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Weniger Macht für Müller Rüttgers für RAG-Börsengang

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sich für einen Börsengang der RAG stark gemacht, aber gegen zu viel Macht für den Chef des Mischkonzerns Werner Müller ausgesprochen. "Ich will den Börsengang", sagte der CDU-Politiker am Samstag auf dem Landesparteitag in Siegburg.

Die RAG gehöre aber nicht einem Mann. Zudem dürfe es nicht sein, dass die Steuerzahler, die noch 20 Mrd. Euro Kohlesubventionen in den kommenden Jahren zahlten, auf den Ewigkeitslasten sitzen blieben.

Müller will die RAG mit ihren profitablen Sparten Energie, Chemie und Immobilien 2008 an die Börse bringen. Die Einnahmen sollen in eine Stiftung fließen, die die Lasten des ebenfalls im Konzern gebündelten Bergbaus decken soll. Der ehemalige Wirtschaftsminister will nach dem Börsengang der um den Bergbau dezimierten RAG an die Spitze der Stiftung wechseln. Das hatte Rüttgers bereits in der Vergangenheit abgelehnt.

Medienberichten zufolge will er statt Müller einen Finanzfachmann für diesen Posten, der die Erlöse aus dem Börsengang mehren soll, um die Folgen der geplanten Einstellung des Steinkohlebergbaus zu finanzieren.

Müller hatte die RAG eigentlich in diesem Frühjahr aufs Börsenparkett bringen wollen, dies aber wegen des andauernden Streits um die Zukunft des Bergbaus um ein Jahr verschoben. Gelingt indes keine rasche Einigung auf die Stiftung und ihren Chef sowie keine Verabschiedung des Kohle-Kompromisses im Bundestag, könnte auch dieser Zeitplan und der Börsengang insgesamt ins Wanken geraten.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller sagte, die Frage laute, ob die RAG als Ganzes an die Börse gehe oder nur Einzelteile verwertet würden. Die industriepolitischen Gesichtspunkte sprächen "klar für einen integrierten Börsengang", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post".

Unterdessen gerät RAG-Chef Müller Medienberichten zufolge unter Druck wegen des geplanten Verkaufs des Versorgers Saar Ferngas an den Stahlkonzern ArcelorMittal. Um den Verkauf hatte sich ein Streit zwischen der RAG und ihrem Großaktionär RWE entzündet. Der Energiekonzern hatte den Versorger selbst übernehmen wollen, hatte dafür vom Bundeskartellamt aber keine Genehmigung erhalten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Industriekreise an der Ruhr schreibt, werde der RAG-Chef nun die von ihm angestrebte Führung der Bergbau-Stiftung nicht übernehmen können. Wie der "Spiegel" schreibt, hat RAG-Aufsichtsratschef Wulf Bernotat bereits bei der Anwaltskanzlei Freshfields Brockhaus ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Magazin "Focus" berichtete, Aufsichtsräte des Ruhrkonzerns würfen Müller beim Saar-Ferngas-Verkauf "grobe Pflichtverletzungen" vor.

Das Unternehmen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Außer ArcelorMittal und RWE sind der Energiekonzern E.ON und der Stahlkonzern ThyssenKrupp Aktionäre der RAG.

Quelle: n-tv.de