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Uber, Netflix und Amazon Now On-Demand-Dienste helfen beim Stressabbau

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Für viele Stressgeplagte sind On-Demand-Firmen ein Segen.

imago/Westend61

Der Kühlschrank füllt sich inzwischen so gut wie von allein. Serien und Filmen sind jederzeit abrufbar und auch die schmutzige Wäsche kann man sich sauber zurückbringen lassen. On-Demand-Start-ups werden immer beliebter.

Niemand hat Zeit, jeder ist "busy". Für viele von uns ist es schwierig, Familie, Beruf und den Alltag unter einen Hut zu bekommen. Passend dazu zeigen diverse Studien, dass immer mehr Deutsche sich gestresst fühlen. Eine große Anzahl an Gründern und Start-ups haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, dieses Problem anzugehen und bieten Lösungen an. Das Heilsversprechen lautet: On Demand. Alles auf Abruf, genau dann, wenn man es braucht und das ohne viel Aufwand. Es soll uns helfen, unseren Stress zu reduzieren.

Das weltweit bekannteste On-Demand-Start-up ist sicherlich Uber. Die kalifornische Taxialternative hat es geschafft, in über 60 Ländern und mehr als 300 Städten aktiv zu sein. Egal, ob ich in Paris, London oder San Francisco bin, mit der Uber App bekomme ich überall innerhalb nur wenigen Minuten einen Fahrer.

On Demand kann allerdings noch viel mehr. Wenn man den Markt weltweit betrachtet, findet man eine unglaubliche Fülle an Start-ups, die verschiedenste Nischen bedienen wollen. Netflix und Maxdome haben Video On Demand in Deutschland bereits populär gemacht. Aber auch den Masseur kann man sich über Massagio innerhalb von zwei Stunden nach Hause oder ins Büro bestellen. Sogar die schmutzige Wäsche kann man sich von Zipjet abholen und sauber zurückbringen lassen.

Vor allem, wenn es ums Essen geht, ist On Demand besonders angesagt. Fastfood-Lieferungen gibt es schon lange, aber dank Foodora und Deliveroo jetzt auch in guter Qualität, fernab von labbriger Pizza und Co. Wer lieber selbst kocht, hat die Möglichkeit, sich von diversen Anbietern beliefern zu lassen - von Supermarktketten wie REWE über die ökologischen und regionalen Biokisten bis hin zu Start-ups wie Hellofresh und Marleyspoon, die Zutaten und Rezepte zusammen versenden. Auch viele bereits etablierte Firmen wie Amazon setzen mit neuen Angeboten wie Amazon Now auf On Demand. Gestern hat es eine Kollegin erst in Berlin getestet: Im Internet bestellt und in zwei Stunden stand der Bote vor der Tür. Es gibt fast keinen Bereich, für die es keine Start-ups gibt, die uns versprechen, das Leben leichter und stressfreier zu machen.

Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen

On Demand ist zunächst schlicht ein Begriffszusatz für Dienstleistungen und Waren, der auf eine zeitnahe Erfüllung von Anforderungen hinweisen soll. Es ist ein Begriff, dessen Bedeutung sich notwendigerweise mit der Zeit verändert und sich nicht klar definieren lässt. Vor einigen Jahren verstand man einen klassischen E-Commerce-Einkauf mit einer Lieferzeit von einer Woche noch als On Demand. Unverändert am Begriff bleibt, dass man unter On-Demand-Angeboten stets solche versteht, die schneller und einfacher sind als die der jeweiligen Konkurrenz. Eine Essenslieferung erwarten wir innerhalb von 30 bis 60 Minuten. Bei Möbeln hingegen kann auch eine Lieferzeit von einigen Tagen immer noch als überdurchschnittlich schnell empfunden werden und somit als On Demand.

Wie schnell Produkte oder Dienstleistungen geliefert werden können, ist allerdings nur ein Teilaspekt davon, was On Demand ausmacht. Ebenfalls wichtig ist ein optimierter Buchungsprozess. Früher musste man für einen Termin in einem bestimmten Zeitfenster anrufen, jetzt kann ich im Internet bequem aus den angezeigten verfügbaren Terminen auswählen und direkt buchen. Das ist für mich ein klarer Zeitgewinn.

Ja, es gibt sicherlich einiges am Trend zu kritisieren. Viele On-Demand-Angebote erscheinen uns heute noch als Spielereien und gehören in die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht". Weiterhin sollte man sich bewusst machen, was die verbesserte Kundenfreundlichkeit für Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen hat. Auch wenn uns die Vorstellung angenehm ist, die Getränkekisten zukünftig nicht mehr selbst in die Wohnung zu tragen - jemand anderes muss es dennoch machen. Viele On-Demand-Anbieter wie beispielsweise Uber stehen bereits in der Kritik, nur Selbstständige zu beschäftigen. Ohne feste Arbeitsverträge haben die Servicekräfte zwar meist auch mehr Freiheiten, aber auch weniger Absicherungen.

Stressabbau durch On Demand

Wie bereits als Folge des E-Commerce-Booms geschehen, werden sich die prekären Arbeitsbedingungen in der Serviceindustrie mit wachsender On Demand-Orientierung höchstwahrscheinlich weiter ausbreiten. Häufig wird auch die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle infrage gestellt. Es wird sich erst zeigen müssen, welche Formen der On-Demand-Start-ups sich als langfristig wirtschaftlich rentabel herausstellen werden.

Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück. Können On-Demand-Start-ups uns beim Stressabbau helfen? Aus meiner Sicht lautet die Antwort: Ja, wenn man sie richtig einsetzt. Für wen beispielsweise der Lebensmitteleinkauf persönlich einen großen Stressfaktor darstellt, der sollte Lieferservices in Betracht ziehen.

Eine Gefahr ist, dass der um sich greifende On-Demand-Trend selbst zur Stressfalle wird. Wir wollen alles sofort haben und schnell Ergebnisse sehen. Es ist die Frage, was unseren Stresspegel stärker in die Höhe schießen lässt: der Lebensmitteleinkauf oder der On-Demand-Optimierungswahn?

Quelle: n-tv.de

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