Wirtschaft
Kommt die nächste Finanzkrise aus der Türkei?
Kommt die nächste Finanzkrise aus der Türkei?(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 10. August 2018

Der Börsen-Tag: Dax im Tiefenrausch - Anleger fürchten Türkei-Krise

Der Lira-Absturz hat den Börsen am letzten Handelstag der Woche schwer zugesetzt. Der Dax fiel zeitweise um 2,25 Prozent und erreichte bei 12.390 Punkten den tiefsten Stand seit fünf Wochen.

Chart

Am Ende ging er 1,9 Prozent leichter bei 12.425 Punkten ins Wochenende. Der Euro-Stoxx-50 sackte ebenfalls 1,9 Prozent auf 3426 Punkte.

Die Anleger fürchten wegen der finanziellen Engagements der europäischen Banken in türkischen Schuldtiteln bzw. deren Verbindungen mit türkischen Geldhäusern eine systemische Krise. Entsprechend standen die Banken-Titel unter besonders großem Abgabedruck. 

Die Talfahrt der Lira wurde verstärkt durch die Ankündigung der USA, die Strafzölle auf Aluminium und Stahl aus der Türkei zu verdoppeln. Der türkische Präsident Erdogan gibt sich kämpferisch und sieht sein Land in einem Wirtschaftskrieg, der er "nicht verlieren" wird. Erdogan hat seine Mitbürger aufgefordert, mit Lira-Käufen die eigene Währung zu stützen.

Der Lira-Absturz wirkte sich auch auf den Euro aus. Die Gemeinschaftswährung knickte gegen den Dollar auf 1,1405 Dollar ein, nach rund 1,1525 Dollar am Vorabend. Teilnehmer sprechen von einer "Flucht in sichere Häfen", zu denen neben dem Dollar auch bundesdeutsche Staatsanleihen zählen. Deren Kurse sprangen auf Zweiwochenhochs.

Auch die Börse in Istanbul blieb nicht verschont. Sie brach zwischenzeitlich um annähernd fünf Prozent ein, der BIST 100 erholte sich danach allerdings wieder bis auf minus 2,3 Prozent.

Am türkischen Anleihemarkt stieg das Zinsniveau für Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit auf 23,66 Prozent. Die Zinskurve spiegelt die zunehmendem Spekulationen über drohende Finanzprobleme des Landes. Die Rendite der 10-jährigen Papiere lag zuletzt bei 19,98 Prozent. Nach Einschätzung aus dem Handel läuft der Türkei die Zeit davon.

Die Zentralbank müsse schnell und überzeugend handeln. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) sind spanische Banken in der Türkei mit mehr als 80 Milliarden Dollar engagiert, gefolgt von französischen Geldinstituten, die es auf fast 40 Milliarden bringen. BBVA verloren 5,1 Prozent und BNP Paribas fielen um 2,9 Prozent.

Die Türkei-Festspiele im letzten Börsen-Tag sind damit beendet. Ab jetzt halten Sie die Kollegen von der Spätschicht auf dem Laufenden. Bleiben Sie informiert!

Quelle: n-tv.de