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Ungewollte Profil-Werbung Xing-Nutzer außer sich

Nachdem es eine Zeitlang ruhig um das Online-Netzwerk Xing geworden war, ist es jetzt wieder um so lauter: Eine neue Werbepraxis hat viele Mitglieder des Netzwerkes derart in Rage gebracht, dass Xing ein gutes Stück zurückrudern musste. Was als neue Einnahmequelle gedacht war, hat dem Business-Netzwerk nicht nur den Zorn seiner Nutzer, sondern auch erhebliche Kurseinbußen gebracht.

Bereits im November 2007 hatte Xing in einer Pressemitteilung angekündigt, seine Plattform für Werbevermarkter öffnen zu wollen. Damit sollte eine "neue Einnahmequelle als Ergänzung zum beitragsfinanzierten Geschäftsmodell, das auf der Premium-Mitgliedschaft basiert", geschaffen werden. Die Reaktion auf die Pressemitteilung blieb zunächst aus – solange, bis die neue Einnahmequelle für alle sichtbar wurde. Xing blendet auf den Profilen der Mitglieder nun Werbung ein und zwar sowohl bei den einfachen, als auch bei den zahlenden Premium-Kunden, denen zuvor zugesichert worden war, dass es für sie keine Werbung gebe.

Nicht mit den Profis

Seither geht es bei Xing in den Foren hoch her. In einer spontanen Abstimmung sprachen sich 2.500 Mitglieder gegen die Werbeformen aus, nur 100 konnten sich damit anfreunden. Erste Mitglieder verabschiedeten sich vom Netzwerk, andere wollten sich das "nicht mehr lange anschauen". Das mit dem Anschauen ist dabei so eine Sache, denn offenbar können die Premium-Kunden zwar selbst keine Werbung sehen, ihre Profile werden aber durchaus als Werbeflächen genutzt. Was dazu führt, dass die User mit Unternehmen in Verbindung gebracht werden, die auch schon mal in Konkurrenz zur eigenen Firma stehen können. So wurde scheinbar mehrfach auf den Profilseiten von Bankmitarbeitern Werbung für die Konkurrenz geschaltet.

Wie fachkundige Xing-Mitglieder schnell herausfanden und über die Foren verbreiteten, ist die Einblendung von Werbung auch rechtlich nicht unproblematisch. So wiesen Juristen daraufhin, dass für einige Berufsgruppen Werbung im Zusammenhang mit der eigenen Tätigkeit nicht oder nur eingeschränkt erlaubt sei – aber wie soll man darauf Einfluss nehmen, wenn man gar nicht sehen kann, ob auf dem eigenen Profil Werbung geschaltet ist?

Abschalten auf Knopfdruck

Am Donnerstagabend schritt schließlich Xing-Chef Lars Hinrichs ein. Im Forum dankte er für das "offene und konstruktive Feedback" der User und warb für die Notwendigkeit von Werbung um "Ihnen weitere Features und Services anzubieten, die Sie begeistern". Dennoch nehme man die Befürchtungen und Beunruhigen ernst, und werde daher noch am Freitagnachmittag den Premium-Mitgliedern die Möglichkeit geben, Werbeeinblendungen auf der Profilseite abzustellen, versprach Hinrichs. Gesagt getan, seit dem Nachmittag können sich zumindest die Premium-Mitglieder aus der bunten Werbewelt verabschieden. Das Fußvolk muss sich weiterhin mit der Werbung abfinden. Den Kurs der Aktie konnte die Schnellmaßnahme entsprechend noch nicht stützen, nachdem der Titel am Donnerstag von 44,80 Euro auf 42,20 Euro absackte, lag der Titel am Freitag weitere 2,6 Prozent im Minus.

Der Protest gegen die Werbeeinblendungen ist nicht die erste Gegenwehr, die Xing von seinen Usern hinnehmen muss. Erst vor wenigen Wochen hatte die Funktion "Neues aus meinem Netzwerk" für heftige Diskussionen gesorgt. Der Newsstream wird automatisch aus den Veränderungen generiert, die die Xing-Mitglieder an ihrem Profil vornehmen und sorgt dafür, dass man beispielsweise problemlos verfolgen kann, was für neue Kontakte die Netzfreunde so haben. Für Xing-Chef Lars Hinrichs ist das neue Feature eine "neue Dimension" des Netzwerkes. Für Datenschutzbeauftragte geht diese Dimension jedoch eindeutig zu weit. Wer sich nicht derart entblättern möchte, kann zwar die Freigabe von "Persönliches" oder "Neue Kontakte" unterbinden, allerdings ist über die Powersuche weiterhin zu sehen, wenn sich die Position oder die Firma geändert hat.

Dass auch in Zeiten von Web 2.0 die User nicht bereit sind, alles von sich preiszugeben, musste unlängst auch das Online-Netzwerk StudiVZ erfahren. Die Ankündigung von nutzerbezogener Werbung, die auch per SMS oder Instant Messenger versandt werden sollte, brachte die Mitglieder derart auf, dass StudiVZ sich um Schadensbegrenzung bemühte und die geplanten Werbeaktivitäten etwas eindämpfte. Denn wer lässt sich schon gerne in seinen eigenen Diskussionsgruppen als "StasiVZ" verrufen.

Quelle: ntv.de