Wirtschaft
Freitag, 10. August 2018

Der Börsen-Tag: Warten auf "neues Wirtschaftsmodell" der Türkei

Es ist ein dramatischer Tiefpunkt für die türkische Lira: Die Währung verliert am Morgen vorübergehend zwölf Prozent ihres Werts und erreicht erstmals die Marke von sechs Lira zum Dollar. Um den Euro stand es kaum besser: Nach einer Spitze bei 7,14 am frühen Morgen wurde die europäische Währung am Vormittag bei 6,80 gehandelt.

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Die Sorgen über die Auswirkungen auf die europäischen Banken steigen. "Bisher galt die Türkei-Krise als ein lokales Ereignis mit begrenzten Auswirkungen für den Rest der Welt. Das hat sich nun radikal geändert", schreiben die Experten der Citi.

Die Finanzmärkte warten jetzt auf Finanzminister Berat Albayrak, den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten, der am Mittag das "neue Wirtschaftsmodell" vorstellen will. Bislang ist wenig darüber bekannt. Die türkische Führung will angeblich ihre Wachstumsprognose etwas zurücknehmen und die Inflation in den einstelligen Bereich senken.

Die Türkei hat eine tief negative Leistungsbilanz, die vielfach stark in Dollar verschuldeten türkischen Unternehmen sind auf ausländisches Kapital angewiesen. Steigende Zinsen würden sie in die Bredouille bringen, vor allem die Banken.

Investoren erwarten sich jedoch nicht allzu viel von dem Wirtschafts-Programm: "Das Gerede kann kaum die Sorgen der Investoren beruhigen angesichts eines Staatschefs, der auf die Intervention Gottes und des Volkes zu setzen scheint", kommentiert der Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK.

Getrieben wird die Talfahrt durch die erneute Attraktivität des Dollars, die Investitionen in Ländern wie der Türkei weniger attraktiv macht. Auch wirken sich die neuen US-Sanktionen gegen den Iran negativ aus, mit dem die Türkei wirtschaftlich eng verbunden ist. Hinzu kommen aber auch Sorgen um die türkische Währungs- und Wirtschaftspolitik sowie außenpolitische Spannungen.

Quelle: n-tv.de