Wirtschaft
Donnerstag, 24. März 2005

Ver.di-Zeitung "Schwarzmarkt": Neue Vorwürfe gegen Lidl

Lidl ist billig, auch in der Woche vor Ostern. Der Blumenkohl zu 0,99 Euro, die Flasche Markensekt zu 2,45 Euro und die Kinder-Gummistiefel zu 3,99 Euro das Paar. Aber billig allein reicht Lidl nicht mehr. Seit kurzem ist Deutschlands zweitgrößter Discounter auch um ein besseres Erscheinungsbild bemüht.

Die geschätzt 30.000 Mitarbeiter in mehr als 2.600 deutschen Filialen müssen seit diesem Monat ein gelbes Schlüsselband um den Hals tragen - mit Namenschild und dem Slogan: "100 Prozent freundlich". Mit der von oben verordneten Freundlichkeit reagiert der Handelsriese mit Sitz im schwäbischen Neckarsulm auf eine Kampagne, die die Gewerkschaft Ver.di seit kurz vor Weihnachten gegen ihn fährt.

Der Hauptvorwurf: Lidl sei "billig auf Kosten der Beschäftigten", nutze Mitarbeiter systematisch aus und missachte selbst soziale Mindest-Standards. Die Gewerkschaft stützt sich dabei auf zahlreiche Interviews mit heutigen und ehemaligen Lidl-Beschäftigten sowie viele Briefe und Mails.

Kostenlose Zeitung "Schwarzmarkt"

Die Vorwürfe hat Ver.di in einem "Lidl-Schwarzbuch" gesammelt, das sich mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren inzwischen zu einem heimlichen Bestseller entwickelt hat. Jetzt legt die Gewerkschaft nach: In einer Auflage von 250.000 Exemplaren wird seit Mittwoch bundesweit eine kostenlose Zeitung verteilt, die wieder die Zustände bei Lidl zum Thema hat. Von "Schwarzmarkt" - so der Titel - solle alle drei Monate eine aktuelle Nummer erscheinen.

In der ersten Ausgabe wird beispielsweise über die Gründung eines Lidl-Betriebsrats in Langen bei Bremerhaven berichtet. Das ist insofern eine Besonderheit, weil es nach Gewerkschaftsangaben in ganz Deutschland erst acht Lidl-Betriebsräte gibt. Außerdem schildern Kassiererinnen aus ihrem Alltag. "Nach zwölf Stunden Kasse bist du fertig. Ich hatte manchmal eine halbe Stunde Pause, die wurde aber fünf Mal unterbrochen."

Angesichts der Dauer-Vorwürfe von ver.di hat Lidl-Gründer Dieter Schwarz, der mit jeder Art von Information sehr zurückhaltend war, seine Haltung inzwischen geändert. Mittlerweile kümmert sich eine PR- Agentur um seine Interessen. Als Antwort auf die neue Kritik gab es am Mittwoch aber nur eine alte Pressemitteilung mit Datum 10. Dezember 2004. "Wir empfinden dies (...) als Diffamierungskampagne gegen unser Unternehmen. Wer so erfolgreich ist, erreicht dies nur mit zufriedenen und motivierten Mitarbeitern."

Quelle: n-tv.de