewinn aus.

Der Nettogewinn einschließlich Minderheitsanteilen habe auf 513 (Vorjahr 386) Mio. Euro zugelegt, teilte der Konzern in München mit. Der Gewinn fiel damit höher aus als von Analysten erwartet, die im Schnitt von 427 Mio. Euro ausgegangen waren. Die hohen Schäden durch Wirbelstürme in Nordamerika belasteten das Ergebnis mit netto 750 Mio. Euro stärker als bislang angekündigt. Durch Gewinne aus Kapitalanlagen unter anderem aus dem Verkauf von Anteilen am Finanzkonzern Allianz wurde dies aber ausgeglichen.

Für das Gesamtjahr hält die Münchener Rück weiter am Ziel einer Kapitalrendite von zwölf Prozent fest, auch wenn das Unternehmen durch den Hurrikan "Wilma" im vierten Quartal einen weiteren Schaden von etwa 400 Mio. Dollar verbuchen muss. "Damit wäre auch eine Anhebung der Dividende möglich", erklärte Controlling-Chef Jörg Schneider mit Blick auf den zu erwartenden höheren Jahresgewinn. Für 2004 hatte die Münchener Rück eine Dividende von zwei Euro je Aktie gezahlt.

Gewinner der HVB-Übernahme

Die Münchener Rück rechnet aus der Übernahme der HVB durch die italienische Großbank UniCredito mit einem Gewinn in Milliardenhöhe. Bei einem HVB-Aktienkurs von 22 Euro würde für das Unternehmen ein Buchgewinn von etwa einer Milliarde Euro entstehen, sagte Controlling-Chef Jörg Schneider in einer Telefonkonferenz. Derzeit ist die HVB-Aktie an der Börse allerdings sogar mehr als 24 Euro wert. Die Münchener Rück ist mit gut 18 Prozent größter HVB-Aktionär und wird die Aktien im Rahmen der Übernahme durch UniCredito in Aktien des italienischen Bankhauses tauschen.

Die angestrebte Rendite für das gesamte Jahr würde einem Gewinn von mehr als 2,6 (Vorjahr rund 1,9) Mrd. Euro entsprechen.

Zu der Schadenbelastung aus Wirbelstürmen im Atlantik erklärte der Rückversicherer, die Hurrikan-Saison habe dieses Jahr früher begonnen als üblich, und es habe auch eine bislang ungekannte Serie aus Wirbelstürmen gegeben. Die Schadenbelastung durch den Hurrikan "Katrina", der Teile der US-Metropole New Orleans überflutet hatte, bezifferte die Münchener Rück nun auf 1,2 Mrd. Euro vor Steuern und knapp über 800 Mio. nach Steuern. Bislang war das Unternehmen von 1,1 Mrd. Euro Bruttobelastung ausgegangen.

Auch Überschwemmungen in den Alpen und in Indien belasten

Auch aus anderen Naturkatastrophen wie dem Hochwasser im Alpenraum im Spätsommer und Überschwemmungen in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai (früher Bombay) verbuchte die Münchener Rück erhebliche Belastungen. Insgesamt ließen die hohen Schäden die Schaden-Kosten-Quote in der Rückversicherung, einen zentralen Indikator der Ertragskraft, im dritten Quartal auf 124,6 Prozent nach 105,8 Prozent im Vorjahr nach oben springen. Davon entfielen 32,9 Prozentpunkte auf Naturkatastrophen, so dass die Quote für das übrige Geschäft bei knapp 92 Prozent lag. "Die zu Grunde liegende Ertragskraft auch im Basisgeschäft der Erst- und Rückversicherung ist beeindruckend", sagte Controlling-Chef Schneider. Bei Quoten bis 100 Prozent sind Aufwendungen für Schäden und Kosten allein durch Prämieneinnahmen gedeckt.

Schneider kündigte an, dass die Münchener Rück bei der anstehenden Erneuerung des überwiegenden Teils der Rückversicherungsverträge zum Jahreswechsel konsequent auf risikoadäquate Preise setze. "Alles andere wäre nicht nachvollziehbar. Die Großereignisse der Jahre 2004 und 2005 haben ein grelles Licht auf die erheblich gestiegenen Schadenpotenziale geworfen", sagte er.

Analystenmeinungen

Branchenanalyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck sagte, die Zahlen des Rückversicherers seien ordentlich ausgefallen. "Das zu Grunde liegende Geschäft läuft gut. Die Schadenbelastung ist ziemlich genau eingrenzbar auf einen Bereich, der eben schwer kalkulierbar ist." Auch die Erstversicherungstochter Ergo, deren Quartalsgewinn auf 149 (Vorjahr 83) Mio. Euro wuchs, arbeite sich "langsam aus dem Tal der Tränen heraus mit steigenden Gewinnen".

Quelle: n-tv.de