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Das Salz in der Suppe Warum Start-ups eine Katastrophe sind

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In der Start-up- und Managerwelt wird viel von Disruption gesprochen. Meist ist es negativ konnotiert. Mit ironischem Unterton ist es "Wirtschaftswort des Jahres 2015" geworden. Zeit, sich nach einem neuen Begriff umzusehen.

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Sie denken, sie können die Welt aus den Angeln heben und sind davon überzeugt, die Weisheit mit Löffeln "zu sich genommen" zu haben. Meist gerade erst aus ihrem Ei geschlüpft, feiern sie ihre wachsenden Verluste mit ausschweifenden Partys. Start-up-Gründer. Pfff. Wer jetzt eine Schimpftirade auf Start-ups erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen.

Ich befasse mich schon länger mit der Vieldeutigkeit von Worten und habe das Gefühl, es lohnt sich, hinter die Worte und ihre ursprüngliche Bedeutung zu schauen. Es geht darum, Dinge zu verstehen und in den Kontext zu setzen. Viel wird in der Start-up- und Managerwelt von Disruption gesprochen. Laut Wikipedia ist "eine disruptive Technologie eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt".

Disruption, im klassischen Sinne, ist negativ konnotiert. Bewusst ist mir das Wort zum ersten Mal in einer Londoner U-Bahn aufgefallen. Die U-Bahn verspätete sich und die Ansage verkündete, dass gerade eine "disruption" vorliege, eine Unterbrechung. Wenn man sich die anderen Bedeutungen anschaut, wird es nicht besser. Zusammenbruch, Belästigung, Bruch, Zerrüttung und Riss. Die FAZ kürte das Wort mit einem ironischen Unterton zum "Wirtschaftswort des Jahres 2015". Ich glaube, es ist Zeit, dieses Wort zu disrupten. Was wäre denn ein neues gutes Wort? Ich werfe mal Katastrophe in den Ring. Wollen Start-ups nicht Katastrophen auslösen? Oder Teil einer Katastrophe sein? Ich sehe die smarten Berater schon vor mir.

Digital-Berater: Disrupten Sie noch oder katastrophieren Sie schon?
CEO: Muss ich das jetzt machen?
Digital-Berater: Klar, ich war die letzten 2 Wochen im Silicon Valley. Da katastrophieren alle. Disruption ist so 2015.

Wirklich katastrophale Firmen setzen sich über herkömmliche Regeln hinweg und brechen mit Gewohnheiten. Wenn man sich erfolgreiche Digitalunternehmen, die vor einigen Jahren als Start-up begonnen haben, anschaut, versteht man die Wucht der Katastrophe. Facebook als größtes Medienhaus der Welt hat keine eigenen Inhalte. Airbnb ist zum größten Anbieter von Unterkünften geworden, ohne ein einziges Zimmer selbst zu besitzen. Alibaba hat aus dem Stand in China ohne eigenen Warenbestand ein Handelsunternehmen im Wert von über 150 Milliarden Euro aufgebaut.

Katastrophen sind das Salz in der Suppe, ob jetzt in einer griechischen Tragödie, im "Tatort" am Sonntagabend oder durch die Gründung eines Startups. Spannende Wendepunkte und neue Antworten sind gefragt. Ich glaube an die positive Bedeutung, die Gründer und Start-ups haben, die Bestehendes in Frage stellen und Probleme mit neuen Ansätzen begegnen. Sprich, Katastrophen auslösen.

Quelle: n-tv.de

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